BLKÖ:Degenfeld-Schonburg, August Franz Joseph Christoph Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 201. (Quelle)
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Degenfeld-Schonburg, August Franz Joseph Christoph Graf von[BN 1][BN 2] (Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Groß-Kanischa in Ungarn 10. Dec. 1798). Ein Sohn des Grafen Friedrich Christoph (s. den Folg.). Aus der Ehe mit Luise Gräfin zu Erbach-Erbach. Trat im Juli 1815 als Unterlieutenant in’s Inf.-Reg. Baron Bakony Nr. 33, machte den Feldzug 1815 bei der österr. Reservearmee und den Zug nach Piemont (1821) mit. Nach und nach zum Hauptmanne vorgerückt, erhielt er 1834 den k. preuß. Johanniter-Orden, wurde 1835 Major bei Fleischer-Inf. und General-Commando-Adjutant in Böhmen. Am 18. April 1842 wurde er Oberst des Inf.-Reg. Erzh. Rainer, am 1. Juni 1848 GM., erhielt anfänglich eine Brigade bei dem 2. Armee-Reserve-Corps unter Baron von Welden, später beim 4. Armeecorps. Im letzteren wohnte er der Einnahme Mailands bei, und wurde in der Relation des FM. Radetzky unter den Ausgezeichneten genannt. Im Feldzuge 1849 gegen Piemont zeichnete sich Graf D. in der Schlacht bei Novara in einer den Sieg des Tages und das Schicksal der Zukunft entscheidenden Weise aus. Der Graf befehligte die Avantgardebrigade des 4. Armeecorps. Bei dem Vorrücken und Ueberschreiten der Agognabrücke wirkte das feindliche Artilleriefeuer so mörderisch, daß die kais. Artillerie nicht mehr Zeit zum Abprotzen ihrer Kanonen behielt und die aufmarschirende Infanterie-Division zurückgedrängt zu werden anfing. Im heftigsten Kugelregen hielt GM. Degenfeld Stand, und seiner Anrede wie den Bemühungen des Obersten Mandel und Hauptmanns Zinner von Nugent-Inf. Nr. 30 gelang es, das Gefecht wieder herzustellen. Beim Anblick der anrückenden feindlichen Verstärkungen ließ Graf D. das Regiment Nugent [202] vorrücken und führte, als ihm das Pferd unterm Leibe getödtet wurde, zu Fuß die Truppen dem Feinde entgegen. Indem er noch einige Verstärkungen an sich zog, eilte er mit diesen den stürmenden Bataillonen von Nugent nach und stellte die unterbrochene Verbindung mit dem 2. Armeecorps wieder her. Dadurch war der Feind verhindert, in größern Massen zwischen der Stadt und der Stellung des 4. Armeecorps durchzudringen u. wurde, statt sein bereits begonnenes Vorrücken fortzusetzen, zu fluchtähnlichem Rückzug durch das Defilé der Stadt gezwungen. So hat der tapfere D. wesentlichen Antheil an den großen Erfolgen des siegreichen Tages. Seine Waffenthat zeichnete der Kaiser durch das Ritterkreuz des Mar. Theresien- und des österr. Leopoldordens aus. Im Oct. 1849 wurde der Graf zum FML. und Vicegouverneur der Festung Mainz ernannt, bald darauf aber als Sectionschef und Stellvertreter des Kriegsministers nach Wien berufen. In dieser Stellung war er Chef der Reorganisationscommission beim allerh. Armee-Obercommando. Im J. 1855 war er Commandant des 8. Armeecorps, und schon seit 1852 Inhaber des Inf.-Reg. Nr. 36, vormals Fürst Frz. Colloredo-Mansfeld. – Gustav, Graf D.-Sch. (geb. 9. Mai 1807), sein Bruder, ist General-Major und Brigadier im 7. Armeecorps und Ritter des östr. Leopold-Ordens.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 36. – [Kneschke (Ernst Heinrich Dr.) Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1854, Weigel, gr. 8°.). I. Bd. S. 179. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) II. Suppl. Bd. S. 1317. – Porträte. 