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BLKÖ:Habsburg, Maria Anna (1738–1789)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 26. (Quelle)
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212. Maria Anna, Erzherzogin von Oesterreich, Aebtissin des adeligen Fräuleinstiftes zu Prag (geb. 6. October 1738, gest. 19. October 1789). Tochter des Kaisers Franz I. Stephan und der Kaiserin Maria Theresia. Sie erhielt in der Taufe noch die Namen Josephine Antonia Johanna. Die Prinzessin zeigte schon in früher Jugend besondere Vorliebe für die Wissenschaften und Künste, und pflegte unter ersteren vornehmlich die Mineralogie und Numismatik, unter letzteren die Malerei und Aetzkunst. Sie besaß eine werthvolle Mineralien- und Münzsammlung, deren Beschreibung sie in dem Werke: „Schau- und Denkmünzen, welche unter der glorwürdigen Regierung der Kaiserin-Königin Maria Theresia geprägt worden sind. Zwei Abtheilungen (Wien 1782 und 1783, Fol., deutsch und französisch)“ der Oeffentlichkeit übergab. Ihr Lehrer in der Malerei und Aetzkunst war Friedrich August Brand [siehe d. Bd. II, S. 111], k. k. Rath und Professor an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. Am 2. Februar 1766 wurde Maria Anna Aebtissin des von ihrer großen Mutter errichteten adeligen Fräuleinstiftes zu Prag. Im nämlichen Jahre wurde in Wien unter dem Schutze des Fürsten Kaunitz die kais. Kupferstecher-Akademie begründet. Am 5. März 1767 erklärte sich Erzherzogin Maria Anna als Mitglied derselben, und ließ durch den Director Schmutzer eine von ihr angefertigte Röthelzeichnung der Akademie zustellen. Als im December 1769 Oberstlieutenant Scarlatti, von der großherzoglichen Akademie der Künste zu Florenz gesendet, in Wien eintraf, bat er den fürstlich Liechtenstein’schen [27] Galleriedirector, Vincenz Fanti, der Erzherzogin im Namen der ganzen Akademie das Diplom eines erwählten Mitgliedes zu überreichen. Die Erzherzogin nahm das Diplom an, und entgegnete dem es überreichenden Fanti: „Ich versichere Sie, daß ich diese Ehrenbezeigung gerne annehme. Ich bin Liebhaberin der schönen Künste und freue mich herzlich, von Ihrer weltberühmten Akademie die Anerkennung meines kleinen Talentes zu finden.“ Einige Tage später erhielt Fanti von der Erzherzogin eine sehr schöne Arbeit für die florentinische Akademie mit dem Auftrage, in ihrem Namen derselben zu danken. Im Jahre 1772 erschienen von ihr „sechzehn radirte Blätter“ mit der Unterschrift: „Gemalet und geätzet von Ihrer kais. Hoheit Erzherzogin Maria Anna.“ Die „neue Bibliothek der schönen Wissenschaften“ (Bd. XXI, Nr. 133) schreibt darüber folgendes: „Ohne uns bei dem Anblicke dieser Seltenheit durch die Hand der Schmeichelei vom Wege der Wahrheit ablenken zu lassen, urtheilen wir: daß kein Kennerauge diese Blätter für bloße Dilettantenwerke annehmen, sondern ihnen den höhern Platz anweisen wird, auf den die verdiente Kunstbeflissene den gerechtesten Anspruch machen kann. Ihr wesentlichstes Verdienst, das ihnen vor den Werken manches als Muster in seiner Kunst gepriesenen Kupferstechers, der selbst erfindungsleer, die Vorschrift des Pinsels oder die vorgezeichneten Linien mit langem Fleiße getreu copirt, den Vorzug verschafft, kann wohl nicht bestritten werden, denn hier ist nichts Copie, alles Original oder doch in eigene Ideen verwebte Nachahmung. Alle diese glücklich gewählten und wohl componirten Gegenstände sind in Wasserfarben gemalt und mit der Radirnadel wiederholt. Es sind Landschaften, Seestücke, aufgehangenes Geflügel, Stillleben in verschiedenen Manieren der berühmtesten Bambocciadenmaler. Besonders schön sind darunter ein paar Schwarzkunstblätter: ein nächtlicher Brand in der Manier des van der Poel, und ein Mondenschein in der Manier des van der Neer. Welcher Verehrer der schönen Künste kann dem Ausbruche des Lobes Einhalt thun, welcher verdiente Künstler wird nicht den Hofzeichnenmeister Friedrich Brand um die Ehre der Lehrerstelle bei einer so vortrefflichen Prinzessin beneiden, die ihm in den Werken ihres Genies die Belohnung seiner Pflicht finden läßt.“ Im April 1781 begab sich die Erzherzogin Maria Anna nach Klagenfurt, wo sie ihren bleibenden Aufenthalt nahm und durch ihre großmüthigen Stiftungen in dem der Krankenpflege gewidmeten Kloster der Elisabethinerinen, als deren zweite Gründerin die Erzherzogin betrachtet werden kann, sich ein unvergängliches Andenken in Kärnthens Hauptstadt schuf. Maria Anna starb auch daselbst im Alter von 51 Jahren und ist im Elisabethinerkloster beigesetzt. Ihre Bibliothek, ihre Mineralien- und Münzsammlung fielen größtentheils der Pesther Bibliothek zu.

Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Ausgearbeitet von – – (Leipzig 1802 u. f., Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. VIII, S. 491. – Wiener Courier 1858, Nr. 37: „Eine fürstliche Künstlerin“. – Oesterreich. National-Encyklopädie, herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 564.[BN 1]Porträte. 1) M. Meytens p. F. L. Schmitner sc. (Fol.), ganze Figur; – 2) J. Houbraken sc. 1747 (Fol.), Kniestück; – 3) Mannsfeld sc. 1767, v. Trattnern exc.

Berichtigungen und Nachträge

  1. S. 27 d. Bds., Sp. 2, in den Quellen zur Erzherzogin Maria Anna (Nr. 212) ist vor den „Porträten“ einzuschalten:
    Austria. Oesterr. Universal-Kalender (Wien, Klang, gr. 8°.) IV. Jahrg. (1843), S. 212: „Die Erzherzogin Maria Anna“; – IX: Jahrg. (1848), S. 92: „Die Erzherzoginen Maria Anna und Charlotte“. [Band 7, S. 415]