BLKÖ:Hauser, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hauser, Gregor
Band: 8 (1862), ab Seite: 83. (Quelle)
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Hauser, Michael, gewöhnlich Miska[BN 1] (Violin-Virtuose, geb. zu Preßburg in Ungarn im Jahre 1822). Sohn israelitischer Eltern. Frühzeitig äußerte er einen ungewöhnlichen Hang zur Tonkunst, der von seinem Vater erkannt und später durch Conradin Kreutzer erfolgreich genährt wurde. Joseph Matalay, ein tüchtiger Lehrer, leitete H.’s ersten Unterricht im Violinspiel, und der kaum zwölfjährige Knabe konnte sich bald darauf mit vielem Beifalle [84] im Theater hören lassen. Unter der Leitung des Professors Böhm [s. d. Bd. II, S. 20] das Wiener Conservatorium besuchend, fand er an dem kaiserlichen Kammervirtuosen Mayseder einen Freund und Lehrer, der seiner ferneren Ausbildung eine künstlerische Richtung gab. In Begleitung des Vaters, der als vorzüglicher Violindilettant einst zu Beethoven in naher Beziehung stand, unternahm er 1840 den ersten Kunstausflug nach Deutschland, der sich unter stets steigernden Erfolgen zu einer beinahe achtjährigen Concertreise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, ganz Rußland bis an die Grenzen Sibiriens ausdehnte. In Hannover, Kopenhagen, Stockholm und St. Petersburg wurde H. in auszeichnender Weise zu Hofconcerten geladen und gab glänzend besuchte Concerte. In den Schlössern des russischen Adels flossen ihm prächtige Geschenke zu. Als H. 1848 nach Wien zurückkehrte, wurden die ersten Töne seiner Geige von dem Lärmen der Revolution übertäubt, welche damals Europa erschütterte; dieß bestimmte ihn, seinen Geburtsort aufzusuchen, um sich zu einer größeren Reise nach Frankreich und England vorzubereiten. Von London, wo er auch viel Beifall fand, lockte ihn ein glänzender Ruf nach Amerika, und schon am 1. Jänner 1850 brachte ihn der Dampfer „Baltis“ nach New-York. Von dort aus durchzog er in Begleitung einer Concertgesellschaft drei Jahre lang das Gebiet der Union nach allen Richtungen. In der neuen Welt dürfte es wohl kaum eine Stadt geben, die von dem Besuche dieses modernen Argonautenzuges unberührt geblieben wäre. 1852 nach New-York zurückgekehrt, schiffte er längs des Ohio und Mississipistromes dem Süden zu. Die bösartigen Fieber Havanna’s jedoch verkürzten seinen Aufenthalt auf jener Insel. Er eilte nach New-York zurück, wo er im Concerte der Jenny Lind zum ersten Male „der Vogel auf dem Baume“ producirte, welche Composition ein Lieblingsstück der Yankee’s wurde. Er zog nun zum dritten Male durch die vereinigten Staaten bis Neu-Orleans, ging von dort nach Centralamerika über den Isthmus nach Panama und schiffte den stillen Ocean entlang nach Californien. Nach einer fünfwöchentlichen, abenteuerlichen und gefahrvollen Reise erreichte er San Francisco. Dort wimmelte es bereits von Concertgebern, Sängern u. A. Katharina Hayes, Ole Bull, Lola Montez, Henry Herz und Andere wetteiferten bereits um die goldene Palme, aber auch H.’s „Vogel am Baume“ feierte Triumphe, die er mit allen abenteuerlichen Erlebnissen anregend in seinem „Wanderbuche“ beschreibt. Nach einem zehnmonatlichen Aufenthalte verließ er 1853 San Francisco und ging über Neu-Granada nach Peru. In Lima gab er mehrere Concerte. In Valparaiso, der Hauptstadt Chili’s, wurde ihm sein Aufenthalt durch eine fanatische, in ihrem religiösen Eifer unduldsame Partei verleidet, welche behauptete, daß seine vom Teufel verhexte Geige die Leute vom Beten und Kirchgang abhalte, und welche die abergläubischen Massen so gegen ihn aufwiegelte, daß er seine Concerte unterbrechen und nach San Jago flüchten mußte. Dort faßte er den Entschluß, nach Australien zu segeln. Er besuchte nun zuerst Otahaiti, wo er sich vor der Indianer-Königin Pomare hören ließ; am 15. September 1854 ging er zur See nach Australien. Auch