BLKÖ:Illésházy, Stephan (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 196. (Quelle)
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6. Stephan (I.) I. (geb. 5. September 1540, gest. 5. Mai 1609), ein Sohn des Thomas I. aus dessen zweiter Ehe mit Sophie Földes. Stephan erhielt seine Bildung auf der Preßburger Schule. Nach beendeten Studien trat er, da sein Vaterland damals unter dem Joche der Türken seufzte, in die Reihen der Kämpfer für das Vaterland und gab unter Niklas Palffy und später unter Palffy’s Schwager Johann Krusith vielfache Beweise seines Muthes und seiner Umsicht. Nach seiner Vermälung mit Anna Erdödy vertauschte er das Schwert mit den Beschäftigungen des Friedens, wurde Vicegespan der Preßburger Gespanschaft, königlicher Rath und Freiherr. 1577 verlor er seine Frau, ohne Kinder von ihr erhalten zu haben; wohl aber ward er in einen langwierigen Rechtsstreit durch ihren Tod verwickelt , aus welchem er jedoch als Sieger hervorging. Als auch Krusith starb, empfahl er Stephan das Wohl des Vaterlandes und seine Gemalin Katharina, Schwester des berühmten Helden Niklas Palffy. Diese Letztere wurde auch Stephan’s zweite Gemalin (1580) und dieser dadurch Besitzer vieler Güter und eines großen Vermögens; ferner gelangte Stephan zur Obergespanschaftswürde des Liptauer Comitates, wurde Kron-Oberhofmeister, erhielt später noch die Obergespanswürde des Trencsiner Comitates, welcher die Erhebung in den Grafenstand und nach Erwerbung der Herrschaft Göding das Incolat von Mähren (1597) folgte. Aber damit hatte I. den Gipfel des Glückes erklommen und den Neid seiner Widersacher in solcher Weise rege gemacht, [197] daß sein Sturz beschlossen wurde. Die Cabale wirkte rührig im Geheimen. Man hatte es verstanden, den Kaiser Rudolph gegen den Grafen zu erbittern; der kaiserliche Kammerpräsident Wolfgang Unverzagt, eine jener erbärmlichen Creaturen, deren es zum Wehe der Menschheit zu allen Zeiten gegeben hat, hatte Alles bereits zur Vernichtung Stephan’s eingeleitet, als dieser von einem Freunde gewarnt, noch rechtzeitig durch die Flucht nach Polen der verderblichen Wirkung dieser schändlichen geheimen Umtriebe sich entzog. Nun hatte Stephan durch die Flucht seine Freiheit, wohl auch sein Leben gerettet, aber als des Hochverrathes schuldig erkannt, ward er seiner Ehren und Güter verlustig (1603). Erst als 1604 unter Stephan Bocskay die Unruhen in Oberungarn ausbrachen und Bocskay den unverdient Gekränkten und im Volke beliebten Stephan für sich zu gewinnen suchte, ging auch Erzherzog Mathias, der mit der Bewältigung der Unruhen beauftragt war, ernstlich daran, Stephan in sein Interesse zu ziehen. Dieser aber war auf das sorgsamste bemüht, seinem Vaterlande hilfreich zu sein, bewirkte, daß Bocskay Frieden machte, schloß mit den Türken den 20jährigen Waffenstillstand ab und machte auch sonst noch in segensreicher Weise seinen Einfluß geltend. Die Macht seiner Gegner war gebrochen, Stephan ward in alle seine Ehren und den Besitz seines ganzen Vermögens wieder eingesetzt, ja noch mehr, er wurde zum Palatin erwählt, nachdem diese Würde seit Thomas Nadásdy’s Tode durch 46 Jahre unbesetzt geblieben war. Verehrt im Lande, in welchem die Erinnerung an sein segensreiches Walten noch heute lebendig ist, starb er im Alter von 79 Jahren, nachdem er vorher, kinderlos aus zwei Ehen, den Sohn seines Bruders Franz (II.), Kaspar [Nr. 4], an Kindesstatt angenommen und zum Erben seines großen Vermögens eingesetzt hatte. [Taschenbuch für die vaterländische Geschichte, herausgegeben von Hormayr und Mednyansky (Wien, 12°.) II. Jahrg. (1821), S. 288–300: „Stephan Illeshazy“; – Dasselbe. Neue Folge, I. Jahrg. (1830), S 18–22. – Porträt. Eine schlecht ausgeführte, nichtsdestoweniger jedoch sehr charakteristische Lithographie, im Jahrgang 1821 des Hormayr’schen Taschenbuches.) –