BLKÖ:Hansch, Michael Gottlieb

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hansen, Theophil
Band: 7 (1861), ab Seite: 328. (Quelle)
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Hansch, Michael Gottlieb (kais. Rath und Polyhistor, geb. zu Müggenthal bei Danzig 22. September 1683, gestorben, wie vermuthet wird, in Wien um 1752). Die Beziehungen dieses Gelehrten zum Kaiserstaate, der Umstand, daß mehrere seiner Schriften in Wien gedruckt und die von ihm begonnene Ausgabe der Werke des berühmten Astronomen Keppler durch die Munificenz des Kaisers Karl VI. möglich geworden, weisen ihm eine Stelle in diesem Lexikon an. H. besuchte in Danzig das Gymnasium, ging 1762 nach Leipzig, wo er 1703 Magister wurde und mit Vorliebe das Studium der Mathematik trieb, zugleich [329] aber die Theologie zu seinem Berufe erwählte und 1709 in Rostock die theologische Doctorwürde erhielt. Wie er in seiner Vaterstadt in den Besitz von 19 handschriftlichen Bänden des Keppler’schen Nachlasses kam, darüber liegt nichts Bestimmtes vor – nach Meusel hatte er dieselben um 100 fl. erkauft – diese durch den Druck zu veröffentlichen, machte er verschiedene Versuche, und als mehrere derselben fehlschlugen, begab er sich 1714 nach Wien, wo Leibnitz, der ihm übrigens wohl wollte, eben auch anwesend war. Durch dessen Unterstützung gelang es ihm, von Seite des kaiserlichen Hofes die namhafte Summe von 4000 fl. zur Herausgabe der Keppler’schen Werke zu erhalten. H. begab sich nun nach Frankfurt a. M. und gab auch 1718 den ersten Band unter dem Titel: „Operum Joh. Keppleri Tomus I. seu epistolae virorum doctissimorum ad Kepplerum insertis ejusdem responsionibus“ (Francof. a. Moenum 1718, Fol., 18 Taf.) [vergl. Ebert: Bibliogr. Lexikon I, Nr. 11345], heraus. Als er denselben dem Kaiser Karl VI. überreichte, wurde er überdieß mit einer goldenen Gnadenkette und dem Titel eines kais. Rathes ausgezeichnet; eine fernere Geldunterstützung zur Fortsetzung der Herausgabe von Keppler’s Werken zu erhalten, gelang ihm aber nicht. Auch von anderer Seite blieben seine Bitten und Vorstellungen unberücksichtiget und endlich war er genöthiget, Schulden halber Frankfurt zu verlassen und den Rest des Keppler’schen Werkes zum Unterpfande zurückzulassen. Die ihm 1721 in Leipzig verliehene Stelle eines Seniors des Frauencollegiums verlor er, weil er sich nicht entschließen konnte, in Leipzig seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen. Nun hielt er sich, meist mit Herausgabe mathematischer und philosophisch-theologischer Werke beschäftiget, zu Frankfurt, Regensburg, Nürnberg auf und begab sich 1727 nach Wien, wo er sich bis an seinen Tod, der nach den Quellen, die über ihn berichten, um 1752 erfolgt sein mochte, aufgehalten haben soll. Ohne daselbst ein öffentliches Amt zu bekleiden, beschäftigte er sich nur mit Herausgabe verschiedener Werke und behielt immer seinen Plan, die Vollendung des Keppler’schen Nachlasses, jedoch erfolglos, im Auge. Von seinen zahlreichen Schriften, welche Meusel in dem in den Quellen angeführten Werke einzeln aufzählt, folgen hier nur die in Wien gedruckten oder auf Oesterreich bezüglichen. Es sind folgende: „Das merkwürdige Wien. Januarius, Februarius und März“ (Nürnberg 1727, 4°., mit K. K.); – „Leges motus exemplis singularibus illustratae, cum tabula mnemonica virium secundum principia Godofredi Guilelmi Leibnitii“ (Viennae 1730, 4°.); – „Trias meditationum logicarum, quibus theoria syllogismorum universa perficitur et illustratur, novaque demonstrationum Euclidearum analysis in sorites hypotheticos ... promittitur“ (ebd. 1734, 4°.); – „Vernünftige Gedanken von der Möglichkeit zu einer Vollkommenheit in der deutschen Sprüche zu gelangen“ (ebd. 1735, 4°.); – „Pathologia Austriaca nova h. e. affectuum humanae mentis LIV. quorum jam XXII. novi deteguntur geneses nunc primum Vindobonae more geometrico demonstratae“ (ebd. 1736); – „Epistola de theoria arithmetices novis a se inventis aucta“ (ebd. 1739, 4°.). Unter seinen Handschriften befand sich auch ein „Codex diplomaticus Windischgraetzianus“ mit einer Stammtafel des Windischgrätzischen Hauses. Hansch besaß viele Kenntnisse; aber die Mißgunst [330] des Geschickes, die ihm die Ausführung seiner Lieblingsidee, die Herausgabe der Werke Keppler’s vereitelte, schien ihn überall zu verfolgen. Als Philosoph bekannte er sich zur Leibnitzischen Schule und war er für Verbreitung dieser Lehre auch schriftstellerisch thätig. Die hinterlassenen Handschriften Keppler’s kaufte die Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg [vergl.: Murr, Journal III, 327 und XVII, 317, 320, und Zach, Monatliche Correspondenz 1810, October, Nr. 37].

Götten’s gelehrtes Europa, Theil III, S. 449 bis 483. – Neubauer, Nachrichten von jetztlebenden Theologen, S. 126. – Moser’s Beytrag zu einem Lexikon der jetztlebenden Theologen, S. 459. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Fleischer), Bd. V, S. 140 –144. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) II. Section, 2. Theil, S. 216. – Adelung’s Fortsetzung von Jöcher’s Gelehrten-Lexikon, II, 1784–1787. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, Lex. 8°.) Bd. I, Sp. 1013.