diese Fahrt war reich an denkwürdigen Erlebnissen, die er in seinen Werken lebendig schildert. In Sydney, Melbourne, Adelaide, Gulbourn, Paramatta, [85] Ballarat, Mouten Bay, überall war H. der Mann des Tages. Mit einer Fülle von Erinnerungen verließ er am 15. Juli 1858 den australischen Boden und über Indien, Egypten, Malta, Marseille kehrte er nach zehnjähriger Abwesenheit am 6. September glücklich nach Wien zurück, wo er unter großem Beifall mehrere sehr stark besuchte Concerte gab und dann eine Rundreise durch die bedeutenderen Städte der Monarchie machte, welche von nicht minder glänzenden Erfolgen begleitet war. Wieder verließ er Oesterreich, spielte in Bukarest und zu Anfang dieses Jahres (1861) begab er sich nach Constantinopel, wo er durch den kais. Internuntius, Freiherrn von Prokesch-Osten, beim Sultan eingeführt wurde, und sein erstes Concert vor dem Großherrn nachmals in den Journalen mit mehreren Einzelnheiten über Abdul Medjid und seinen Hof erzählte. Die Zahl von Hauser’s Compositionen ist schon sehr groß und der größere Theil bereits durch den Druck bekannt. Eine vollständige Liste zusammenzustellen, wollte meinen Bemühungen nicht gelingen. Ich führe die mir bekannt gewordenen (die meisten sind bei Schuberth in Hamburg verlegt) auf. Es sind folgende: „Nocturne av. Pfte., Op. 1“; – „Introduction und Rondo über ungarische Nationalmotive mit Pfte., Op. 2“; – „Mes Adieux à Varsovie, in G-moll, Op. 5“; – „Morceau de Salon, Romance av. Pfte., Op. 6“; – „Introduction et Variations de Concert (Thèmes de Donizetti (av. Pfte.“, in E, Op. 7“; – „Bolero, Morceau de Salon av. Pfte., Op. 10“; – „12 Lieder ohne Worte mit Pfte., Op. 11“, darunter Nr. 1: „Liebeslied, in D“, Nr. 2: „Wiegenlied. in A“, dieselben, Op. 16, Nr. 3: „Schifferlied, in F“, Nr. 4: „Die Launenhafte, in A-moll“; – „La Melancolie, Etude de Concert av. Pfte., Op. 17“; – „La Sentimentale, Etude de Concert av. Pfte., Op. 18“; – „Tarantelle, Caprice av. Pfte., Op. 19“; – „Air russe varié av. Pfte., Op. 20“; – „Scherzo, Op. 22“; – „Lieder ohne Worte, Nr. 5: Die Ungeduld, in B, Op. 21“; – „Dieselben, Nr. 6: Die Sehnsucht, in G, Op. 23“; – „Dieselben, Nr. 7: Abendlied, Op. 24“; – Le Printemps, Frühlingslied, av. acc. de Piano, Op. 25“; – „Lieder ohne Worte, Nr. 8: An die Heimat, ungarische Melodien in D, Op. 26“; – „Dieselben, Nr. 9: Die Blume, in A, Nr. 10: Der Traum, in H-moll, Nr. 11: Das Fischermädchen, in B, Nr. 12: Wiedersehen, in C, nach Heine, Op. 27“; – Scherzo, in G-moll, Op. 22“; – „2 Lieder ohne Worte, Nr. 1: Gruss, Nr. 2: Russisches Bauernlied, Op. 28“; – „Melodies de Schubert transc. av. Pfte.“ Nr. 1: Ständchen, Nr. 2: Ungeduld, Nr. 3: Aufenthalt, Nr. 4: Lob der Thränen, Nr. 5: Liebesbotschaft, Nr. 6: Am Meere, Nr. 7: Mädchens Klage, Nr. 8: Die Forelle, Nr. 9: Das Fischermädchen, Nr. 10: Gute Nacht, Nr. 11: Der Atlas, Nr. 12: Der Müller und der Bach; – „Das Vöglein am Baume, Gr. Caprice burlesque, Op. 34“. – Außer den bisher nach ihren Nummern angeführten Compositionen veröffentlichte H.: „Grosse Fantasie über Lucrezia Borgia“, „Andacht“, „Kirchgang“, „Niagara“, „Indianisches Märchen“, „Echo von San Francisco“, die genannten alle bei André in Offenbach erschienen; „Rondo“, Ole Bull gewidmet, „Variationen über italienische Themata“, „The last rose of summer“, „Die Jagd“ und „The Song of Tahity“. Hauser hat, wie bereits angedeutet wurde, seine Künstlerfahrt, auf welcher er 1200 Concerte gegeben, in einer Reihe von „Reisebriefen“, welche zuerst das Wiener Journal „Ostdeutsche Post“ gebracht, und welche dann von Hauser’s Bruder Sigmund gesammelt, in zwei Bänden herausgegeben wurden, ausführlich beschrieben. [86] Dieses Werk ist zu vorstehender Lebensskizze benützt worden. Ueber Hauser, den Violinspieler, vergleiche man in den Quellen das Urtheil des Musikkritikers Speidel.

