BLKÖ:Laurencin d’Armond, Ferdinand Peter Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 222. (Quelle)
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Laurencin d’Armond, Ferdinand Peter Graf (Musikgelehrter, geb. zu Kremsier in Mähren im Jahre 1819). Seit seinem fünften Lebensjahre der Erziehung des Privatgelehrten Wilhelm Wildfeyr anvertraut, erhielt er von diesem Unterricht in den alten und neueren Sprachen und ihrer Literatur und in der Musik mit Einschluß des Generalbasses und Contrapunctes, wobei sich dieser Pädagog einer nur ihm eigenthümlichen und leicht faßlichen Methode bediente. Nicht ohne wesentlichen Einfluß auf den Knaben war der häufige gesellige Verkehr mit dem Cardinal-Erzbischof von Olmütz Erzherzog Rudolph, in dessen Diensten als Obersthofmeister der Feldmarschall-Lieutenant Ferdinand Graf L., der Vater des Knaben, stand. Erzherzog Rudolph [Bd. VII, S. 145, Nr. 280] selbst war ein großer Musikfreund und Musikkenner und Vieles zur Erkenntniß der classischen Werke Bach’s und Beethoven’s verdankt L. seinem fürstlichen Mäcen. Acht Jahre, von 1824 bis 1832, leitete Wildfeyr L.’s Erziehung. Im letztgenannten Jahre kam L. auf das Gymnasium nach Brünn und setzte auch dort seine Musikstudien unter Anleitung des Capellmeisters Rieger und Musikdirectors J. A. Novotny auf das Eifrigste fort. Im Jahre 1836 begann L. das Studium der Philosophie unter dem Augustinermönch Franz Klácel [Bd. XII, S. 1]. der damals bereits, und wohl der Erste, als Professor der Philosophie am Brünner Lyceum nach Hegel vortrug und als Poet und Denker einen mächtigen Einfluß auf seine Zuhörer und auch auf L. übte. Nach beendeten philosophischen Studien begab sich L. nach Prag, um an der dortigen Hochschule die philosophische Doctorwürde zu erlangen, unter W. J. Tomaschek (1837–1839) und C. F. Pitsch (1839–1841) aber seine musikalische Ausbildung fortzusetzen. [223] In diese Zeit, 1837–1839, fällt auch der wiederholte Aufenthalt Spohr’s in Prag und Karlsbad, und L., der von frühester Jugend an Allem was Spohr schrieb, mit Schwärmerei hing und einen großen Theil der Werke des Meisters auswendig wußte, fand Wege, bei Spohr, der für die musikliebende Jugend überhaupt leicht zugänglich war, vorzukommen und sich seines näheren für Laurencin’s spätere musikalische Richtung einflußreichen Umganges zu erfreuen. In Prag lernte L. auch den Universitäts-Professor Anton Müller kennen, der zu jener Zeit die musikalische Kritik in der Unterhaltungs-Zeitschrift Bohemia besorgte. Im Verkehr mit Müller gelangte L. auf das schriftstellerische Gebiet, da er manchmal denselben als musikalischer Berichterstatter in der „Bohemia“ vertrat. Nach erlangter philosophischer Doctorwürde kehrte L. nach Brünn zurück, und in seinem Vorhaben, sich einem Lehramte aus dem Gebiete der philosophischen Facultätsstudien zu widmen, schrieb er mehrere Concurse aus der Aesthetik, Geschichte, Philosophie und deutschen Literatur. Der erwartete Erfolg blieb jedoch aus, und nachdem L. keine Lehrkanzel, wie er sie anstrebte, erhielt, begann er das Studium der Rechte, dem er theils zu Olmütz, theils zu Wien oblag, und trat nach dessen Vollendung, 1847, in den Staatsdienst, in welchem er aber nur bis zum J. 1852 verblieb, indem er im genannten Jahre seine Stelle aufgab und seither ausschließlich literarisch-kunstwissenschaftlichen Bestrebungen lebt. Außer für die schon erwähnte Bohemia schrieb L. nunmehr für die Wiener Musikblätter, u. z. von 1841–1849 für A. Schmidt’s Musikzeitung unter dem Pseudonym Philokales, später für L. A. Zellner’s Blätter für Musik und für die von dem Fürsten Czartoryski begründeten und vornehmlich die Interessen der Musik und des Theaters, in neuester Zeit aber auch jene der zeichnenden Künste in’s Auge fassenden „Recensionen“. Seit 1858 ist L. ständig und regelmäßig an der Leipziger neuen Zeitschrift für Musik betheiligt, in welcher seine Aufsätze mit einem griechischen φ bezeichnet sind. Auch hat Graf L. selbstständig mehrere musikalisch-theoretische Schriften herausgegeben, u. z.: „Zur Geschichte der Kirchenmusik bei den Italienern und Deutschen. Eine Abhandlung“ (Leipzig 1856, gr. 8°.); – „Das Paradies und die Peri. Dichtung aus „Lalla Rookh“ von Th. Moore. In Musik gesetzt von Rob. Schumann. Erläutert“ (Leipzig 1859, Matthes, 4°.); – „Dr. Ed. Hanslick’s Lehre vom Musikalisch-Schönen. Eine Abwehr“ (Leipzig 1859, gr. 16°.), worin Graf L. die von Dr. Hanslick aufgestellte Ansicht: der einzige Inhalt der Musik seien „tönend bewegte Formen“, zu widerlegen sucht; – „Die Harmonik der Neuzeit erläutert. Gekrönte Preisschrift“ (Leipzig 1861, 8°.). Graf Laurencin lebt in Wien.

Wiener allgemeine Musik-Zeitung, herausg. von Aug. Schmidt, VI. Jahrg. (1846), Nr. 149, in den „Erinnerungen an Wien“, von Theodor Hagen. – Deutsche Musik-Zeitung, herausg. von Selmar Bagge (Wien, 4°.) Jahrg. 1860, Nr. 7, S. 53. – Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1860, Nr. 24, im Feuilleton. – Schuberth (Julius), Musikalisches Handbuch. Eine Encyklopädie für Tonkünstler und Musikfreunde (Leipzig und New-York, kl. 8°.) Fünfte verb. Aufl. S. 158.