1) Unterschrift: August Graf Degenfeld-Schonburg, k. k. Feldmarschall-Lieutenant (r. Böhm, 1853, gedr. bei A. Fr. Walzel in Pesth 1853). – 2) Gez. von Kriehuber. Wien bei L. Neumann, in größerem und kleinerem Folio, auch colorirt. –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Degenfeld, August Franz Joseph Christoph, Feldzeugmeister [s. d. Bd. III, S. 201]. Aus seiner letzten Stellung als Chef der Organisationssection in der kaiserl. Centralkanzlei abberufen, erhielt er das Commando eines Armeecorps, mit dem er 1859 die Küsten des adriatischen Meeres beschützte, und wurde nach dem Frieden von Villafranca zum commandirenden General in Italien mit dem Range eines Feldzeugmeisters ernannt. Als Kriegsminister wurde er am 20. October d. J. endgiltig angestellt. Bei den Berathungen über das Budget des Kriegsministeriums in den Jahren 1862 und 1863 tritt dieser Staatsmann merklich in den Vordergrund. In letzterem Jahre wollte man bemerken, daß der Graf gegenüber den Anforderungen des Hauses in einer Zeit, in welcher die äußeren Verhältnisse sich immer drohender gestalteten, aus der zuwartenden, ja entgegenkommenden Haltung des Vorjahres herausgetreten, und durch das Beharren des Hauses auf vorgefaßten Meinungen in gereizte Stimmung versetzt, derselben in höchst energischer Weise Luft gemacht habe. Dann verlautete es längere Zeit, daß der Graf, verbittert über das Beharren des Hauses auf Forderungen, denen er unter den gegebenen Verhältnissen als Kriegsminister zu entsprechen außer Stande war, sein Portefeuille in die Hände Sr. Majestät zurückgelegt habe. Noch vor Schluß der Reichsraths-Saison hatte er, im December 1863, seiner angegriffenen Gesundheit wegen, eine längst projectirte Reise nach dem Orient angetreten und beabsichtigt den Winter über in Kairo zu bleiben. Ein kaiserliches Handbillet vom 19. Februar 1864 enthebt endlich den Grafen, indem unter Einem Feldmarschall-Lieutenant Ritter von Frank [s. d. S. 408 d. Bds.] zu seinem Nachfolger ernannt wird, der Stelle des Kriegsministers, und heißt es in diesem Handbillet, „daß dem Grafen die Armee eine in den Kämpfen der neuesten Zeit besonders bewährte gediegene Ausbildung verdanke; daß seine Erfahrungen die Tüchtigkeit derselben erhöht und Fortschritte in allen Waffengattungen [392] in Anwendung gebracht haben, die sich bereits als nutzbringend erprobten“. Graf August ist (seit 10. December 1829) vermält mit Lady Elisabeth Watson of Clonbrogan and Boffana (geb. 14. Mai 1808). Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder, Graf Christoph (geb. 3. Mai 1831), Ehrenritter des Johanniter-Ordens und zur Zeit Major im Kaiser Franz Joseph-Huszaren-Regimente Nr. 1, und Gräfin Sarah Maria Louise (geb. 4. Februar 1833), vermält (seit 29. September 1859) mit Friedrich Freiherrn von Knobloch.
    Die Glocke, herausg. von Payne (Leipzig, kl. Fol.) 1862, Nr. 205, S. 389, mit wohlgetroffenem Porträt. – Erinnerungen (Prag. 4°.) 1863, 85. Bd. S. 46. [Bd. 11, S. 391 f.]
  2. E Degenfeld, August Franz Joseph Christoph Graf von [s. d. Bd. III, S. 201, und Bd. XI, S. 391[WS 1]]. Mit Allerh. Handschreiben vom 19. Februar 1864 wurde Feldzeugmeister Graf Degenfeld auf sein wiederholtes Ansuchen von der Stelle des Kriegsministers enthoben und mit dem nämlichen Tage Feldmarschall-Lieutenant Ritter von Frank an Degenfeld’s Stelle zum Kriegsminister ernannt. In dem Enthebungsschreiben des Grafen Degenfeld heißt es unter Anderem: „daß ihm die Armee eine in den Kämpfen der Gegenwart besonders bewährte gediegene Ausbildung verdanke, daß er durch seine vielfachen Erfahrungen die Tüchtigkeit der Armee erhöht und Fortschritte in allen Waffengattungen in Anwendung gebracht habe, die sich bereits als nutzbringend erprobten“
    Wiener Zeitung 1864, Nr. 43, S. 391. [Bd. 14, S. 423.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Bd. XI, S. 39.