Aus dem Wanderbuche eines österreichischen Virtuosen. Briefe aus Californien, Südamerika und Australien von M. Hauser, gesammelt und herausgegeben von S. Hauser, 2 Theile (Leipzig 1859, Herbig, 8°.). [Dieses Werk an und für sich enthält ein bedeutendes Stück Lebensgeschichte dieses fahrenden Virtuosen; überdieß sind in der Vorrede biographische Notizen über ihn enthalten.] – Wiener Zeitung 1859, S. 909, Bd. I, von L. Sp(eidel). – Triester Zeitung 1861, Nr. 26. – Kronstädter Zeitung 1861, Nr. 51. – Laibacher Zeitung 1861, Nr. 18. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen 1849, Bibliogr. Institut, Lex. 8°.) Suppl. III, S. 1326. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter 1845 (4. Jahrg.) S. 573; 1847 (6. Jahrg.), im Wienerboten Nr. 17, S. 137. – Wertheimer (Joseph), Jahrbuch für Israeliten 5616 (1855–1856), S. 192. – Porträt. Stahlstich. Ohne Angabe des Zeichners und Stechers (Hamburg, Schuberth und Comp., 4°.). – L. Speidel schreibt (in der Wiener Zeitung 1859, S. 910) über Hauser: „In Europa würde man sagen, daß Herr H. einen sehr schmächtigen Ton und eine sehr bescheidene Technik besitze, daß seine Geläufigkeit nicht ganz tadellos, daß seine Doppelgriffe etwas unrein und seine Compositionen flach und geschmacklos seien. Aber offenbar hat Herr H. in Wien nicht seine Künstlerschaft zeigen wollen. Er hat gleichsam culturhistorische Concerte gegeben. Er wollte uns einfach darthun, was in San Francisco die Friseure und Chinesen entzückt, was in San Jago Mulatten und Kreolen hingerissen und was selbst den klanglosen Sinn der Königin Pomare in angenehmen Kitzel zu versetzen im Stande war. Läge diese culturhistorische Absicht nicht zu Grunde, wie hätte sich Herr H. unterfangen können, ein so elendes Klangstück, wie „das Vöglein auf dem Baum“, das wir mit den stärksten Ausdrücken des Componisten verachten, dem Wiener Publikum aufzutischen. Wie dem auch sein möge, wir verzeihen Herrn H. sein unglückseliges Saitenspiel um seines „Wanderbuches“ willen. Mag er immerhin mit Paganini nichts gemein haben, als die unbeholfenen Complimente, die er mehr schneidet als macht, – er hat ein Buch von so lebendigem Reiz und Interesse geschrieben, daß es kein Leser ohne lebhafte Befriedigung aus der Hand legen wird.“ –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hauser, Miska [Bd. VIII, S. 83],
    Die von Hauser herausgegebenen „Reisebriefe“ soll nach sicherer Mittheilung der Journalist und Musiker Alex. v. Czeke, der seiner Zeit bei der „Ostdeutschen Post“ in Wien gearbeitet, nach Hauser’s Daten und flüchtigen Aufzeichnungen niedergeschrieben und Hauser dazu nur seinen Namen geliehen haben. [Bd. 28, S. 347.]