BLKÖ:Burg, Adam Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Burger, Johann
Band: 2 (1857), ab Seite: 212. (Quelle)
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Burg, Adam Ritter von[BN 1][BN 2] (Mathematiker, k. k. Regierungsrath und Professor der Mechanik und Maschinenkunde am polytechnischen Institute zu Wien, geb. zu Wien 28. Jänner 1797). Ist der Sohn des k. k. Hofmaschinisten Anton Burg (gest. 1849). War ursprünglich auch zum Maschinisten bestimmt, lernte ordnungsmäßig die Tischlerei und arbeitete mehrere Jahre in der Werkstätte seines Vaters. 1810–1813 besuchte er die Architektur-Abtheilung der k. k. Akademie der bildenden Künste und trat 1813 in das Corps der vereinigten freien Akademie der bildenden Künste des Wiener Bürgermilitärs, worin er bis 1819 Dienste [213] that. Die Vorlesungen des 1815 eröffneten polytechnischen Cursus besuchte er während dieser Zeit und wurde 1820 provisorischer Assistent der höhern Mathematik und 1821 definitiv angestellt. In den von Prechtl herausgegebenen „Jahrbüchern des polytechnischen Institutes“ erschienen schon damals mehrere von ihm verfaßte mathem. Abhandlungen. Burg bildete sich nun in Sprachen aus und studirte Astronomie mit solchem Eifer, daß er mehrere Aufsätze in die „astronomische Zeitschrift“ von Zach schrieb und zwar: „Ueber das Vorrücken der Nachtgleichen“; – „Ueber die Theodoliten“, und in den Annalen der Wiener Sternwarte Azimuthal-Beobachtungen“ veröffentlichte. 1826 und 1827 supplirte er die Elementar-Mathematik am Polytechnikum und wurde im letzten Jahre Professor dieses Faches in Salzburg, in welcher Stelle er bis 1838 verblieb. In diese Periode fällt außer mehreren kleinen Abhandlungen die Herausgabe folgender Werke: „Anfangsgründe der analitischen Geometrie“ (Wien 1824, Gerold, mit 2 Taf., gr. 8°.); – „Abhandlungen über einige wichtige Gegenstände der praktischen Geometrie. Nebst einem Anhang von einigen trigonometrischen Reihen“ (Wien 1825, Wimmer, 1 Taf., gr. 8°.); – „Handbuch der geradlinigen und sphärischen Trigonometrie“ (Ebenda 1826, Beck, 2 Taf., gr. 8°.); – „Auflösung algebraischer Gleichungen ersten und zweiten Grades ... Mit 477 ausgeführten Beispielen“ (Wien 1827, Beck, gr. 8°.); – „Sammlung trigonometrischer Formeln“ (Wien 1827, Beck, gr. 4°.); – „Ausführliches Lehrbuch der höhern Mathematik. Mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Lebens“ 3 Bde. (Wien 1832, 33, Gerold, 12 Taf., gr. 8°.); – „Leichtfassliche Anleitung zum Rechnen mit Decimalbrüchen“ (Ebenda 1836); – „Compendium der höhern Mathematik“ (Wien 1836, 2. Aufl. 1851, Gerold, gr. 8°.). Dieses Buch ist von der Studien-Hofcommission als Lehrbuch für das polytechnische Institut vorgeschrieben worden und wird auf Anstalten des In- und Auslandes vielfach benützt. Im J. 1836 kam B. nach Arzbergers Tod als Supplent der Mechanik und Maschinenlehre an’s Polytechnikum nach Wien, welche Stelle er 1837 definitiv erhielt. In den Jahren 1838–1841 unternahm B. auf Staatskosten Reisen nach Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Frankreich, England, Schottland, wo er die wichtigsten Etablissements besuchte, auf die Mängel der heimischen Maschinenfabrikation und die Vorzüge der ausländischen aufmerksam machte. Auf seine Anregung wurden die bald stark besuchten Sonntags-Vorlesungen über Mechanik und Maschinenlehre eröffnet, und seinem Beispiele folgten bald die übrigen Professoren des Instituts und hielten populäre Vorträge aus den verschiedenen Gegenständen der Naturwissenschaft. 