BLKÖ:Müller, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 19 (1868), ab Seite: 341. (Quelle)
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7. Müller, Anton (k. k. Professor der Aesthetik und kritischer Schriftsteller, geb. zu Oschiz, einem Dorfe in Böhmen im Jahre 1792, gest. zu Prag 5. Jänner 1843). Die Eltern, schlichte Landleute, ließen ihren Sohn die Schule besuchen, und nach vollendetem Gymnasium bezog M. die Hochschule zu Prag. Mit besonderem Eifer betrieb er die classischen Sprachen, die Literatur derselben wie die deutsche. Schon in jener Zeit trat er mit einigen poetischen Arbeiten hervor, in denen sich vor Allem die gerundete Form bemerkbar machte. Dem Lehramte sich zuwendend, erhielt er im Jahre 1816 eine Professur am Gymnasium zu Gitschin, rückte dann zum Humanitäts-Professor an demselben Gymnasium vor, und wurde darauf Professor der Aesthetik und classischen Literatur an der Universität zu Innsbruck. Im Jahre 1826 [342] gelang es ihm, in derselben Eigenschaft an die Prager Hochschule übersetzt zu werden. Diesen Posten bekleidete M. bis an sein Lebensende. Als Lehrer wirkte er in seinem Fache – in welchem er sich freilich bei den seiner Zeit bestehenden Verhältnissen in den engsten Schranken halten mußte – in anregender Weise. Als Poet trat er nur ausnahmsweise – bei hohen Fest- und Namenstagen – damals der einzige Weg sich, in ungefährlicher Weise durch seinen Geist, zu empfehlen, auf, seine eigentliche Stärke aber war die Kritik. Bezüglich dieser letzteren heißt es in einem Nekrologe: „unvergeßlich bleiben jedem Sachkenner die Recensionen der an der Prager deutschen Bühne aufgeführten Schau- und Singspiele und ihrer Darstellungen. Jene über größere Bühnenstücke sind wahre ästhetische Meisterwerke und höchst interessante größere Abhandlungen über Anlage, Plan, Ausführung und Charakter der Stücke. Mit gleicher Sachkenntniß schrieb er die Kritiken über die jährlichen Gemäldeausstellungen, über die Concerte. Er war in allen Zweigen der schönen Künste ein unbefangener, tiefforschender Kenner und dabei mit der Literatur derselben vollkommen vertraut. Die im Jahre 1827 in Prag begonnenen Zeitschrift „Bohemia“ enthält in ihren bis Müller’s Tod erschienenen 16 Jahrgängen alle diese ausgezeichneten Kritiken M.’s, welche zusammen einige Quartbände füllen würden“. Dieses überschwengliche Lob erfährt einige und wohl dasselbe berichtigende Einschränkung durch die ausführliche Charakteristik, welche Seidlitz über Müller den Dichter und Kritiker in seinem Buche über die Poeten Oesterreich liefert. Von M.’s Schriften sind selbstständig erschienen: „Pater noster von J. Führich, deutsch in neun Blättern mit Text von Anton Müller“ (Prag 1827, gr. 4°.), in’s Französische übersetzt von Demarteau (ebd., Fol.); die deutsche Ausgabe auch für die Jugend (ebd. 1832, 8°.); – „Der wilde Jäger (nach Bürger’s Ballade). In fünf Blättern, gezeichnet von J. Führich. Mit kritischen Aufsätzen von A. Müller“ (Prag 1827, kl. Fol.); – „Bilderkatechismus nach dem Leitfaden des grossen Lesebuches für Eltern und Lehrer zur häuslichen Unterweisung und Erbauung“, 1. bis 3. Lieferung, mit 9 K. K. (Prag 1829, 8°.); – „Die Kränze. Eine allegorische Scene, gegeben als Prolog zur Feier des Allerh. Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers“ (Innsbruck 1821, 4°.). Von seinen anderen poetischen Arbeiten hat er selbstständig nichts herausgegeben. In der „Bohemia“ im J. 1827 erschienen der Romanzenkranz „Horimiř und sein Roß Šemik“; ferner „Kaša und Biwoj“, beides Bruchstücke seines größeren Epos „Neklan und Vlaslav“, welche im Hinblick auf Form und Schwung der Sprache bedauern lassen, daß sie nur Bruchstücke geblieben. Ferner befindet sich in der „Bohemia“ seine größere Abhandlung: „Ueber das böhmische Volkslied“. In der späteren Zeit wendete er sich mit besonderem Eifer dem Studium der jungčechischen Literatur zu und trug seinen Zuhörern Erläuterungen von Čelakowsky’s „Ohlas pisni ruských“, d. i. Nachhall russischer Gesänge, vor. Unter seinen nachgelassenen Schriften soll sich nebst mehreren ästhetischen Abhandlungen und poetischen Fragmenten verschiedenster Art auch ein vollendetes Drama: „Sokrates’ Tod“ gefunden haben. M. starb, erst 51 Jahre alt, nachdem er 26 Jahre als öffentlicher Professor in verdienstlichster Weise thätig gewesen.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, kl. 8°.) XXI. Jahrg. (1843), II. Theil. S. 1104, Nr. 324. – Seidlitz (Julius Dr.), [343] Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhard, 8°.) Bd. II, S. 34 u. 133. – Der Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) II, Jahrg. (1838), Nr. 54, S. 214: „Literarische Charaktere“, von Uffo Horn. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladislaus Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 537, Nr. 71 [nach diesem gestorben am 6. Jänner 1843].