BLKÖ:Karmarsch, Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Kármán, Joseph
Nächster>>>
Karmaschek, Joseph
Band: 10 (1863), ab Seite: 481. (Quelle)
Karl Karmarsch bei Wikisource
Karl Karmarsch in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118776835, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Karmarsch, Karl|10|481|}}

Karmarsch, Karl (Technolog, geb. zu Wien 17. October 1803). Bildete sich zu Wien am polytechnischen Institute, vorzüglich unter des 1858 verstorbenen Altmuetter[WS 1] [Bd. I, S. 19] Leitung, der auch nicht unwesentlichen Einfluß auf die Richtung nahm, die K. später einschlug und in der er Ausgezeichnetes leistete. Kaum 16 Jahre alt, wurde K. Assistent am polytechnischen Institute, an welchem er 11 Jahre diente. Als im Jahre 1830 in Hannover die höhere Gewerbeschule gegründet wurde, kam K. der mittlerweile die philosophische Doctorwürde erworben hatte, damals erst 27 Jahre alt, als Director und Professor der Technologie an dieselbe: wurde später Mitglied der königl. Verwaltungscommission der Gewerbeschulen, im Jahre 1834 Directionsmitglied des in diesem Jahre gegründeten hannoverischen Gewerbevereins und 1845 dessen Vicepräsident. Als Schriftsteller seines Faches, einer der fruchtbarsten, trat K. frühzeitig auf, und ist schon die Zahl seiner selbstständigen Werke nicht klein, so ist die seiner Aufsätze in den verschiedenen deutschen Fachblättern so groß, daß ihrer nur im Allgemeinen gedacht werden kann. Seine selbstständig erschienenen Schriften sind: „Grundriss der Chemie nach ihrem neuesten Zustande, besonders in technischer Beziehung“ (Wien 1822, Tendler. gr. 8°., mit 2 K. K.); – „Einleitung in die mechanischen Lehren der Technologie. Enthaltend die Mechanik in ihrer Anwendung auf Gewerbe. Nebst vollständiger Aufzählung und Charakteristik der in den technischen Künsten angewendeten Maschinen“. 2 Bände und 1 Heft mit Tafeln (Wien 1825, Wallishausser. gr. 8°., Atlas mit 16 Kupferstichen in 4°.); – „Die höhere Gewerbeschule in Hannover, Erläuterungen über Zweck, Einrichtung und Nutzen derselben“ (Hannover 1831, Hahn, 2. erweit. Aufl. 1844, mit 2 Steindrucktaf., gr. 8°.); – „Beschreibung einer Relief-Maschine zur getreuen bildlichen Darstellung von Münzen, Medaillen und anderen Reliefs auf ganz mechanischem Wege“ (Hannover 1836, Helwing, gr. 8°., mit 2 Kupfertaf. und 2 Probebl. in Stahlst.); – „Grundriss der mechanischen Technologie. Als Leitfaden für den technologischen Unterricht an polytechnischen Instituten und Gewerbeschulen.“ 2 Bde., (Hannover 1837 u. f., Helwing, gr. 8°.); – einzelne Abschnitte dieses Werkes erschienen unter besonderen Titeln, und zwar: „Die Metall-Arbeiten in wissenschaftlich praktischer Darstellung“ (ebd. 1837); – „Die Holz-Arbeiten in wissenschaftlich praktischer Darstellung“ (ebd. 1838); – „Die gesammte Spinnerei und Weberei in wissenschaftlich praktischer Darstellung“ (ebd. 1840), und „Die Verarbeitung des Flachses, der Wolle und Seide, die Papierfabrikation, die Verfertigung der Glas- und Thonwaaren“ (ebd. 1841); – die zweite sehr vermehrte Auflage des ganzen Werkes erschien unter dem Titel: „Handbuch der mechanischen Technologie“. 2 Bde. (ebd. 1851, gr. 8°.), die dritte (ebd. (1857); – „Die polytechnische Schule zu Hannover“ (ebd. 1848, Hahn; 2. sehr erweiterte Auflage mit 3 Abbildungen, gr. 8°., und 1 Tab. in Fol.); – „Beitrag zur Technik des Münzwesens“ (Hannover 1856, Helwing, Lex. 8°.); – in Gemeinschaft mit Rühlmann: „Bericht über die Industrie-Ausstellung zu Paris im Jahre 1844“ (ebd. 1845, 4°.); – in Gemeinschaft mit Friedrich Heeren: „Technisches Wörterbuch oder Handbuch der Gewerbekunde in alphabetischer Ordnung“. [482] 3 Bde. (1. Aufl. Prag 1843 und 1844, 2. gänzlich neu bearb. Aufl. mit ungefähr 1500 in den Text gedruckten Abbildgn. in Holzschn. ebd. 1853–1857, Haase Söhne, Lex. 8°.); dieses Werk ist eigentlich nur eine Bearbeitung des englischen von And. Ure: „Dictionary of Arts, Manufactures and Mines“. Außer diesen Arbeiten war aber