BLKÖ:Civalart von Happancourt, Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 375. (Quelle)
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Civalart von Happancourt, Karl Graf[BN 1][BN 2][BN 3] (k. k. General der Cavallerie, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Wien 1766). Trat am 4. Juli 1784 als Unterlieut. in’s Cav.-Reg. Latour-Dragoner (gegenwärtig Fürst Windischgrätz-Chevauxlegers), war mit demselben 1784 und 1785 in den Niederlanden während der Scheldestreitigkeit mit Holland, rückte 1. April 1789 zum Oberlieut., 1. Oct. zum Second-Rittmeister, und Juni 1794 zum 1. Rittmeister im Regimente vor, das sich in den Revolutionskriegen so sehr ausgezeichnet hatte. Wurde am 28. Mai 1799 Major, am 12. April 1800 Oberstlieut., und 13. Nov. 1800 Oberst bei Fürst Rosenberg-Chevauxlegers Nr. 6. Im Feldzuge des J. 1805 gab C. vielfältige Beweise seines militärischen Ueberblicks. Der durch Umgehung des Feindes erfolgte Sieg bei Ulm (11. October 1799) war sein Werk. Als sich das Corps des FML. Wernek nach der ersten feindlichen Aufforderung zur Uebergabe am 16. Oct. im Angesichte zweier feindlichen Divisionen nach Heidenheim zurückzog und [376] unerwartet von überlegenem Feinde angegriffen, schon dessen Arrieregarde geworfen wurde, führte C., ohne erst Befehl abzuwarten, die drei Divisionen seines Regimentes dem Feinde entgegen, und zwang ihn durch entschlossene Gegenwehr von der ferneren Verfolgung abzulassen, wodurch die zerstreuten Colonnen sich wieder formiren, und das in ihrem Rücken gelegene Defilée bei Herbrechtingen gewinnen konnten. Am Tage der Capitulation bei Trochtelfingen gelang es dem Obersten C., sein Reg. im Angesichte des Feindes, und von diesem lebhaft verfolgt, glücklich und ohne Verlust in’s anspachische Gebiet zu führen, und es von der feindlichen Gefangenschaft zu retten. Gleiche Beweise von Umsicht und Tapferkeit gab C. als der Feind das Corps des Erzh. Ferdinand bei Eschenau unerwartet angriff, und mit seinen an Zahl viel stärkeren Truppen siegreich vordrang. Als der Kampf noch in später Nacht fortdauerte, retteten C.’s Tapferkeit und die Standhaftigkeit seines Regimentes dasselbe von der Gefangenschaft. Bei dieser Gelegenheit stürzte C., durch mehrere auf den Helm empfangene Hiebe betäubt vom Pferde. Mit seinem Regimente und einer schwachen Escadron von Latour-Dragonern deckte er aber dann den Rückzug des Corps bis nach Eger. Am 11. August 1805 wurde er Gen.-Major, und für seinen oft bewiesenen Heldenmuth am 29. Mai 1806 mit dem Ritterkreuze des Mar. Theresienordens geschmückt. Den Feldzug gegen Frankreich im Jahre 1809 machte C. bei dem Corps des Erzh. Ferdinand in Galizien mit und wurde am 18. Juli 1812 mit dem Rang vom 16. Nov. 1809 zum FML. ernannt. 1813 übernahm C. eine Division bei dem Cavallerie-Reservecorps unter FML. Graf Nostiz, welcher dessen Einsicht und Thätigkeit in der Relation über die Schlacht bei Leipzig besonders anrühmte. 1814 kam C. als Truppen-Divisionär nach Galizien, und wurde 16. October 1815 zweiter Inhaber des Uhlanen-Reg. Nr. 1. Mit 24. Dec. 1829 zum ad latus des commandirenden Generalen in Ungarn ernannt, ward C. mit 15. Jänner 1830 General der Cavallerie; am 9. März 1831 Garde-Kapitän der k. k. Trabanten-Leibgarde und Hofburgwache; u. nach dem Ableben des G. d. C. und reg. Herzogs Ernst zu Sachsen-Coburg-Gotha, am 29. Jänn. 1844 Inhaber des Uhlanen-Regiments Nr. 1. Im Febr. 1851 suchte der hochbetagte Krieger um Enthebung von der Gardekapitän-Stelle an. Bei dieser Gelegenheit zeichnete der Monarch den verdienten Krieger durch Verleihung des Großkreuzes des kais. österr. Leopold-Ordens aus. C. ist auch wirklicher k. k. Kämmerer und geheimer Rath, und lebt gegenwärtig zu Baden bei Wien.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 703.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Civalart von Happancourt, Karl Graf [s. d. Bd. II, S. 375], gestorben zu Baden bei Wien 12. August 1865. Da er im April 1766 geboren war, so stand er zur Zeit seines Ablebens im hundertsten Lebensjahre. Er war der älteste Ritter des Maria Theresien-Ordens, und in der denkwürdigen Katastrophe bei Ulm waren es er und der nachmalige Feldmarschall Fürst Schwarzenberg, welche zur Rettung des Erzherzogs Ferdinand d’Este [Bd. IV, S. 86] aus unvermeidlicher französischer Gefangenschaft bei Ulm das Meiste beigetragen. Als in späteren Jahren bei einer Mahlzeit, an welcher der Erzherzog mehrere seiner früheren Waffengefährten um sich versammelt hatte, der damalige General-Adjutant des Erzherzogs, General-Major Graf Degenfeld, der Vater des Kriegsministers [Bd. III, S. 203], als eben das Gespräch auf die Ulmer Katastrophe gekommen, den Erzherzog fragte, was er wohl gethan haben würde, wenn er möglicher Weise doch gefangen worden wäre, erwiederte dieser durch die Frage sichtlich überrascht und auf den unter den Gästen gleichfalls anwesenden Civalart hinweisend, im entschiedenen Tone: „Herr General! Civalart wird Ihnen sagen, daß ein Erzherzog von Oesterreich nicht gefangen werden konnte“. Sein ziemlich bedeutendes Vermögen hinterließ C. seiner Wirthschafterin, die seit 1811, also an 55 Jahre, sein Hauswesen besorgt hatte; überdieß hatte er einige ansehnliche Legate gemacht und die Armen von Baden reichlich bedacht. Der Graf war der Letzte seines Geschlechtes.
    Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 343, 345 u. 347. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 225. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 223, 225 u. 227. [Bd. 14, S. 420.]
  2. E Civalart von Happancourt, Karl Leopold Graf [Bd. II, S. 375; Bd. XIV, S. 420].
    Wiener Zeitung 1865, Nr. 187, S. 460: „Nekrolog“. [Bd. 23, S. 376.]
  3. E Civalart von Happancourt, Karl Graf [Bd. II, S. 375; Bd. XIV, S. 420].
    Hoffinger (Ritter von), Oesterr. Ehrenhalle u. s. w., wie bei Altschul, III. 1860, S. 2. [Bd. 24, S. 380 f.]