BLKÖ:Della Torre, Torquato

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 225. (Quelle)
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Della Torre, Torquato (Bildhauer, geb. zu Verona 1827). Der Sohn reicher Eltern, zeigte er frühzeitig eine außerordentliche Begabung für die Kunst. In Seife modellirte er einen Kopf des Socrates und einen andern Alexanders mit solcher Vollendung, daß ihn seine Eltern nach Mailand schickten, wo er sich unter dem Bildhauer Fraccaroli ausbilden sollte und daselbst 1846–48 verblieb. 1849 begab er sich zur Fortsetzung seiner Kunststudien nach Florenz und Rom. Als er in seine Vaterstadt zurückgekehrt war, meißelte er zuerst die Statue des Sohnes des Grafen Ugolino „Gaddo“; er wählte die Situation, da Gaddo (bei Dante) ausruft: „... Padre mio che non m’ajuti?“. Die Statue fand allgemein Beifall. Alsdann folgte „La Merulica“, die Bettlerin; ein 13jähriges Mädchen im Momente, da es die Vorübergehenden um eine Gabe fleht; – „La Pia“, eine Gestalt im Momente sich zum Himmel zu erheben, nach Dante: „Un sospiro e un addio per dar pur anco, al balcon trascinò l’infermo fianco“, als Gegenstück zur Bettlerin; – „l’Orgia“, eine Gestalt wollüstig hingelehnt, mit lüstern ausgestreckten Armen und Beinen, der rechte Arm ruht auf einem leeren Becher, der linke Fuß zertritt das Evangelium; – „Esmeralda“; – „La Speranza“; – „Diana“ (Büste); – „L’Addolorata“ – „Die Gruppe des Ugolino“. In allen Arbeiten des jungen Künstlers wird ein großer Fortschritt bemerkt. Namentlich ist es die Naturwahrheit, welche darin vorwaltet.

Il Collettore dell’Adige. Giornale di scienze, lettere ec. (Verona Fol.) Anno II. 1852, Nr. 15: „Lo scultore Veronese Torquato Della Torre“ von Stefano Fioretti. – Dass. Anno III. 1853, Nr. 16: „Epistola di Ettore Righi a Torquato Della Torre.“ – Dass. Anno IV. 1854, Nr. 12 u. 13: „Intorno ai modelli e sculture esposti dal nobile Torquato della Torre.“Gazz. uffiz. di Verona (Verona, Fol.) 1855, Nr. 238: „Torquato Della Torre.“ – Die Arbeiten D.’s erweckten von vornherein großes Aufsehen, aber der hinter dem Genie nachkeuchende Neid unterließ es nicht, das Talent und die Arbeiten des jugendlichen Künstlers herabzusetzen. Aus diesem Anlasse ruft ihm ein Freund, ihn in seinen Arbeiten und auszuharren ermuthigend zu: „Camoens und Tasso , von den Musen hochbegeistert, schalt man Narren; – Galilei einen Träumer und Ketzer; – den Bildhauer Marchese einen Kaminfeger; – den Bildhauer Fraccaroli einen gemeinen Steinmetz; – den Styl Canova’s nannte man eine Canova’sche Ungezogenheit; – den Grassi einen Versemacher; – den Monti einen Raben, der sich mit Pfauenfedern schmücke; – den Verdi einen trivialen Musikanten; – das „Befreite Jerusalem“, das unsterbliche Gedicht, diesen Stolz Italiens, das in alle Sprachen übersetzt und ein unantastbares Denkmal des italienischen Genius ist, das befreite Jerusalem – nannte man – nicht hinter des Autors Rücken, sondern ihm geradezu in’s Gesicht: rohe, ungefüge Prosa mit schlechten und harten Reimen. In diesen Wahrheiten möge er Trost finden und unbeirrt seiner Kunst leben, die ihn zu ihren liebsten Jüngern zählt.“