BLKÖ:Hoffmeister, Franz Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hoffner, Joseph
Band: 9 (1863), ab Seite: 179. (Quelle)
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Hoffmeister, nach Anderen Hofmeister, Franz Anton (Tonsetzer und Musikalienhändler, geb. zu Rothenburg am Neckar 1754, gest. zu Wien 10. Februar 1812). Kam 14 Jahre alt nach Wien, wo er die Universität besuchte, zugleich aber von der in jenen Tagen in Wien herrschenden Neigung für Musik mächtig angeregt, fleißig Musik trieb. Nach beendeten Rechtsstudien wandte er sich ganz der Musik zu, wurde Capellmeister und legte später eine Buch-, Kunst- und Musikhandlung in Wien an. Im Jahre 1798 unternahm er eine Kunstreise, begab sich zuerst nach Prag, wo er am 20. Februar 1799 eine Akademie gab, in welcher mehrere seiner Compositionen mit allgemeinem Beifalle aufgeführt wurden. Im Begriff nach London zu reisen, änderte er in Leipzig, durch welche Stadt er seinen Weg nahm, seinen Plan und begründete dort mit dem Organisten Kühnel in Gemeinschaft ein Musikverlagsgeschäft (Bureau de musique), welches bald durch die Tüchtigkeit seiner Verlagswerke sich einen Namen erwarb. Aber schon nach einigen Jahren gab er dieses Geschäft auf, kehrte 1805 nach Wien zurück, wo er ausschließlich der Kunst lebte und sich mit musikalischen Arbeiten beschäftigte. Die Zahl seiner Werke aus den verschiedensten Gebieten der Musik und fast für alle Instrumente ist sehr groß und sind darunter Compositionen größerer Art, oft für das ganze Orchester, für Theater und Kirche. Seine Compositionen für obligate Flöte allein umfassen 156 Quartette, [180] 96 Duette, 44 Trio’s, 30 Concerte und 18 Quintetten. Er hat 9 Opern geschrieben: „Der Alchimist“; „Die bezauberte Jagd“, „Der Haushahn“; „Telemach“, aufgeführt in Wien 1796, welche das meiste Glück gemacht hat; „Der Schiffbruch“; „Die Belagerung von Cythere“, in Wien aufgeführt 1796; „Rosalinde, oder die Macht der Feen“, in Wien 1797 öfter und mit Beifall gegeben; „Elysium“ und „Der erste Kuss“. Die meiste Verbreitung und die beifälligste Aufnahme fanden seine Claviercompositionen und Maurerlieder, welch’ letztere in jenen Tagen, da das Maurerthum in Oesterreich eben in Blüthe stand, bald die Runde in den verschiedenen Logen machten. Unter seinen Kirchencompositionen legte er auf sein „Gebet des Herrn“ den meisten Werth. Hoffmeister’s Charakteristik als Musiker, welche der geistvolle Riehl in seinen „Musikalischen Charakterköpfen“ entwirft, folgt in den Quellen. Seine veralteten Compositionen hier aufzuzählen, würde zu viel Raum erfordern, es wird hier somit auf eine von Hoffmeister selbst entworfene Auswahl hingewiesen, welche er in der „Frankfurter Zeitung“ 1798, Nr. 177, veröffentlicht hat und, falls diese nicht mehr aufzutreiben wäre, in Gerber’s „Neuem Lexikon“ [siehe unten die Quellen] auch gefunden werden kann. H. starb, 58 Jahre alt, und wäre in der Musikwelt fast vergessen, wenn Riehl sein Andenken nicht wieder aufgefrischt haben würde.

Dlabacz (Gottfr. Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. I, Sp. 647. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 439. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, Breitkopf, Lex. 8°.) Bd. I, Sp. 656. – Desselben Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkunst (ebenda 1812, Kühnel, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 705 enthält ein ausführlicheres Verzeichniß der gestochenen Compositionen Hoffmeister’s für die Violine, das Clavier, die Flöte und den Gesang). – Meusel (Joh. Georg), Teutsches Künstler-Lexikon, 2. Auflage (Lemgo 1808), Bd. I, S. 412–414. – Riehl (W. H.), Musikalische Charakterköpfe (Stuttgart 1853, Cotta, 8°.) I. Serie, S. 227. [Riehl, der Hoffmeister unter die Reihe der „göttlichen Philister“, welche neben ihm Gyrowetz, Rosetti, Pleyel, Neubauer und Wranitzky bilden, versetzt, urtheilt über Hoffmeister folgendermaßen: „Hoffmeister schrieb eine Unzahl kleiner Sächelchen, die den Dilettanten angenehm waren. Er bildet recht eigentlich den Uebergang zu jenen modernen Musikern, die ihr Talent mit allerhand kleinen Modewaaren hausiren gehen lassen. Er zeigt uns, wie es möglich war, daß so kurze Frist nach dem Zeitpuncte, wo der Dilettantismus erst als kunstgeschichtliche Macht in die Musik eingetreten war, fast die ganze Tonkunst sich auflösen konnte in eitel Dilettantenwerk. Seine größeren Symphonien sind augenscheinlich mühsam gemacht, bald von Mozart oder Haydn einen Gedanken, eine Form borgend, bald herabsinkend zu einer im pathetischen Style ihm vorzugsweise eigenen Charakterlosigkeit. Dagegen hat er kleinere Orchesterwerke aller Art, Solostücke für jedwedes Instrument mit flüchtigem Pinsel hingeworfen, die sich mitunter durch ihre frische Beweglichkeit eigenthümlich auszeichnen. Ich glaube seine Manen werden mir nicht zürnen, wenn ich ihm vorzugsweise die Meisterschaft zuerkennen möchte in dem gedankenlosen Leichtsinn, mit welchem er über den künstlerischen Inhalt der Composition hinausging, während er den mechanischen Theil des Componirens mit wahrhaft geschäftsmäßigem Fleiße betrieben hat. Hieraus wird denn auch die ganze ungeheure Production dieses Tonsetzers erst glaublich und erklärlich. Solch übergroße Fülle des Schaffens, solch nimmer rastender Drang zu Gunsten einer einzigen Gattung (Hoffmeister schrieb für die obligate Flöte allein 344 Tonstücke), die doch auch in der Empfänglichkeit des damaligen Publikums von vornherein einen Anhalt mußte gefunden haben, führte zwar allmälig zu Veräußerlichung und Verflachung, zu handwerksmäßigem Betriebe, so daß die Wiener Schule in ihren jüngeren Sprößlingen in der [181] eingelernten Technik erstarrte; allein er bekundet auch auf’s Schlagendste, welch’ unläugbarer, tief gegründeter Beruf zur Instrumentalmusik jener Periode eingeboren war und weist uns zurück auf dieselbe, als die reichsten Quellen bergend, wenn es gilt die moderne instrumentale Kunst in ihrer historischen Entwickelung zu studiren.“] – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 403. – Porträt. Lauer pinx., F. W. Kettling sc. (4°.) [so heißt der Kupferstecher in Heitzmann’s „Porträt-Catalog“, Drugulin’s „Katalog“ nennt ihn Nettling].