BLKÖ:Cunich, Raimund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Curti, Peter Ambros
Band: 3 (1858), ab Seite: 76. (Quelle)
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Cunich, Raimund (Philolog und Priester d. Ges. Jesu, geb. zu Ragusa 1719, gest. zu Rom 22. Nov. 1794). Unter der Leitung des berühmten Roger Boscovich (s. d. II. Bd. S. 82) studirte er höhere Mathematik, Physik und die Naturwissenschaften, trat 16 Jahre alt in den Orden der Gesellschaft Jesu und wurde als Lehrer nach Fermo, alsdann nach Castello und Florenz gesendet, wo er an den Meisterwerken der Kunst seinen Geschmack läuterte. Dabei richtete er auf das Studium der lateinischen und griechischen Sprache sein Hauptaugenmerk und schrieb von classischen Studien genährt, Elegien im Geiste eines Catullus. Nachdem er in Rom den theologischen Curs geendet, wurde er zum Professor der Rhetorik berufen, welchen Posten er zwei Jahre bekleidete. In Rom trat er in freundschaftlichen Verkehr mit Canova und den ersten Malern, welche um jene Zeit in Rom lebten. Einige Uebersetzungen der griechischen Epigramme und einzelner Bruchstücke aus dem Homer, welche er in jener Zeit vollendet, erfreuten sich so sehr des Beifalls, daß er sich dem Studium des Letztern ausschließlich widmete und eine Uebersetzung der Iliade vollendete, von welcher Maffei in seiner „Storia della letteratura italiana“ (IV. Bd. S. 46) schreibt: „... la versione latina del celebre Cunich, il quale si servi dei colori virgiliani da lui mirabilmente consciuti“. Diese Uebersetzung ist in lateinischen Hexametern ausgeführt und erschien unter dem Titel: „Homeri Ilias lat. versibus expressa“ (Rom 1776 und noch öfter). 45 Jahre brachte er in Rom zu, wo er sich durch seine classische Gelehrsamkeit [77] den Ruf des gelehrtesten Priesters der Gesellschaft Jesu erworben und unter seinen Schülern Männer wie einen Morcelli, Lucchini, Lanzi, Zamagna herangebildet hatte. Nach der Aufhebung seines Ordens erhielt er einen Ruf an die Universität nach Pisa, schlug aber denselben aus Anhänglichkeit an seinen Freund und Mäcen, den gelehrten Cardinal Zelada aus. Die Akademie der Arcadier zählt ihn unter dem Schäfernamen Perelao Megaride zu ihren Mitgliedern. Außer der bereits erwähnten Uebersetzung der Ilias erschien noch von ihm: „De bono aerumnae. Elegiae“ (Warschau 1770, Cremona 1772); – „Anthologica, sive epigrammata Anthologiae Graecorum selecta lat. versibus reddita ed animadversionibus illustrata“ (Rom 1777, Venedig 1784, Reggio 1827). Die darin enthaltenen Epigramme sind in acht Capitel mit den Ueberschriften: Encomiastica, Satyrica, Moralia, Votiva, Sepulchralia, Lugubria, Ludicra und Varia abgetheilt; – „Epigrammatum libri V; accedit hendecasyllaborum libellus“ (Parma 1803); eine Auswahl seiner Original-Epigramme. – „Cunichii Raymundi S. J. Romam reduente“ (Wien 1763, Trattner, 4 Bl., 4°.). – Auch gab er heraus des G. C. Cordara: „La perrucca del P. Ruggiero Boscovich capitoli tradotti in versi latini dal P. R. Cunich“ (Novara, Artaria, 18°.) und des Grafen Zamagna didactisches Gedicht: „Navis aëria“ mit einem Buche Elegien desselben „De magna dei matre“ und 4 Idyllen (Rom 1768 und Wien 1784, 8.). In den Quellen befindet sich die Inschrift des ihm von seinen Freunden errichteten Grabdenkmales.

Tosi (Joachim), De vita Raymundi Cunichii Commentariolum (Rom 1795, typogr. Paleariniana, 23 S. 8°.). – Sorgo (Mich. Ant.), Elogio dell Ab. Raimundo Cunich (Ragusa 1795, 8°.). – Fabroni (Ang.), Vitae italorum doctrina excellentium XVI. Bd. S. 216–237: „Vita Raymundi Cunichii.“Tipaldo, Biografia degli illustri italiani del secolo XVIII–XIX. I. Bd. S. 55–58 von Dominik Baccolini [diese Biographie, ein Auszug des vom Verfasser in der Tiberinischen Akademie zu Rom gehaltenen Vortrags, befindet sich auch gekürzt in der „Biografia di Firenze“]. – Tommaseo (Nicolo), Studij critici (Venedig 1843, 8°.) II. Bd. S. 213–217: „Elogio di Raimondo Cunich“Galleria di ragusei illustri (Ragusa 1841, Martechini, 4°.). – Cracas di Roma 1794. 29. November, Nr. 2078: „Necrologia del P. Raimondo Cunich.“Ephemeridi romane 1795: pag. 23 und 1796: p. 12, 23. – Guadagni (Franz), De Raymondo Cunich ... Elegia (4°.). – Gliubich di Città vecchia (Simeone Ab.), Dizionario biografico degli uomini illustri della Dalmazia (Wien 1856, Rudolph Lechner, Zara, Battara e Abelich, 8°.) S. 92 [nach diesem geboren 14. Jänner 1719, gest. 1794]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XII. Bd. Sp. 626 [nach diesem geboren 14. Juni 1719, gest. 22. November 1794]. – Inschrift seines Grabdenkmals: Memoriae | Raimundi . Cunichi | Domo . Ragusio | Quem . Societas . Jesu . Romae . Alumnum | A. Pueritia . Suscepit | Pietatis . Et . Innocentiae . Laude . Florentem | Artibusque . Optimis . Imbutum | Eduxit . Ad. Gloriam | Vixit . Ann . P . M . LXXVI | Rhetor . In . Urbe . Fuit . Ann. XXXXV | Quo . Magistro . Claris . Viri . Gloriantur | Idem . Nulli . Poetarum . Latinorum . Sui . Temporis | Secundus . Habitus . Est. | Decess . X . Kal. rum Omnium . Lacrimis . Honestatus | Sodales . Veteres | Collegae . Mitissimo . Integerrimo | Fac. Cur. |