BLKÖ:Katancsich, Mathias Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kaszaniczki, Adam
Band: 11 (1864), ab Seite: 30. (Quelle)
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Katancsich, Mathias Peter (Alterthumsforscher, geb. zu Válpó der Veroczer Gespanschaft in Slavonien 12. August 1750, gest. zu Ofen 24. Mai 1825). Nach beendeten Humanitätsclassen trat er 1771 zu Bács in den Franziskanerorden und wurde nach zurückgelegten theologischen Studien am 17. April 1775 zum Priester geweiht. Zur weiteren Ausbildung besuchte er noch mehrere Vorlesungen aus den philosophischen Wissenschaften an der Universität zu Ofen, bei welcher Gelegenheit der gelehrte Jesuit Georg Szerdahelyi, welcher Aesthetik vortrug, auf den jungen wissensdurstigen und strebsamen Priester aufmerksam wurde. Auf dessen Empfehlung erhielt auch K. die Professur an den Humanitätsclassen des kön. Gymnasiums zu Esseg, von wo er im Jahre 1789 an das erzbischöfliche Gymnasium nach Agram übersetzt wurde. Bereits hatten mehrere seiner in die Oeffentlichkeit gelangten Schriften die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf ihn gerichtet, und als der Custos der Universitätsbibliothek [31] zu Pesth, der berühmte Archäolog Schönwiesner, die Bibliothekarsstelle daselbst erhielt, wurde K. am 17. Juli 1795 auf dessen Posten berufen. Er nahm dieses Amt an, versah es auch bis zum J. 1800, aber in diesem Jahre zwang ihn seine leidende Gesundheit, um Versetzung in den Ruhestand zu bitten. Indem man seiner Bitte willfahrte, gab man ihm eine Pension von 500 Gulden unter der Bedingung, daß er seinen Wohnsitz in Pesth oder Ofen aufschlage und seine bereits fertigen oder später noch zu vollendenden Handschriften der Pesther Universität überlasse. Seit seiner Versetzung in den Ruhestand widmete K. seine ganze Zeit den gelehrten Forschungen, vornehmlich auf dem Gebiete der alten Geographie, der den Alten bekannten Welttheile Europa, Asien und Afrika. Er verließ nie sein Zimmer vom Jahre 1800 bis zum 6. October 1809 in Pesth, und von da bis 1822 in Ofen, um keine Zeit zu verlieren. Da er zudem jedes müssige Schwätzen vermeidend, fast nie zu Jemanden aus seiner nächsten Umgebung ein Wort sprach, so verbreiteten Dummheit oder Böswilligkeit das Gerücht, er habe den Verstand verloren. Hingegen nahm er Besuche von Gelehrten immer an und besprach sich mit ihnen über Gegenstände seines Faches mit Feuer und Scharfsinn. Endlich, im Jahre 1822, glaubte er seine Forschungen insoweit zu Stande gebracht zu haben, daß er, zufrieden mit sich selbst, es sich erlauben durfte, von Zeit zu Zeit, aber immer noch selten, sein Zimmer zu verlassen und sich im Freien an frischer Luft zu laben. So hatte er 25 Jahre seines Ruhestandes in einem wahren otio operoso genossen. Seine im Drucke erschienenen Werke sind in chronologischer Folge: „Dissertatio de columna milliaria ad Essekum reperta“ (Essekini 1781, 2. Aufl. 1794, 4°.); – „Poškocsnica Pana i Thalie“ (Esseg 1738, 8°.); – „In veterem Croatarum patriam indagatio philologica“ (Zagrabiae 1790, 8°.); – „Fructus autumnales in jugis Parnassi Pannonii lecti“ (ebd. 1791, neue Auflage 1844); – „Specimen philologiae et geographiae Pannoniorum in quo de origine, lingua et literatura Croatorum, simul de Sisciae, Andautonii Nevioduni, Poetovionis urbium in Pannonia olim celebrium et his interjectarum via militari mansionum situ disseritur“ (ebd. 1795, 4°.); – „Tentamen publicum e Numismatica utriusque semestris“ (Pestini 1797, 8°.); – „De Istro ejusque adcolis commentatio, in qua autochthones Illyrii ex genere Thracio, advenae item apud Illyrios a primis rerumpublicarum temporibus ad nostram usque aetatem, praesertim quod originem, linguam et literaturam attinet, deducuntur“ (Budae 1798, 8°.); – Josephi Eckhel Elementa numismaticae e germanico sermone in latinum pro usu auditorum translata“ (Buda 1790, 4°.); – „Orbes antiquus ex tabula itineraria Thedosii imperatoris seu Peutingeri ad systema geographiae redactus et commentario illustratus“. Tomi 2 (Buda 1824 et 1825, 4°.), jedenfalls sein Haupt- und in der gelehrten Welt hochgeschätztes Werk; – „Istri adcolarum illyrici nominis Geographia epigraphica“ (Buda 1825, 4°.). Nicht minder Werthvolles hat K. in Handschrift hinterlassen, und zwar: „Istri adcolarum illyrici nominis geographia vetus“, mit dem Vorbenannten, im Drucke erschienenen Werke nicht zu verwechseln; – „Geographia Ptolomaei e graeco illyrice reddita subjunctis vocibus graecis et varietate lectionis“; – „Geographia Ptolomaei [32] ad graecum exemplum commentario illustrata“; – „Plinii geographia, velut promptuarium antiquae geographiae singulari studio elaborata“; – „Strabonis geographia commentario illustrata“; – „Homeri geographia commentario illustrata“; – „Mosis geographia commentario illustrata“; es sind diese Commentare zu den geographischen Werken des Ptolomäus, Plinius, Strabo, Herodot, Homer und Moses offenbar die Vorarbeiten gewesen zu seinem Werke: „Orbis antiquus“; – „Sacra scriptura Veteris et Novi Testamenti ad fidem Vulgatae adhibitis graecis et hebraicis fontibus dialecto Illyricae Bosnensis reddita“; – „Prolusio in literaturam aevi medii, de Denario banali; Cyrilli charactere insigni; de literatura Cyrilli; de literatura glagolitica; de casula divi Stephani regis; cruce aurea Giselae Reginae; numis sigillis aliisque Epigraphiae monumentis“; – „De poesia illyrica libellus“; – „Memoria Belgradi olim Singiduni“; – „Memoria Valpo arcis, oppidi, dynastiae“; – „Etymologicon illyricum ad leges philologiae dialecto bosnensi exactum“; – „Adversaria philologica varia itinerum per Hungariam, Slavoniam, Croatiam susceptorum“; – „Tabulae geographicae, chorographicae“, alle, wie auch die Peutingerische Tafel, von ihm selbst gezeichnet und gemalt. Katancsich – den die Croaten Katančić schreiben – ist 75 Jahre alt geworden.

Tudományos gyüjtemény, d. i. Wissenschaftliche Zeitschrift (Pesth, 8°.) 1826, Heft 3, S. 120. – Časopis českého Muzeum (Prag, 8°.) 1833, S. 20. – Ilirska čitanka za gornje gimnazije. Knijga perva, d. i. Illyrisches Lesebuch für das Obergymnasien, 1. Theil (Wien 1856) S. 512. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 158 – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) III. Jahrg. (1825), S. 1451. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXVII, p. 475.