BLKÖ:Hollý, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Holtei, Karl von
Band: 9 (1863), ab Seite: 230. (Quelle)
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Hollý, unrichtig hie und da Holy, Johann (slovakischer Dichter, geb. zu Bur St. Nikolai in oberen Neutraer Comitate Ungarns am 24. März 1785, gest. zu Dobravoda 14. April 1849). Die Schulen besuchte er zuerst in Skalic, dann in Preßburg, und da er sich dem geistlichen Stande widmete, hörte er von 1802 an zu Tyrnau die theologischen Studien. 1808 wurde er zum Priester geweiht, und trat zuerst zu Pobedim (14. October 1808 bis 22. December 1811), dann zu Frajstak in die Seelsorge, bis ihn im Jahre 1814 die Gräfin Josepha Erdödy nach Madunitz als Pfarrer berief, wo er auch bis zum Jahre 1843 verblieb. Dreißig Jahre hatte H. in Madunitz, von seinen Pfarrkindern geliebt und von seinem Stamme bewundert, gelebt. Im Jahre 1843 suchte ihn schweres Unglück heim. Der Ort Madunitz wurde von einer großen Feuersbrunst zerstört und auch die Pfarrei ein Raub der Flammen. Der krank darin liegende, seit Jahren von gichtischen Leiden geplagte Dichter, wurde von seinen Pfarrkindern nur mit höchster Lebensgefahr aus dem zusammenstürzenden Pfarrhause [231] gerettet und in die Kirche getragen, aber auch diese wurde bald darauf von den um sich greifenden Flammen erfaßt und Hollý konnte nur mit Mühe abermals gerettet werden. Dieser Unglücksfall beraubte den greisen Dichter des Augenlichtes und er mußte seiner Pfarre entsagen. Er wurde nunmehr in den verdienten Ruhestand versetzt, den er bei seinem Schulcameraden Martin Lackovič, Pfarrer in Dobravoda (Jókö), noch einige Jahre genoß, bis er im Alter von 64 Jahren starb. Die Muße seines Seelsorgeramtes widmete H. dichterischen Arbeiten, zu denen sich ein schönes Talent bereits in jungen Jahren ausgesprochen hatte und wozu ihn eine gediegene classische Bildung – er sprach das Griechische wie seine Muttersprache – insbesondere befähigte. Die meisten seiner Dichtungen entstanden in dem seiner Pfarre Madunitz nahegelegenen, durch seine malerischen Schönheiten berühmten Haine Mliec. Sein erstes größeres Werk 1827–1830 ist das epische Gedicht „Svatopluk“, in 12 Gesängen, worin er in schwungvoller Sprache die Geschichte des slavischen Volkes im 9. Jahrhunderte poetisch schildert. Der Graner Domherr Georg Palkovic, bekannt als Uebersetzer der Bibel in’s Slovenische, gab dieses Epos im Drucke heraus. Diesem folgte 1836 das zweite Epos, betitelt: „Sláv“, in welchem er in 6 Gesängen die Kämpfe und denkwürdigen Unternehmungen der sagenhaften Vorzeit des slavischen Volkes verherrlicht. Außer diesen zwei größeren Werken, welche ihm jedoch eine bleibende Stelle unter den Dichtern der slavischen Volksstämme sichern, und einer slovenischen Uebersetzung der „Aeneide“ von Virgil, welche von Kennern als musterhaft und dem Original ganz treu bezeichnet wird, erschienen von ihm mehrere Gedichte: „Selanki“, eine Art Schäfergedichte, welche im slovenischen Almanach „Zora“ 1832–1835 abgedruckt waren; die „Cirillo-Methodiada“ ein Gedicht, in welchem er das Leben dieser beiden Slavenapostel poetisch feiert, dasselbe aber auch noch besonders in Prosa erzählt; eine Sammlung von Trauergedichten unter dem Titel: „Žalospěvy“, 1837–1841, und ein katholisches Gesangbuch in slovenischer Sprache. Hollý‘s sämmtliche Werke erschienen unter dem Titel: „Bášne Jána Hollého. Vydané od spolku milovnikov reči a literatury slovenskej“, d. i. Dichtungen des Johann Hollý. Herausgegeben auf Kosten der Freunde der slovenischen Sprache und Literatur. In 4 Bänden (Ofen 1842, Univ. Druckerei), jedoch kommt in dieser Sammlung, welche mit dem Porträte des Dichters und dem des Bischofs von Bistřitz Joseph Belánsky geschmückt ist, das von Hollý gedichtete Gesangbuch nicht vor, welches besonders unter dem Titel: „Katolický Spevník obsahující pesňe na všecky výročité slavnosti, jako též pesňe o Svatých božích a v rozličných časach a potrebách“, d. i. Katholisches Gesangbuch, umfassend die Gesänge für alle feierlichen Gelegenheiten, ferner auf die Heiligen Gottes und für verschiedene Zeiten und Anlässe (Ofen 1846), und ein zweites Mal mit Gesang- und Orgelbegleitung von Martin Elias (Wien 1846, 4°.), herausgegeben wurde. Der Zeitpunct, in welchem H. starb, im Frühling 1849, war ganz dazu angethan, auf den Dahingeschiedenen, als einen der Meistersänger der Slaven, die allgemeine Aufmerksamkeit zu lenken. Ein Aufruf an die slavischen Patrioten, ihn durch ein angemessenes Denkmal zu ehren, blieb [232] nicht erfolglos und am 11. Mai fand dessen feierliche Einsegnung Statt. Die kirchliche Feier erhielt aber durch die von einigen Rednern des zahlreich versammelten Volkes gehaltenen Vorträge auch einen nationalen Typus. Ueber sein Denkmal siehe das Nähere in der Quellen.

