BLKÖ:Fontana, Felix

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 281. (Quelle)
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Fontana, Felix (Naturforscher, geb. zu Pomarolo bei Roveredo in Tyrol 15. April 1730, gest. 9. März 1805). Entstammt einer dürftigen Familie Roveredo’s. Studirte in Verona und Parma, dann in Bologna und Padua und zuletzt in Rom und Florenz. Er widmete sich dem Lehramte. Der Großherzog Franz bestellte ihn zum Professor der Philosophie in Pisa, und Leopold von Toscana [nachmaliger Kaiser Leopold II.) zum Director des physik. und naturhist. Cabinetes zu Florenz. Die schon unter den Medicäern begründeten mit Instrumenten von Galilei, Toricelli, Viviani u. A. ausgestatteten Sammlungen gewannen erst ihre Bedeutung, nachdem sie F. aufgestellt hatte; denn bei allen Sammlungen besteht deren Werth überhaupt nicht in der Masse, sondern in dem der Benützung und dem praktischen Bedürfnisse zugänglich gemachten Materiale des Vorhandenen. Eine wissenschaftliche Reise bot ihm Gelegenheit zur Vermehrung dieser Sammlungen, unter denen die anatomischen Wachsfiguren, unter F.’s Aufsicht von Clemente Susini ausgeführt, eine Zierde der dortigen Musealschätze bilden. Sie enthielten damals 24 lebensgroße Figuren, 1 für die Bänder, 4 für die Muskeln, 8 für die Blutgefäße, 4 für die Lymphgefäße, 5 für die Nerven, 1 für die Schwangerschaft und über 3000 Detailspräparate. Als Kaiser Joseph diese Sammlung sah, bestellte er gleiche Wachspräparate für die von ihm begründete medic.-chirurg. Akademie, deren anatomisches Museum noch gegenwärtig zu den Sehenswürdigkeiten Wiens gehört. Bei den religiösen Reformen, welche Großherzog Leopold in Toscana mit Hilfe des Bischofs Ricci vornahm, war auch F. betheiligt und es mußte der Physiker entgelten, was der religiöse Reformator verschuldete. Als 1799 Toscana von den Franzosen besetzt wurde, ward F. des Einverständnisses mit denselben beschuldigt, verhaftet, aber bald wieder frei gegeben. Als Fachschriftsteller gab er heraus: „De legibus irritabilitatis“ (Lucca 1763), welche über Hallers Anregung unternommenen Beobachtungen der Reizbarkeit zuerst in Hallers „Memoires sur les parties sensibles ecc.“ erschienen; – „Nuove Osservazioni sopra i globetti rossi del sangue“ (Lucca 1766); – „Sopra la ruggine del grandine“ (Ebenda 1767); – „Traité sur le venin de la vipère, sur les poisons américains, sur le laurier-cerise et quelques autres poisons vegetaux“, 2 Bde. (Flor. 1781, 4°.), italienisch einige Jahre später unt. d. Titel: „Trattato del veleno della Vipera“, 4 Bde. (Napoli 1787, 8°. mit K. K.); u. deutsch in Berlin (1787, gr. 4°. mit K. K.). [Vergl. Ebert Bibl. Lex. Nr. 7760]; – „Descrizioni ed usi di alcuni stromenti per misurar la salubrità dell’ aria“ (Florenz 1774), behandelt das nach F. benannte mit Anwendung des Priestley’schen Salpetergases construirte Eudiometer; – „Ricerche filosofiche sopra la fisica animale tom. I (ed unico)“ (Florenz 1775, 4°.), deutsch von E. H. G. Hebenstreit (Lpz. 1785) [vergl. Ebert Nr. 7761]; – „Recherches physiques sur la nature de l’air déphlogistique et de l’air nitreux“ (Paris 1776). – Gesammelt erschienen einige seiner Schriften [282] als: „Opuscoli scientifici“ (Florenz 1785, auch Neapel 1787, 8°.). [Vergl. Ebert Nr. 7761] – und Gibelin gab heraus: „Observations physiques et chimiques“ (Paris 1784. Auch sind mehrere seiner Abhandlungen in den „Philosoph. Transactions“ und in den Schriften der Turiner Akademie enthalten, welche letztere Quérard in der unten bezeichneten Quelle anführt. Im hohen Alter noch unternahm F. die Ausführung einer colossalen Statue aus Holz, welche den menschlichen Organismus nach seinen einzelnen Theilen darstellen sollte. Beinahe war diese zu ihrem Ende gediehen, als ihn in Folge eines Falles, den er auf der Straße gethan, der Tod im Alter von 73 Jahren dahinraffte. Auf seinen mehrjährigen Reisen auf dem Continente hatte er die Koryphäen der Wissenschaft kennen gelernt, mit denen er einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhielt.

Mangili (Giuseppe), Elogio della vita di F. Fontana (Pavia 1812, 8°. u. Mailand 1813, 8°.). [Bei Eröffnung der Vorlesungen an der Universität zu Pavia 1812 von M. vorgetragen.]– Bernouilli, Zusätze zu den neuesten Nachrichten von Italien I. Bd. S. 251–254. – Sprengel, Geschichte der Arzneikunde V. Thl. S. 95, 196, 457. – Enciclopedia italiana (Venedig 1850, Tasso, Lex. 8°.) Appendice fasc. 270, S. 619. – Quérard (J. M.), La France littéraire (Paris 1829, Firmin Didot, 8°.) III. Bd. S. 152 [mit der irrigen Angabe des Jahres 1812 als Todesjahr]. – Enciclopedia populare (Turin 1846). – Baur (Samuel), Allgem. histor.-biograph.-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die im 1. Jahrzehend des 19. Jahrhundts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 413. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) VI. Bd. S. 135. – Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 160. – Fontana’s Namen erwies die Wissenschaft eine in der Naturwissenschaft übliche Ehre: sie nannte den bei den Thieren im vorderen Theile des Strahlenbandes (Lig. ciliare), beim Menschen in der Furche am vorderen Ende der Sclerotica vorkommenden Canal: Canalis Fontanae. Anatomen wollen den von Ruysch u. Hovius beschriebenen, in der Anatomie unter dem Namen Sinus venosus Hovii bekannten ringförmigen, venösen Blutbehälter mit dem Canalis Fontanae identisch finden.