BLKÖ:Breislak auch Breislac, Scipio

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Breier, Eduard
Band: 2 (1857), ab Seite: 129. (Quelle)
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Breislak auch Breislac, Scipio (Geolog, geb. zu Rom 1748, gest. zu Mailand 15. Febr. 1826). Anfänglich zum priesterl. Stande bestimmt, wendete er sich aber bald und entschieden dem Studium der Geologie zu und verfocht den damals auftauchenden Vulcanismus gegen den Neptunismus. Er ward dann Professor der Naturphilosophie und Mathematik in Ragusa und kam später in’s Collegio Nazareno zu Rom. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts machte er eine wissenschaftliche Reise nach Neapel und Frankreich, wo er Verbindungen mit Chaptal, Fourcroy, Cuvier und andern Gelehrten anknüpfte. Napoleonernannte ihn zum Inspector der Pulver- und Salpetererzeugung [130] im Königreich Italien. Er war in seinem Fache sehr bewandert und äußerst thätig und seine Beobachtungen trugen wesentlich zu der gleich darauf erfolgten hohen Entwicklung und Reform seiner Wissenschaft bei. Er hinterließ viele tüchtige Abhandlungen, darunter eine über die „Solfatara“ von Pozzuoli, welche in’s Französische übersetzt wurde. „Essais minéralogiques sur la Solfatare de Pouzzoles trad. du manuscrit Italien par Fr. R. J. Pommereul“ (Neapel 1792, 8°.). – Ferner findet sich von ihm: „Topografia fisica della Campania“ (Florenz 1798, 8°.). – „Voyage physique et lithologique dans la Campanie, suivi d’un Mémoire sur la constitution physique de Rome etc., traduit du manuscrit Italien par Fr. R. J. Pommereul et accomp. de notes“, 2 Bde. (Paris 1801, Dentu, 8°., mit 6 Taf.); deutsch von Reuß, 2 Bde. (Leipzig 1802) [Eberl 2491]. Man findet darin die geologische Topographie der Umgebungen Roms, die Geologie des Vesuvs, von Puy-de-Dôme und der Auvergne; – „Del sal nitro e della arte del sanitrajo“ (Mailand 1803, 8°.); – „Introduzione alla geologia“ (Mailand 1811, 8°.); auch französ. von J. J. Bernard, 2 Bde. (Mailand 1811 und Paris 1812 [Bachelier], Klostermann [Ebert 2941]; – „Instituzioni geologiche“, 3 Bde. (Mailand 1818); auch französisch, unter Aufsicht des Verfassers aus dem Manuscript übersetzt von P. J. L. Campmas, 3 Bde. (Mailand, Giegler, 8°.) mit einem Atlas von 56 Taf.; deutsch von Strombeck, 3 Bde. (Braunschweig 1819, 8°.). Die beiden letztgenannten Werke – das zweite ist eigentlich eine neue Umarbeitung der „Introduzione“ – sind das erste geologische System in italienischer Sprache, zu einer Zeit, als Frankreich noch gar keines hatte. Die Grundidee, welche B. darin ausspricht, ist: Der Wärmestoff ist eine ganz eigenthümliche Substanz, welche mit den andern Elementen der Erdmasse vereinigt, sie im steten Zustande der Flüssigkeit erhalten muß, in welchen das Feuer jene Körper, mit denen es verbunden ist, verwandelt. Dem Werke ist ein Verzeichniß sämmtlicher Vulcane unserer Zeitrechnung und ein Tableau der vorzüglichsten Höhen der Erdkugel beigegeben. Dieses Tableau enthält eine Aufzählung von 750 Namen. B. war auch der erste, welcher die Communication der Vulcane Latiums mit denen Campaniens entdeckt hatte und die später bestätigte Ansicht aussprach, daß der größte Theil der sieben Hügel Roms Ueberbleibsel eines eingestürzten Vulcans seien. Während seines Aufenthalts in Frankreich untersuchte er die erloschenen Vulcane der Auvergne, und seine Beobachtungen darüber legte er in der französischen Ausgabe der vorgenannten „Topografia della Campania“ nieder. Auf Befehl der Regierung wurde gedruckt: „Descrizione geologica della provinzia di Milano“ (Mailand 1822, 8°., mit Taf.), wovon eine vermehrte und verbesserte Auflage Silvestri veranstaltete. Seine letzte wissenschaftliche Arbeit war: „Memorie sulle osservazioni fatte da celebri geologi posteriormente a quelle del Conte Marzavi intorno alla giacitura di graniti del Tirolo meridionale“ (Mailand 1824, 8°.). Breislak zählte zu den Hauptmitarbeitern der von Acerbi (s. d.) gegründeten „Biblioteca italiana“. Nach seinem Tode erschien im fünften Bande der „Memorie dell I. R. Istituto lombardo di scienze ec.“ seine ausführliche Abhandlung: „Osservazioni sopra i terreni compresi tra il Lago maggiore e quello di Lugano alla base meridionale delle Alpi“. Sein werthvolles Mineraliencabinet überließ er der Familie Borromeo. B. hat wesentlichen Antheil an den Fortschritten, welche die Geologie in den letzten Jahrzehenden gemacht; er hat die Wissenschaft mit positiven Thatsachen bereichert [131] und dadurch die Umwälzung, welche die älteren Theorien erfahren mußten, veranlaßt.

Configliachi, Memorie intorno alle opere ed agli scritti del geologo S. Breislak (Padua 1827, 8°.). – Quérard (J. M.), La France littéraire (Paris 1827, Didot, 8°.) I. Bd. S. 500. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) I. Bd. S. 474. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) VII. Bd. Sp. 305 [nach dieser ist B. 1748 geb.]. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) [dieses gibt 1768 als sein Geburtsjahr an].