I. Zur Biographie. Zeit-Bilder (Pesth, schm. 4°.) II. Bd. (1861), Nr. 21. S. 321: „Biographie“, und S. 313 sein Porträt. – (Leipziger) Illustrirte Zeitung, herausgegeben von J. J. Weber (Fol.) 1854, Nr. 580, S. 107 [mit Abbildung der von dem Bildhauer Dunajsky modellirten Gypsbüste Hollý’s]. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1840, Beilage S. 963. – „Die Czechoslavischen Dichter“. – Wenzig (Joseph), Blicke über das böhmische Volk, seine Geschichte und Literatur (Leipzig 1855, Brandstetter, 8°.) S. 137. – Concordia. Slovansky letopis. Vydavateli: J. K. Viktorin a J. Palárik, d. i. Concordia. Slavischer Frühlings-Almanach, herausgegeben von J. K. Victorin und J. Palárik (v Budine 1858, 8°.) 8. 87–132. – Lumir. Belletristicky tydennik, d. i. Lumir, schöngeistiges Wochenblatt (Prag, gr. 8°.) Jahrg. 1851, S. 236; Jahrgang 1853, S. 932. – Časnik. Národní česko-slovanský obrázkový Kalendař – na rok 1856. Sepsal Daniel Liechard, d. i. Zeitbuch, Volksthümlich czechisch-slavischer Bilderkalender auf das Jahr 1856, herausgegeben von Daniel Lichard (ve Vídni Zamarski, 8°.) S. 231. – Slovenskje Pohladina na vedi umenja a literatura. Vydavanje od M. J. Hurbana (V Skalici 1851, Skarnicel, 4°.) Bd. I, Heft 4. S. 134.
II. Porträte. Außer den Abbildungen seiner portratähnlichen Büste, welche, wie schon erwähnt, in der „Illustrirten Zeitung“, in Lichard’s „Časnik“, in der „Concordia“ vorkommen und des Porträtes in den „Zeit-Bildern“, befindet sich ein solches noch vor der Gesammtausgabe seiner in 4 Bänden 1842 erschienenen Werke.
III. Denkmal. Dasselbe besteht aus der Unterlage und der Büste. Die Unterlage wurde aus Gestein, das in Dobravoda gebrochen worden, von dortigen Meistern hergestellt. Die eigentliche Büste ist das Werk eines jungen Künstlers aus Pesth, Ladislaus Dunajsky, welcher in München seine künstlerische Ausbildung vollendet hat. Die Idee der Gruppe ist eine durchaus moderne, im Genre Rauch’s gehalten. Die Büste selbst ruht auf mehreren malerisch gruppirten Büchern, welche die Aufschriften der Dichtungen Hollý’s tragen: „Svatopluk“, „Slav“, „Básně J. Hollého“, „Žalospěvy“, „Cyrillo-Methodiada“. Auf der Stirnseite des den Obertheil tragenden Fundaments liest man in goldener Schrift:
Jan Hollý.
Nar. 24. břez. 1785.– zem. 14. dubn. 1849.

Auf der Rückwand:
SLAVNÉMU BÁSNÍKOVI
POSTAVILI
VDEČNÍ RODÁCI
1854.
Auf den beiden anderen Seiten befinden sich auf einer sechs Verse, auf der andern zwei vierzeilige Strophen antiken Versmaßes, sämmtlich in slovenischer Sprache, und wenn wir nicht irren, den Dichtungen Hollý’s entnommen; sie sind in der Biographie von J. K. Viktorin in der Concordia, Sp. 116 u. 117, abgedruckt. Das ganze Denkmal mißt 13 Schuh 4 Zoll, davon die Büste allein 3 Schuh 4 Zoll.
IV. Hollý des Dichters Charakteristik. Die Dichtungen Hollý’s, der übrigens weder seines Landsmannes Kollár Gedankenreichthum noch Lebensfrische besitzt, charakterisirt ein milder, aber naturkräftiger Sinn, eine elegische Wehmuth, Keuschheit der Gesinnung und der That. Der sonst schönen Darstellungsform geschieht durch eine gewisse epische Breite, die sich durch alle seine größeren Arbeiten hindurchzieht, einiger Abbruch. Während Kollár, wie die ungarischen Protestanten überhaupt, sich der čechischen Sprache bediente, schrieb Hollý in der slovenischen, welcher Umstand ein Hinderniß der größeren Verbreitung seiner Dichtungen war, ihm aber das Verdienst sichert, ein urkräftiges, vom Einflusse des Fremden noch unberührtes Volkselement hervorgehoben zu haben. Hollý ist der erste bedeutende Dichter der Slovaken, welche sich meist in den nördlichen Gegenden Ungarns längs des Karpathengebirges ausbreiten, und unter den slavischen Volksstämmen Oesterreichs ihre Volksthümlichkeit bisher am reinsten erhalten haben, obwohl es an Versuchen, sie zu čechisiren, nicht fehlt.