BLKÖ:Kumpf, Johann Gottfried

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kumlik, Joseph
Band: 13 (1865), ab Seite: 372. (Quelle)
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Kumpf, Johann Gottfried (Arzt und Schriftsteller, geb. zu Klagenfurt 9. December 1781, gest. ebenda 21. Februar 1862). Beendete die humanistischen und philosophischen Studien in seiner Vaterstadt Klagenfurt; im Jahre 1800 ging er nach Wien, wo er die Medicin hörte und aus derselben im Jahre 1805 zu Pesth die Doctorwürde erlangte. Nun begab er sich nach Triest, wo er die ärztliche Praxis auszuüben begann. In kurzer Zeit machte er sich einen Namen, wurde zum Armen- und Impfarzte und während der französischen Occupation zum Stabsarzte der zu jener Zeit bestandenen Nationalgarde, wie auch zum provisorischen Stadt-Physiker ernannt. Doch sagten ihm die Verhältnisse auf die Dauer nicht zu; verlockende Anerbietungen ablehnend, folgte er seiner Sehnsucht nach der Heimat und kehrte 1811 nach Klagenfurt zurück. Daselbst zog ihn neben seinem ärztlichen Berufe auch das literarische Treiben an. Zuerst richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn, indem er in der Carinthia die zahlreichen Irrthümer und falschen Angaben in Sartori’s „Reise durch Kärnthen“ nicht bloß aufdeckte, sondern unter Einem auch berichtigte, eine Arbeit, die sich bald zu einem ansehnlichem Hefte ausdehnte. welches unter dem Titel: „Kritische Andeutungen; eine nothwendige Beilage zum zweiten Bande von Franz Sartori’s neuester Reise u. s. w.“ (Klagenfurt 1812), abgesondert erschien. Auch übernahm er bald nach seiner Ankunft in Klagenfurt von Nr. 13 an die von dem Schauspieler Merci gegründete Zeitschrift „Carinthia“ und führte die Redaction in den Jahren 1812 und 1813. worauf sie von ihm an Dr. Johann Jenull [Bd. X, S. 164] überging. Indem er nun einige Jahre ausschließlich mit der ärztlichen Praxis sich beschäftigte, wendete er sich doch wieder der Literatur zu und begründete im Jahre 1818 die „Kärnthnerische Zeitschrift“, in welcher er die Kenntniß seines Heimatlandes nach verschiedenen Richtungen in ebenso angenehmer als gründlicher Weise in weiteren Kreisen vermitteln wollte, und schon im ersten Bändchen mit der eigenen Abhandlung „Ueber Vaterlandsliebe“ so zu sagen ein Programm niederlegte. Noch das zweite (1820 erschienene) Bändchen ging unter seiner Redaction hervor, jene der weiteren sechs Bände übertrug er, wie früher die „Carinthia“, seinem Freunde S. M. Mayer. Indem er noch im Jahre 1819 die Gedichte seines früh verblichenen Freundes J. G. Fellinger [Bd. IV, S. 170] in zwei Bänden herausgab und denselben des Dichters Lebensskizze voranschickte, so möchte damit K.’s schriftstellerische Wirksamkeit, soweit sie sich von seinem ärztlichen Berufe trennte, geschildert sein. Als Arzt entfaltete er eine nicht minder reiche [373] als segensvolle Thätigkeit. So war er einer der Mitgründer und Directoren des 1817 gestifteten Vereins zur Versorgung der Armen und Kranken in Klagenfurt; früher schon, nämlich in den Jahren 1813 und 1814, zur Zeit der in Klagenfurt ausgebrochenen verheerenden Typhus-Epidemie, entfaltete er eine energische Thätigkeit und fungirte zugleich als Primararzt des k. k. Civil-Feldspitals in Klagenfurt; in gleicher Weise im Jahre 1822 bei Ausbruch der contagiosen Augenkrankheit im Regimente Baron Wimpffen, welches Uebel unter der Bevölkerung panischen Schrecken und der Regierung große Auslagen verursachte, indem von ihr die ersten Aerzte der Residenz, Männer wie Isfording, Rosas, Eble, nach Kärnthen zur Erforschung des Uebels entsendet, und zur Dislocirung des Regiments in leer stehende Schlösser des Landes, anläßlich der erforderlichen Adaptirung große Summen verwendet wurden. K. legte eine Darstellung seiner Beobachtungen und Bemühungen in Ehrhart’s medicinisch-chirurgischen Zeitung (Jahrg. 1824, Nr. 6) nieder, wie er denn auch in der Carinthia immer wieder populäre medicinische Aufsätze erscheinen ließ. Gleiche Thätigkeit und muthvolle Hingebung bewies er 1831 bei Ausbruch der Cholera. Er studirte die Krankheit mit Unerschrockenheit und Ausdauer, veröffentlichte die Schrift: „Ueber die asiatische Cholera und über die Schutzmittel dagegen“ (Klagenfurt 1831), und wurde zur Beobachtung der furchtbaren Seuche im Jahre 1841 nach Wien entsendet. Ueberdieß fungirte K., so lange in Klagenfurt die medicinische-chirurgische Lehranstalt sich befand, als landesfürstlicher Prüfungscommissär und supplirte auch in dieser Periode einige Male die Thierarzeneikunde an derselben. Endlich verdient K. auch als Archäolog eine ehrende Erinnerung. Nicht ohne unbedeutende Geldopfer sammelte er die merkwürdigsten Römerdenkmale seiner Heimat, darunter ausgezeichnete und seltene Mithrassteine und schenkte die ganze werthvolle Sammlung mehrere Jahre vor seinem Tode dem historischen Vereine Kärnthens. Der Vollständigkeit halber sei hier bemerkt, daß K. in früheren Jahren auch den Pegasus tummelte und in Castelli’s Selam, in der Aglaja und Carinthia mehrere Schwungproben seiner Muse unter dem Pseudonym „Ermin“ erscheinen ließ, welchen Dichternamen aber später auch der bekannte Schriftsteller Pietznigg annahm, was hier, um Verwechslungen vorzubeugen, angeführt wird. In einer zweimaligen Ehe, zuerst mit Karolina von Strohlendorf, dann mit Ernestine von Friedenegg, hatte er aus beiden Ehen Nachkommen, und zwar aus erster eine Tochter Modesta, welche als Gattin des Wiener Hof- und Gerichts-Advocaten Jacob Ritter von Aichenegg 1849 starb. Noch feierte K. am 21. August 1854 den fünfzigjährigen Erinnerungstag seiner Promotion zum Doctor der Medicin, bei welcher Gelegenheit die Klagenfurter Aerzte ihrem Senior einen silbernen Ehrenbecher und die Pesther medicinische Facultät ein Ehren-Diplom übersandten. K. starb als der älteste Arzt Kärnthens im hohen Alter von 82 Jahren.

Klagenfurter Zeitung 1862, Nr. 75: „Biographische Skizze“ von S. M. Mayer. – Hermann (Heinrich), Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern (Klagenfurt, J. Leon, 8°.) III. Band, 3. Heft (Culturgeschichte), S. 19, 161, 191, 222. – Bohemia (Prager Journal, 4°.) 1862, Nr. 52. – Wiener Zeitung 1862, in der Beilage „Tagesbericht“ Nr. 50.