K., wie schon bemerkt worden, auch für polytechnische Fachblätter schriftstellerisch ungemein thätig; in Dingler’s „Polytechnischem Journal“ veröffentlichte er außer anderen Aufsätzen jährlich die für den Fachmann so werthvollen und nützlichen Uebersichten der Leistungen der deutschen gewerblichen Zeitschriften; als Mitdirigent des hannoverischen Gewerbevereins, der nach dem Muster des Berliner Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen gebildet worden, hat K. den wesentlichsten Antheil an der Leitung und Herausgabe der „Mittheilungen“ dieses Vereins. Wie ihm überhaupt der hannoverische Gewerbestand vieles verdankt, so hat er demselben auch dadurch aufzuhelfen gesucht, daß er die Herausgabe einer eigenen Gewerbezeitung für Hannover anregte, welche 1842 monatlich unter dem Titel: „Gewerbeblatt für das Königreich Hannover“ erschien und eines der besten und wohlfeilsten Blätter für den Handwerkerstand ist. In Prechtl’s „Technologischer Encyklopädie“ sind viele Aufsätze von K. enthalten, welche derselben zur besonderen Zierde gereichen; auch besorgte er seit dem 21. Bande die Fortsetzung der Herausgabe (Stuttgart, bei Cotta), und sind bereits der 21. und 22., oder die Supplement-Bände 1 und 2 von ihm erschienen; ferner liefert er zu Ersch und Gruber’s: „Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste“; zu Hülsse’s „Maschinen-Encyklopädie“; zu den „Jahrbüchern des polytechnischen Institutes in Wien“ und zu der (bei Cotta, in Stuttgart erscheinenden) „Deutschen Vierteljahrschrift“ zahlreiche Aufsätze, und gab in Gemeinschaft mit Volz drei Jahrgänge (1844–1846) der „Polytechnischen Mittheilungen“ heraus. K. hat sich in der neuen Heimat, in der er seit 33 Jahren rührig schafft und thätig ist, eben sowohl durch das Maßvolle in Beurtheilung der Werke, in deren Sphäre er als gediegener Fachmann zunächst berufen ist, ein Urtheil zu fällen, wie durch die Bereitwilligkeit und Freundlichkeit, mit welcher er den Industriellen mit Rath und That beisteht, allgemeine Achtung und Liebe erworben. Im Jahre 1839 ist er sogar zum Protestantismus übergetreten. Als vor mehreren Jahren mehrere Journale mit Angriffen gegen ihn auftraten, stand die öffentliche Meinung um so mehr zu ihm, als er durch seine umfassenden und gründlichen Kenntnisse, wie durch einen hohen Grad von Humanität seinen Gegnern überlegen ist.

Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1224. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XVII, S. 687. – Nouvelle Biographie générale … publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXVII, p. 457. – Ein Fachmann charakterisirt K. den Schriftsteller folgendermaßen: „Zum Erfassen allgemeiner Ideen, zur Darstellung philosophischer Gedanken ist er nicht befähigt, er ist zu sehr in das Materielle der exacten Wissenschaft festgeschlossen, als daß sich sein Geist zum Begreifen und Darstellen der Ideen erheben könnte, die gegenwärtig das Reich der Industrie durchdringen und beleben und der Wissenschaft, die wir unter dem Namen der politischen begreifen, eine andere bessere Gestalt und die ausschließliche Richtung auf das Leben ertheilen. K. ist nur Technolog, aber als solcher gehört [483] er zu den besten in Deutschland; in der Manufacturlehre ist er Meister, ausgezeichnet durch eine bewunderungswürdige Fülle gediegener Kenntnisse und praktischer Erfahrungen. Für dieses Fach besitzt er ein vortreffliches Talent der Darstellung; Keiner ist unter den Deutschen im Beschreiben so genau, so instructiv und zugleich so kurz und natürlich wie K., seine Beschreibungen machen den Gegenstand so vorstellig und anschaulich, als habe der Leser die Abbildung vor sich. Dieser Vorzug verleiht seinen Schriften einen außerordentlichen Werth, der außerdem durch Verständlichkeit und durch Einfachheit des schmucklosen, aber dennoch edlen Styles bedeutend erhöht wird. Einzelne Parthien machen fast den Eindruck einer angenehm unterhaltenden Lecture“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Altmüller