BLKÖ:Kanitz, Felix Philipp

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kanitz (Fräulein)
Band: 10 (1863), ab Seite: 435. (Quelle)
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Kanitz, Felix Philipp (Ethnograph und zeichnender Künstler, geb. zu Pesth in Ungarn 2. August 1829). Sein Vater, Fabrikant in Pesth, wo dessen Vorfahren bereits im 18. Jahrhundert aus Deutschland einwandernd, sich niedergelassen hatten, beabsichtigte den Sohn für die Musik auszubilden, für welche er Talent an den Tag legte. Er erhielt auch zugleich mit dem später berühmt gewordenen Joachim [s. d. S. 217 d. Bds.] Unterricht im Violinspiele. Als er 10 Jahre alt war, begann er aus freiem Antriebe zu zeichnen und beurkundete eine besondere Anlage dazu. Eben sollte er zur weiteren Ausbildung nach Deutschland geschickt werden, als der Tod seiner Mutter – den Vater hatte er schon früher verloren – diesen Plan vereitelte und K., [436] damals 14 Jahre alt, ein Schüler des als Maler und Lithographen gleich tüchtigen Grimm wurde. K., sich nun ernstlich für die Kunst bildend, erlernte das Radiren und Zeichnen auf dem Stein. Grimm’s Haus war überdieß der Sammelplatz hervorragender Männer der Wissenschaften und Künste, unter welchen zwei: der tüchtige Topo- und Ethnograph Jos. Vinc. Häufler [Bd. VII, S. 185] und der Archäolog von Kiß nicht geringen Einfluß auf den strebsamen Jüngling übten. Für Letzteren zeichnete und radirte K. schon damals (1845) einige Blätter zur Illustration einer seine Sammlung beschreibenden Abhandlung. Die Neigung für die Illustration, welche sich bei K. früh aussprach, wurde von Grimm genährt und durch die Anschauung der deutschen, französischen und englischen illustrirten Blätter, welche Grimm zu halten pflegte, geregelt und immer vollkommener ausgebildet. Im Jahre 1847 begab sich K. nach Wien, wo er seine Studien fortsetzte und in seinem Streben nach Selbstständigkeit durch die Zeitereignisse wesentlich unterstützt wurde. Das denkwürdige Jahr 1848 kam heran und bot dem Liebhaber und Freunde der Illustration mehr als Einen denkwürdigen Moment, der durch den Stift gefesselt zu werden verdiente. K. setzte sich mit der von J. J. Weber in Leipzig begründeten „Illustrirten Zeitung“ in Verbindung, welche durch persönliche Berührung mit dem Herausgeber später nur noch inniger wurde, und von K. stammen schon damals die meisten Illustrationen aus Oesterreich, welche der jetzt bereits vergriffene Jahrgang 1848 dieses Blattes brachte. Darauf begab sich K. nach München, wo die Schätze der dortigen Museen Gegenstand seiner Studien wurden. Von München aus besuchte er Nürnberg, wo der Altmeister der Gothik Heideloff ihm das Studium der mittelalterlichen Kunst lieb machte und welches er als Ehrenmitglied der Nürnberger Bauhütte verließ. Von Nürnberg kehrte K. nach Wien zurück, wo er mit dem zu früh dahingegangenen Archäologen Carrara [Bd. II, S. 291] sich befreundete und wie in Nürnberg von Heideloff, so von ihm für das Studium der Architektur und Kunstgeschichte gewonnen wurde, welches häufige Reisen nach Istrien, Croatien, Krakau und Norddeutschland läuterten und vervollkommneten. Im Jahre 1855 übersiedelte K. nach Dresden, wo er in den dortigen Gallerien seine Kunststudien fortsetzte. Im Herbste desselben Jahres besuchte er die Pariser Kunst- und Industrieausstellung und kehrte 1856 nach Wien zurück. Im November d. J. machte er bei Gelegenheit der von II. Majestäten durch Oberitalien unternommenen Rundreise diese merkwürdige Fahrt für die Zwecke der illustrirten Zeitung mit und sind die zahlreichen und oft großen Illustrationen zu der in diesem Blatte enthaltenen Beschreibung dieser Reise sämmtlich Werke seines Stiftes. Ebenso begab er sich im Jahre 1858 nach Montenegro, als dort die Kämpfe dieser Bewohner der schwarzen