1844 wurde B. in Folge seiner Verdienste zum k. k. Regierungsrathe ernannt. Von Staatswegen besuchte er 1844 und 1847 die Industrieausstellungen zu Paris und Brüssel und im letztern Jahre verlieh ihm die Stadt Wien das Ehrenbürgerrecht für seine Verbesserung der Feuerlöschanstalten, Wasserleitungen und Gasbeleuchtung. Auf der Liste vom 1. Febr. 1846, welche die wirklichen Mitglieder der k. k. Akademie der Wissenschaften enthielt, befand sich auch von Burgs Name. Die im J. 1849 ihm übertragene Leitung des polytechnischen Instituts vertauschte er 1852, in welchem Jahre diese Anstalt unter militärische Leitung gestellt wurde, mit einer Sectionsrathstelle im Handelsministerium. Das Jahr zuvor (1851) ging er aber zur Ausstellung nach London, wo er die ersten drei Monate die Präsidentenstelle des östr. Ausstellungscomité in London versah. In den Jahren 1852 und 53 wurde er zum Preisrichter der landwirthschaftlichen Ausstellungen in Wien ernannt. 1854 fungirte B. als Präses des zur Beschickung [214] der Münchner Industrieausstellung in Wien gebildeten Comité’s und in gleicher Eigenschaft bei der Commission der östr. Industrie bei dieser Ausstellung; im September desselben Jahres als Präses-Stellvertreter des zum Behufe der Pariser Ausstellung niedergesetzten Central-Comité’s, bei welcher er 1855 als zweiter Regierungs-Commissär, Vorsteher des Bericht-Erstattungs-Comité’s und Obmann der östr. Jury-Mitglieder wirkte. Seine Verdienste bei beiden Ausstellungen zeichnete der König von Baiern mit dem Ritterkreuz des Civil-Verdienstordens von der bairischen Krone, der Kaiser der Franzosen mit dem Officierskreuze der Ehrenlegion aus. Mit dieser ersprießlichen Thätigkeit für das öffentliche Leben verbindet B. eine nicht minder gedeihliche Privatthätigkeit. Wir erwähnen nur nebenbei, daß durch B. unmittelbar als Lehrer der Mechanik und Maschinenkunst u. mittelbar durch seine gediegenen Werke über diese Gegenstände alle Maschinisten, Heizer, Locomotivführer, Mechaniker seit drei Jahrzehenden im Kaiserstaate ihren Unterricht und ihre Ausbildung erhalten haben. Die wechselseitige Capitalien- und Rentenversicherungs-Anstalt in Wien berief ihn 1841 in das Directorium derselben und nach seinem statutenmäßigen Austritt in den Ausschuß. Die Administration der ersten k. k. priv. Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft wählte ihn 1844 zum Mitgliede, die priv. Wien-Gloggnitzer Eisenbahngesellschaft 1849 in die Direction. Im n. ö. Gewerbverein bekleidete B. seit 1839 verschiedene Stellen, die eines Secretär-Stellvertreters, Secretärs, 1844 Vorsteher-Stellvertreters, in welcher letztern Function er 1849, 1853 und 1855 neuerdings gewählt wurde. Wir würden weit die Gränzen, die uns in unserm Werke gestellt sind, überschreiten, wollten wir noch aller jener Richtungen im öffentlichen und Privatleben gedenken, in denen B.’s Thätigkeit von den wohlthätigsten Folgen für das öffentliche und sociale Leben begleitet gewesen. Wir haben nur mit Uebergehung der in gelehrten Zeitschriften enthaltenen