BLKÖ:Kogler, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kogler, Tobias
Band: 12 (1864), ab Seite: 274. (Quelle)
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Kogler, Michael (Siegelstecher und Graveur, geb. zu Wien im Jahre 1763, gest. ebenda 31. März 1844). Der Sohn eines armen Webers in Wien, der früh ein schönes Talent für die Kunst beurkundete und durch Verwendung Hagenauer’s [Bd. VII, S. 193] auf die Akademie der bildenden Künste kam. Dort that er sich unter Aufsicht und Leitung seines Meisters und Gönners durch Fleiß und Talent bald hervor, und im Jahre 1779 erhielt er für sein Medaillon „Venus und Adonis“ aus den Händen des Herrn von Sonnenfels, beständigen Secretärs der Akademie, den ersten Preis. Sonnenfels aber machte die große Kaiserin auf den vielversprechenden talentvollen Jüngling aufmerksam und noch im nämlichen Jahre wurde er mit einem Künstlerstipendium betheilt. Die Jahre des Unterrichtes waren vorüber, K. begründete ein selbstständiges Geschäft, in welchem der Künstler rastlos arbeitete und seinen Lebensunterhalt erwarb. Kein Mäcen stand ihm mehr zur Seite und unter Sorge und Roth verkümmerte zwar nicht der Genius, aber er wurde nicht entsprechend beschäftigt. Ein Sonnenstrahl in dieses öde Künstlerdasein [275] fiel erst, als Napoleon, hingerissen von dem Meisterwerke Canova’s, nämlich von dem Grabmale der Erzherzogin Christine, fragte, ob keine plastische Nachbildung dieses Kunstwerkes vorhanden sei? Der Pfarrer Franzoni bejahte und meldete, daß eine meisterhafte, in Wachs bossirte Nachbildung eines Wiener Künstlers bestehe. Dieser Künstler war Kogler. General-Intendant Denon kam zu Kogler, besah das Stück, nahm es mit, überbrachte es Napoleon, der es trefflich fand und Kogler kaiserlich beschenkte. Den Antrag, eine Stelle an der kaiserlichen Münze in Paris anzunehmen, lehnte K. ab, da er der Gnade seiner Monarchin seine künstlerische Ausbildung und seiner Vaterstadt das Bürgerrecht verdankte. Kogler hatte es als Patriot vorgezogen, lieber im Vaterlande zu darben, als in der Fremde, ja im Solde des Erbfeindes seines Herrscherhauses und Volkes sorgenfrei zu leben. Aber mit den Jahren wurde die Noth immer größer, der Erwerb immer geringer; ein zunehmendes chronisches Augenleiden schwächte bedeutend seine Sehkraft; seine Gattin war durch unheilbares Siechthum seit 17 Jahren an das Krankenlager gefesselt; ein Einbruchdiebstahl hatte ihn noch um die letzten Reste seiner besseren Habe gebracht und so kam es endlich dahin, daß der fast erblindete Künstler im Jahre 1839 in das Bürgerspital zu St. Marcus als Pfründner untergebracht wurde, wo er auch achtzigjährig starb. Die wenige Muße, die ihm spärlich bezahlte Werkeltagsarbeiten übrig ließen, verwendete K., dem Drange seines Genius folgend, zu kleineren künstlerischen Schöpfungen; so entstanden einige Meisterwerke, als Porträte berühmter Gelehrter auf Dosendeckeln, wie z. B. Lessing, Voltaire, Freiherr v. Retzer u. a. m., die aber auch im Drucke des Momentes weit unter ihrem Werthe von dem Künstler hintangegeben wurden, und jetzt hie und da die Zierde einer oder der andern Sammlung bilden. Seinen Sohn Joseph hatte K. selbst in der Kunst unterrichtet und ihm das Bürgerrecht erworben. Aber auf diesen war nicht der Genius des Vaters übergegangen, und so fleißig der Sohn war, so konnte er doch nicht das durch die Verhältnisse gesunkene Geschäft des Vaters wieder heben und demselben eine Stütze werden. Als der alte Kogler, dessen Preisstück: „Venus und Adonis“ eine Zierde der kaiserlichen Akademie der Künste bildet, dessen Nachbildung des Christinen-Denkmals in Wachs im kaiserlichen Museum des Louvre in Paris steht, bestattet wurde, folgte der Leiche des vergessenen Pfründners außer seinem damals auch schon sechzigjährigen Sohne, nur noch sein Biograph Weidmann. In den Künstlerkreisen war der Name Kogler längst verklungen. Wahrhaftig auf solch ein verschollenes Künstlerleben passen die Worte Platen’s: „Was ich soll, wer löst mir diese Frage? – Was ich kann, wer gönnt mir den Versuch? – Was ich muß, wer lehrt mich, daß ich’s trage? – So viel Mühen um ein Leichentuch!“ Kein Lexikon, nicht die 21 Bände Nagler’s nicht der so umsichtige Tschischka enthalten Kogler’s Namen.

Wiener Feiertags-Blätter. Herausgegeben von Friedrich Förster, redigirt von Dr. F. C. Weidmann (kl. Fol.) 1858, Nr. 26 u. 27: „Ein Künstlerleben“ [unter obigem Titel sind von diesem Journale nur 27 Nummern (Nr. 27 am 25. September) erschienen. Die Fortsetzung desselben mit nächstem Quartale wurde unter neuem Titel: „Allgemeine illustrirte Familienblätter“ angekündigt]. –