Berge mit den Türken ausgebrochen waren und einen sehr ernstlichen Charakter anzunehmen begannen. K. unternahm die nicht ungefährliche Reise in das Innere Montenegro’s, lernte die dortigen Verhältnisse und das Land nach verschiedenen Richtungen kennen. Längs der Rjeka bis nach der berühmten Feste Zabljak am Skutarisee vordringend, begab er sich nach Cetinje, wo ihn Fürst Danilo und die Fürstin Darinka wohlwollend aufnahmen, und kehrte über [437] Stanjević nach Cattaro zurück. Sein Skizzenbuch über diese Reise ist unstreitig eines der interessantesten und für die Ethnographie gewinnreichsten. Die Gelegenheit, die bisherigen lückenhaften Berichte und Nachrichten über dieses wenig gekannte und von Reisenden gewöhnlich seitwärts gelassene Gebiet durch Mittheilungen eigener Anschauungen und bildliche Darstellungen des mit eigenen Augen Gesehenen zu ergänzen, ließ K. nicht unbenützt vorübergehen, und auch wurde er zur Fortsetzung ähnlicher Studien angeregt. Im Jahre 1859 unternahm er seine erste Reise nach Serbien, welche sozusagen nur eine Vorbereitung zur zweiten im April 1860 unternommenen war. Diese letztere dauerte mehrere Monate und bot in Bezug auf ethnographische Erforschung eine nicht geringere, wo nicht noch reichlichere Ausbeute, als die frühere nach Montenegro. Außer den schon erwähnten Mittheilungen für die „Illustrirte Zeitung“ veröffentlichte K. die Ergebnisse seiner Reisen noch in anderen zerstreut gedruckten Abhandlungen, u. z. in den Sitzungsberichten der phil. histor. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften: „Die römischen Funde“ (Bd. XXXVI); – „Beiträge zur Kartographie des Fürstenthums Serbien, in den Jahren 1859, 1860 und 1861 gesammelt“ (Bd. XLVII, mit 1 Karte); – in den Schriften der k. geographischen Gesellschaft: „Ueber die Zinzaren“ (Februar 1863); – im II. (1863 erschienenen) Bande der Oesterreichischen Revue: „Die Klöster und ihr Verhältniß zum Volke in Serbien“. Selbstständig erschienen in prachtvoller Ausstattung: „Serbiens byzantinische Monumente (Wien 1862, Staatsdruckerei, gr. Fol., mit 12 chromolith. Taf.), denen ein kurzer erläuternder Text beigegeben ist; eine serbische Uebersetzung besorgte Alex. Sandić. Die Veröffentlichung der „Itineraires“ und „Profils de montagnes dessinés par Mr. Fr. Kanitz pendant son voyage en Servie en 1861“, welche in dem Werke: „Voyage dans la Turquie d’Europe“ par A. Visquenel“ (Gide 1862) vorkommen, vermittelte der gelehrte und in Förderung wissenschaftlicher Zwecke rastlose Ami Boué [Bd. II, S. 96]. Kanitz arbeitet, wie Herausgeber aus zuverlässiger Quelle vernimmt, an einem größeren ethnographischen Werke; welches unter dem Titel „Neuserbien“ mit zahlreichen Illustrationen für den Druck vorbereitet wird; und Karl Andree, der geistvolle Ethnograph, stellt im 3. Bande des von ihm herausgegebenen „Globus“ den Lesern desselben Zeichnungen über die Süd-Donauländer und die Küstenregionen des adriatischen Meeres in Aussicht. Ueber die Leistungen K. des Zeichners und Illustrators muß das Urtheil der Fachkritik überlassen bleiben; als Schriftsteller aber bethätigt K. ein rühmliches Streben, welches um so mehr betont werden muß, als es ihm, dem Autodidacten, wie es aus unserer Skizze hervorgeht, nicht gegönnt war, eine wissenschaftliche Ausbildung zu erhalten.

Nagler (G. K), Die Monogrammisten (München, gr. 8°.) Bd. II, S. 802, Nr. 2206; S. 808, Nr. 2218 [nennt ihn irrthümlich Franz, da er Felix Philipp K. heißt]. – Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Alterthümer u. s. w. (Wien, 4°.) VII. Jahrg. S. 313. – Temesvárer Zeitung 1860, Nr. 80. – Gratzer Zeitung 1860, Nr. 133. – Wiener Tagesbericht, Beilage der amtlichen Wiener Zeitung 1862, Nr. 134. – Globus, herausgegeben von Karl Andree (in der Vorrede zum 3. Bande (1863). –