Abhandlungen, welche bereits ein halbes Hundert übersteigen und die der unten angegebene „Almanach der k. k. Akademie“ unvollständig aufzählt, noch jener Werke hier zu gedenken, welche B. außer den bereits genannten selbständig hat erscheinen lassen. Es sind das: „Compendium der populären Mechanik und Maschinenlehre“ (Wien 1846, 2. Aufl. 1849, 3. Aufl., Gerold, 8°.); – „Supplementband zum Compendium der populären Mechanik und Maschinenlehre“, 1 Bd. und 1 Heft Atl., mit 10 Taf., in qu. Fol. (Ebenda 1850, 8°.), und im Auftrage des Unterrichtsministeriums hat B. das 1855 erschienene „Lehrbuch der Maschinenlehre“ für Ober-Realschulen verfaßt. Auch wurde B. im J. 1853 zum Mitglied der Prüfungs-Commission für Lehramts-Candidaten der Ober-Realschulen ernannt und 1855 darin bestätigt. – Außer den bereits erwähnten Auszeichnungen erhielt B. in Anerkennung seiner Verdienste schon im J. 1849 von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Leopoldordens und später zahlreiche andere Auszeichnungen von fremden Regenten, und ist wirkliches und Ehrenmitglied von nahezu 30 gelehrten oder gemeinnützigen Vereinen und Anstalten.

Oestr. Illustrirte Zeitung (Wien 1853, Keck u. Pierer, 4°.) III. Jahrg. Nr. 129, 130, 131 [mit B.’s xylographirtem Porträt]. – Almanach der kaiserl. Akademie der Wissenschaften für 1851 (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) S. 140 [ein sehr ungenaues Verzeichniß seiner Schriften). – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 432. – Porträte. 1) Unterschrift: Facsimile des Namens. Nach einer Photographie von C. v. Jagemann (Wien 1856, Eigenthum und Verlag von G. A. Lenoir, Fol.). Aus der Gallerie ausgezeichneter Naturforscher. – 2) Unterschrift: Facsimile des Namens. A. Dauthage 1853 nach der Natur [215] gezeichnet u. lithogr. (Wien, 4°. u. Folio). – Ritterstands-Diplom vom 22. Nov. 1850. – Wappen: Ein blauer Schild, in welchem auf einem aus dem Fußrande aufsteigenden Felsen eine silberne Burg mit einem verschlossenen Thore und einem zur Hälfte herabgelassenen goldenen Fallgitter, dann an jedem der beiden Ecken mit einem runden, dreizinnigen, mit spitziger Warte versehenen Thurme erbaut ist. Ueber dem Thore sind quer nebeneinander zwei, in jedem der beiden Thürme aber pfahlweise übereinander drei Fenster angebracht. Auf der Hauptmauer steht ein goldener Krahn, von dem ein goldenes Faß aufgezogen erscheint.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Burg, Adam Ritter von [Bd. II, S. 212].
    Prolog und Festrede bei der akademischen Feier zu Ehren des k. k. Hofrathes und Professors ... Adam Ritter von Burg. Mittwoch den 21. März 1866. Veranstaltet von den [380] Hörern der Technik (Wien 1866, A. Schweiger u. Comp.). [Nur das von Dr. F. A. Lukas verfaßte vollständige Verzeichniß der Schriften und Bildnisse Burg’s (S. 13–21) hat einigen Werth.] [Bd. 24, S. 379.]
  2. E Burg, Adam Ritter von [Bd. II, S. 212; Bd. XXIV, S. 379].
    Verzeichniß der bis zum Jahre 1863 erschienenen und nach ihrer Zeitfolge geordneten literarischen Arbeiten des Adam Ritter von Burg [nun folgt auf 30 Zeilen der vollständige Titel Burg’s und dann auf 4 Seiten die ganz unbibliographisch ausgeführte Aufzählung von 60 Schriften] (Wien, Carl Gerold’s Sohn, 4°.). [Bd. 26, S. 371.]