BLKÖ:Gribeauval, Johann Baptist Vicomte de

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 332. (Quelle)
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Gribeauval, Johann Baptist Vicomte de (General, geb. zu Amiens 15. Sept. 1715, gest. zu Paris 9. Mai 1789). Trat 1732 als Freiwilliger in das königl. Artill.-Reg. zu Paris, wo er schon 1735 Officier wurde. Er verlegte sich vornehmlich auf das Minirwesen und rückte 1752 zum Capitän im Mineur-Corps vor. Sein Ruf als tüchtiger Mineur war so bedeutend, daß ihn Graf d’Argenson, damaliger Kriegsminister, auswählte, um die preuß. Artillerie zu studiren, welche damals europäische Berühmtheit besaß. G. unterzog sich mit glücklichem Erfolge dieser Aufgabe und erstattete darüber, wie über den Zustand der Gränzen und Gränzfestungen Preußens, welche er besucht hatte, umständlichen Rapport. 1757 begleitete er den französ. Grafen Broglie als Oberstlieutenant des Mineurcorps nach Wien. Beim Beginne des siebenjährigen Krieges hatte die Kaiserin Maria Theresia den König von Frankreich um Ueberlassung guter Artillerie-und Genie-Officiere angegangen. G. war einer derjenigen, der 1758 als Generalmajor in die Dienste der östr. Artillerie übernommen wurde. In dieser Stellung betätigte G. seine ausgezeichneten Kenntnisse, er commandirte 1758 die kaiserl. Artillerie bei der Belagerung von Neisse, verbesserte 1759 die Festungswerke von Dresden, leitete 1760 die Belagerung von Glatz, und befehligte 1762 unter Feldmarschall-Lieutenant Guasco in Schweidnitz. Dieser Platz, von 3000 Preußen besetzt, war erst am 1. Oct. 1761 von Loudon genommen worden. Friedrich II. konnte diesen Verlust nicht verschmerzen, und beschloß, die Festung wieder in seine Gewalt [333] zurückzubekommen. Er übertrug an Lefebvre, einen in der Kriegsgeschichte jener Periode hervorragenden Officier, die Ausführung der Minen-Arbeiten, durch welche er sich in den Besitz von Schweidnitz zu setzen gedachte. Die Trancheen wurden am 6. August eröffnet und am 13. schrieb Friedrich an den Marquis d’Argens (französisch): „Meine Unternehmung auf Schweidnitz geht bisher über alle Maßen gut, noch 11 glückliche Tage und unser Versuch ist gelungen“. – 23 Tage später, am 6. September, schrieb Friedrich II. an denselben Marquis: „Ich bin ebenso ungeschickt im Einnehmen von Festungen, wie im Versemachen. Ein gewisser Gribeauval und 10,000 Oesterreicher haben uns bisher aufgehalten. Uebrigens sind Commandant und Garnison in Agonie, wir werden ihnen alsbald Garaus machen.“ Doch ging es damit so rasch nicht. Sein Gegner Lefebvre konnte gegen die von G. angewendeten von Belidor erfundenen Quetschminen nichts ausrichten. Am 26. September schrieb Friedrich wieder: „Ich meldete ihnen mit zu viel Zuversicht das Ende der Belagerung. So weit sind wir noch gar nicht, die Minen haben uns zu lange aufgehalten. Wir brauchen 6 Wochen, um einen Platz, den wir in 2 Stunden verloren haben, wieder zu gewinnen. Das Genie Gribeauvals vertheidigt den Platz ..., er bereitet uns immer neue Chicanen aller Art.“ In der That häuften sich G.’s Chicanen der Art, daß die Belagerung sich bis zum 9. Oct. 1762 verzögerte; und nur ein Zufall kam den Preußen zu Statten. Das Jauerniker Fort, in dessen Pulvermagazin eine Granate geschlagen hatte, sprang in die Luft und nun war die Festung genöthigt, zu capituliren. Als die Besatzung der Festung Friedrich II. vorgestellt wurde, wollte er G. anfänglich nicht sehen, später aber zog er ihn an seine Tafel und überhäufte ihn mit Lobsprüchen. Im nämlichen Jahre ernannte die Kaiserin G. zum Feldmarschall-Lieutenant, verlieh ihm auch für den Fall, daß er in ihren Diensten bleibe und das Großkreuz des Ludwigs-Ordens ablegen wolle, das Großkreuz des Mar. Theresienordens. G. lehnte aber den Antrag ab und zog vor, nach dem Hubertsburger Frieden wieder nach Frankreich zurückzukehren, wo er 1764 General-Lieutenant u. 1776 General-Inspector der Artillerie wurde. Ohne sein Verschulden gerieth er in kön. Ungnade, wurde aber später von König Ludwig XVI. zum General-Inspector des großen Arsenals ernannt; nicht lange bekleidete er diese Stelle, denn er starb bald darauf im Alter von 74 Jahren. Die Kriegswissenschaft hat G. mehrere der sinnreichsten Erfindungen im Fache der Artillerie und des Minenwesens zu verdanken; so z. B. die Verkürzung der Röhre des Feldgeschützes bis auf 18 Kaliber; das Schlepptau; die bei der Belagerung von Schweidnitz erprobten Wall-Lafetten u. dergl. m. Seine Arbeiten im kriegswissenschaftlichen Gebiete sind gesammelt in dem Werke: „Tables de Constructions des principaux attirails de l’artillerie, proposées et eprouvées depuis 1764 jusqu’ en 1789 par M. de Gribeauval, exécutées et recueillies par M. de Mauson, maréchal dechamp, et par plusiers autres officiers du corps royal d’artillerie de france. Impr. et grav. par ordre du roi“ (Paris 1792, Impr. roy.), drei Bände in 4 Abtheilungen in Folio, mit 125 Tafeln, welche besonders zwei Bände in Folio bilden; so lautet der gestochene Titel des Werkes, ein zweiter führt folgende Aufschrift: „Règlement concernant les fontes et constructions de l’Artillerie de france“. Von diesem Werke wurden nur 120 Exemplare abgezogen, deren Vertheilung sich die Regierung vorbehielt, daher die große Seltenheit [334] und der sehr hohe Preis der Exemplare. Ein dem General Pomereuil gehöriges Exemplar wurde mit 2000 Fr. bezahlt.

Gaucher de Passac, Precis sur M. de Gribeauval (Paris 1816, 8°.). – Journal de Paris. Supplement du 8 Juillet 1789: „Notice“ par Marquis de P(uységur). – Louis Napoleon Bonaparte, Manuel d’Artillerie. – Quérard (J. M.), La France littéraire ... (Paris 1829, Firmin Didot, Lex. 8°.) III. Bd. S. 473 [nach diesem geb. 4. December 1715; gibt eine detaillirte Uebersicht der von G. verfaßten „Tables des constructions de principaux attirails de l’Artillerie“].