BLKÖ:Cavanis, Markus Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Caucig, Franz
Band: 2 (1857), ab Seite: 314. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Markus Anton Cavanis in Wikidata
GND-Eintrag: 100761747, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Cavanis, Markus Anton|2|314|}}

Cavanis, Markus Anton (Humanist und Stifter der Congregazione dei Cherici secolari delle scuole di Carità in Venedig, geb. daselbst 19. Mai 1774, gest. ebenda 11. Oct. 1853). Entstammt einer vornehmen Familie Venedigs, welche König Sobieski im J. 1684 in den polnischen Adelstand erhoben hatte. Der Dominikaner Callegari und der Weltgeistliche Anton Venier leiteten die erste Erziehung des Knaben, der sich insbesondere in Sprachen, in der Literatur und Geschichte ausbildete. Seinen Eltern zu Liebe gab er sein Vorhaben, in den geistlichen Stand zu treten, auf und nahm Dienste bei der Magistratur, in denen er 11 Jahre blieb. Als aber sein Vater starb, erfüllte er sein früher unterdrücktes Vorhaben und wurde 1806 Priester. Von dieser Zeit an ist sein Leben eine ununterbrochene Kette von Opfern, von Erfüllung sich selbst auferlegter schwerer Pflichten, zum Frommen der hilflosen Jugend, worin ihn sein gleichgesinnter Bruder wesentlich förderte. Sein ganzes und nicht unbedeutendes Vermögen verwendete er zu Stiftung der Armenschule in der Pfarre S. Maria del Rosario, und einer zweiten für Mädchen in der Pfarre SS. Gervasio e Protasio. Darauf unternahm er Reisen nach Wien und Rom, um sein lange vorbereitetes Vorhaben, die Gründung einer Congregazione dei Cherici secolari delle scuole di Carità auszuführen, für [315] welches Institut er die verlassene Kirche S. Agnes erwarb und einrichtete. Von Jugend auf den schönen und ernsten Studien zugethan, dichtete er selbst geistliche und weltliche Lieder, unter denen ein komisches, betitelt „la Zucca“ größere Verbreitung fand. Eine Sammlung seiner Poesien ließ er unter dem Namen: „Mireno Eleusinio“, unter welchem er als Mitglied der Arcadier thätig war, erscheinen. Nachdem er Priester geworden, zeichnete er sich als Kanzelredner aus und seine Leichenreden auf den Tod des Priesters Zorzi, des Mons. Zender, des h. Vaters Gregors XVI. zählen zu den Musterstücken der geistlichen Beredsamkeit. In seiner Eigenschaft als Stifter von Schulen war er auch als Schriftsteller im Lehrfache thätig, und es erschienen von ihm: „Nuovo metodo per agevolare ai fanciulli lo studio della lingua latina“ (Vened. 8°.); – „Squarci di eloquenza di celebri moderni autori italiani“ (Ebenda); – „Rime scelte di celebri moderni autori italiani ad uso delle scuole di Carità“ (Ebenda); – „Il giovane istruito nella cognizione dei libri“ 20 Bdchn. (Ebenda 12 °.) eine biographische Encyklopädie sehr brauchbar für Pädagogen; – „Nuovo Dizionario italiano e latino ad uso delle scuoli di Carità“ (Ebenda). Unter einem nicht eben sorgfältigen äußern Gewande verbarg er eine seltene Hoheit des Gemüths und Kindlichkeit des Herzens, und einen Beweis dafür, wie er feinen Anstand übte, gibt seine Antwort an die milde Kaiserin Maria Anna, als diese, ihm einen ansehnlichen Beitrag für seine Stiftung spendend, sich jeden Dank verbat: „Ich tröste mich damit, Euer Majestät, daß die Madonna Hochdieselbe zur Spenderin ihrer Gnaden auserwählt“. Die Päpste Pius VII., Leo XII. und Gregor XVI. förderten huldvoll seine Bestrebungen, ebenso der höchstselige Kaiser Franz, der ihm für seine Institute größere Geldspenden zukommen ließ. Der Kaiser Ferdinand verlieh ihm die große goldene Civil-Verdienstmedaille und Kaiser Franz Joseph zeichnete den frommen Mann dadurch aus, daß er ihn als Gast an seine Tafel zog. Venedig ehrte den Mann durch eine Marmortafel in der S. Agneskirche, wo seine Leiche ruht.

[Salsi, Andrea] Elogio funebre del Marcantonio dei Conti Cavanis (Venedig 1853, G. Grimaldo) [nach diesem ist C. am 11. Oct. 1853 gestorben]. – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856) Giunte e correzioni ai cenni biografici, S. 228 [setzt den 9. Oct. 1853 als seinen Todestag an].