BLKÖ:Heinze, Wenzel Sigismund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 236. (Quelle)
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Heinze, Wenzel Sigismund (Schriftsteller, Priester der Gesellschaft Jesu, geb. zu Frankenstein in Schlesien 21. November 1738, gest. zu Langhalsen in Oberösterreich 18. April 1830). Trat 1758, 20 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu und erwarb nach beendeten theologischen Studien zu Wien die theologische Doctorwürde, Er versah mehrere Lehrkanzeln in Collegien seines Ordens, u. z. zu Triest, Görz, Linz, und wurde Professor an der theresianischen Ritterakademie in Wien. Als er 1774 zu [237] Linz Dichtkunst und Aesthetik vortrug, war er der Erste, der seine Schüler mit den Schriften der deutschen Classiker Gellert, Geßner, Hagedorn, Haller, Gleim, Kleist, Klopstock, Uz u. A. bekannt machte. 1784 und 1785 arbeitete er an der öffentlichen Bibliothek zu Linz und ordnete ihre Cataloge. 1786 trat er aus Gesundheitsrücksichten vom Lehramte zurück, erhielt am 14. März g. J. die Pfarre Altenfelden im obern Mühlviertel und blieb bis 1828 in der Seelsorge, in welchem Jahre er Alters halber die Pfarre resignirte und mit einer kleinen Pension in den Ruhestand trat; früher schon, am 8. Jänner 1823, belohnte der Kaiser seine innerhalb einer 60jährigen Dienstleistung theils im Lehramte, theils in der Seelsorge erworbenen Verdienste mit der großen goldenen Civil-Verdienstmedaille mit der Kette. Seine letzten Jahre brachte H. bei seinem Freunde Ant. Löffler in Langhalsen zu, bis er im hohen Alter – nach Einigen 97, nach Anderen 91 Jahre – sanft im Herrn entschlief. Schon in den Jahren 1780 war H. als Schriftsteller aufgetreten, und seine poetischen und ästhetischen Arbeiten fanden Beifall. Außer der deutschen Sprache lehrte, las und schrieb er Latein, Griechisch, Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Holländisch. Seine Handschriften, darunter Aufzeichnungen über sein Leben, verbrannte er im Jahre 1800, als die feindlichen Heere in’s Land eindrangen. Im Drucke gab er heraus: „Vermischte Schritten, den Oberösterreichern gewidmet“. 2 Bdchn. (Linz 1780 u. 1781, 8°.); – „Lyrische Gedichte, den Oberösterreicherinnen gewidmet“. 1. Thl. (ebd. 1780); – „Eybels gesammelte kleine lateinische Schritten ins Deutsche übersetzt“. 3 Stücke (ebd. 1781 u. 1782, 8°.); – „Fenelons Abhandlung über die Freyheiten der französischen Kirche; aus dem Französischen“ (ebd. 1782, 8°.); – „Konduitenliste über verschiedene k. k. Beamte verschiedenen Ranges“ (ebd. 1783, 8°.); – „Die Feyer der Religionsduldung am Jahrestage ihrer Einführung“ (ebd. 1784); – „Die Linzer Kirche“ (ebd. 1784) und mehrere einzeln erschienene Gelegenheitsgedichte. H. war, als er 1830 starb, der letzte Jesuit in Oberösterreich nach der von der Kaiserin Maria Theresia vollzogenen Aufhebung des Ordens der Gesellschaft Jesu.

Christlicher Hauschatz (ein in Gmunden herausgegebenes kathol. Volksblatt, 8°.) 1858, Nr. 34, S. 269 [nach diesem geb. 21. November 1733.] – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae et Ratisbonae 1856, Lex. 8°.) S. 128 [nach diesem geb. 21. November 1737]. – Meusel (Johann Georg), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, Meyer, 8°.) Bd. II, S. 82 [nach diesem geb. 1737]. Desselben Erster Nachtrag (1786) S. 260. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 174 [nach diesem geboren 21. November 1738]. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) 1. (und einziger) Theil, S. 94 [daselbst heißt es von ihm: „Sein Abfall von den Grundsätzen seiner ehemaligen Ordensbrüder, sein Hang und sein Eifer für die gute Sache und überhaupt sein Muth, Manchem eine Wahrheit zu sagen, die ihm eben nicht behagte, verursachte, daß er angefeindet, verfolgt, untergraben und um sein Brot gebracht wurde; ein Schicksal, das er nicht verdient hat“]. – Grabdenkmal. Heinze’s Neffe, Vincenz Walther in Linz, hat ihm 1833 in der Kirche zu Altenfelden, wo H. 42 Jahre als Pfarrer gewirkt, ein schönes Denkmal gesetzt.