BLKÖ:Ivanovich, die Grafen

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 332. (Quelle)
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Ivanovich, die Grafen. Ein altes, Dalmatien angehöriges Adelsgeschlecht, aus welchem mehrere Sproßen sich als theologische Schriftsteller, Poeten, oder aber durch ihren Heldenmuth ein bleibendes Andenken gegründet haben. In Dobrota und an den Bocche di Cattaro ansäßig, erscheinen schon Einzelne im 17. und 18. Jahrhunderte. Vier Brüder Ivanovich, Giuseppe, Marco, Matteo und Raphael, haben sich durch einen merkwürdigen Kampf mit einem Seeräuber, der seiner Zeit ein Schrecken des adriatischen Meeres war, unvergeßlich gemacht. Giuseppe [333] I. hatte nämlich einen Piraten, der ihn angegriffen, zurückgeschlagen. Um diesen Schimpf zu rächen, rüsteten die Piraten 1756 in Tripolis ein Schiff von 110 Fuß Länge mit 40 schweren Geschützen und 360 der entschlossensten Seeräuber aus, und der Corsar segelte von Tripolis nach dem Piräus vor Athen, wo an der Nordseite des Hafens in der Nähe der Dogana, wie der Pirat ausgekundschaftet hatte, Giuseppe Ivanovich vor Anker lag, um Oel zu laden. Giuseppe’s Schiff hatte nur 9 Kanonen und 46 Mann. Als die Nachricht von dem kreuzenden Corsaren sich verbreitete, gesellte sich zu Giuseppe noch sein Bruder Marco mit seinen jüngeren Brüdern Matteo und Raphael und mit 6 Matrosen. So verfügte Giuseppe über 9 Geschütze und 55 Mann, meist todesmuthige Bocchesen. Am 15. April 1756 wurde von der Höhe des alten Minerventempels die Ankunft des Piraten signalisirt. Giuseppe erwartete ihn und begrüßte ihn sogleich mit einer vollen Ladung, welche den Piraten 40 Todte und darunter den Capitän kostete. Der an die Stelle des gefallenen gesetzte neue Capitän versuchte nun Giuseppe’s Schiff zu entern, gab aber dabei die ganze Breitseite seines Schiffes Preis, welche von neun Kanonenkugeln durchbohrt wurde. Das Corsarenschiff begann zu sinken und hatte überdieß Feuer gefangen. Die Mannschaft warf sich, um sich zu retten, in die Boote; Giuseppe rettete die Sclaven und führte sie nach Venedig, wo er dem Senat die Flagge des Piratenschiffes überreichte. Der Senat zog bei dem französischen Consul in Athen, welcher von seiner Wohnung aus dem Kampfe zugesehen, genaue Erkundigungen ein, und als der Heldenmuth Giuseppe’s, seiner Brüder und der Bocchesen amtlich bestätigt worden, erfolgten die Belohnungen. Die Familie Ivanovich wurde in den italienischen Grafenstand (conte) erhoben, Giuseppe erhielt die Ritterwürde und Raphael und Matteo überdieß goldene Medaillen, jede im Werthe von 40 Zecchinen. Außer Marco Ivanovich waren 9 Bocchesen geblieben, deren Familien eine jährliche Unterstützung aus Staatsmitteln angewiesen wurde. Andrea Kacich-Miossich in seinem „Razgovor ugodni naroda slavinskoga“ erzählt diese Begebenheit in Versen. – Ein Marko Ivanovich aus Dobrota war Canonicus und Generalvicar, und außer dem Andachtsbuche „Spievanje odkupljenia svieta“ (Mletec 1815, neue Aufl. ebd. 1822) gab er das Werk heraus: „Della dedizione delle Bocche di Cattaro a S. M. Francesco II. e dell’antica origine di detta città“ (Cattaro 1799), worin die Geschichte erzählt wird, wie sich die Bocche nach dem Falle Venedigs nach vorangegangener Berathung mit den Cattaresern freiwillig an Oesterreich ergeben haben. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich ein anderer Ivanovich, der Conte Philipp aus Dobrota, nicht unwesentliche Verdienste, indem er die Parteien bei den Verhandlungen beschwichtigte und den Anordnungen, welche drohten, vorbeugte. – Ein Christoph Ivanovich, aus derselben Familie, gleichfalls dem geistlichen Stande angehörig, welcher im 17. Jahrhunderte lebte und Canonicus zu St. Marco in Venedig gewesen, war italienischer Poet und gab seine Dichtungen, in welchen er die Kriege von Candia und Cypern besang, und seine anderen Schriften in dem Werke: „Minerva al Tavolino, lettere diverse di proposta e riposta a varij personaggi sparse d’alcuni componimenti in prosa ed in verso concernenti [334] per lo più alle vittorie della Lega contro i Turchi sino questo anno“. 2 tomi (Venezia 1688, 12°.), heraus. Zur Belohnung seiner Verdienste erhielt er in Venedig in der Kirche S. Moisé über der Seitenthüre ein Denkmal, welches seine Marmorbüste nebst Inschrift vorstellt[1]. Dieses im manierirten Geschmacke des 17. Jahrhunderts ausgeführte Denkmal ist von Marco Beltrame 1688 gearbeitet. – Ein Thomas Ivanovich, wohl derselben Familie angehörend, war Geistlicher zu Ragusa und hat mehrere Andachtschriften veröffentlicht, welche in der in den Quellen citirten „Biblioteca di Fra Innocenzo Ciulich“ aufgezählt werden. – Endlich ein Euthymius I., welcher kaum ein Mitglied der obigen Familie sein dürfte, war zu Anfang unseres Jahrhunderts Pfarrer zu Karlowic in der serbischen Militärgrenze und gab unter dem Titel: „Nowyj Plutarch“, d. i. Neuer Plutarch (Ofen 1809, 8°.), die Uebersetzung eines deutschen Werkes, dessen Autor nicht angegeben ist, heraus.

Düringsfeld (Ida von), Aus Dalmatien. Mit Anmerkungen von Otto Freiherrn von Reinsberg-Düringsfeld (Prag 1857, Carl Bellmann, 8°.) Bd. III, S. 162, 165, 170, 171, 317. – Gliubich di Città vecchia (Simeone Abb.), Dizionario biografico degli uomini illustri della Dalmazia (Vienna 1856, 8°.) p. 178. [über Christoph I.). 1850, L. Gaj, 8°.) p. 243, 249 [über Marco I.]. – Biblioteca di Fra Innocenzo Ciulich nella libreria de’ RR. PP. Francescani di Ragusa (Zara 1860, della tipografia Governiale, 8°.) p. 312. [über Christoph I.].p. 217, 344 [über Marcus I.]; p. 217, 221 e 225 [über Thomas I.]. – Sartori (Franz), Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien 1830, Gerold, 8°.) S. 73 [über Euthymius I.].

  1. Anläßlich derselben bemerkt Francesco Zanotto in seiner Nuovissima Guida di Venezia (1856), p. 167, in der Anmerkung: „L’ultima guida che si dà il merito di rilevare le brutture dell’opere d’arte, qui per di più non risparmia né anco il defunto qui tumulato“.