BLKÖ:Liebel, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Liebl, Georg
Band: 15 (1866), ab Seite: 95. (Quelle)
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Liebel, Ignaz (Schriftsteller, geb. zu Falkenau in Böhmen im Jahre 1754, gest. zu Wien 7. September 1820). Obgleich seine Ettern arm waren, ermöglichten sie es doch ihrem Sohne, der Liebe zu den Studien zeigte, sich der Gelehrtenlaufbahn zu widmen. Im Jahre 1773 kam L. nach Wien, wo er die Studien beendete. Nunmehr dem Lehramte sich zuwendend, erhielt er im Jahre 1784 durch Concurs die Stelle eines Repetitors in der Theresianischen Ritterakademie und trug zugleich auf der Universität an der philosophischen Facultät Aesthetik und Philologie vor. Im Jahre 1790 zum provisorischen Professor der genannten Fächer daselbst ermannt, wurde er im Jahre 1792 bereits wirklicher Professor. Bis zum Jahre 1807 trug er Philologie und Aesthetik vor, als aber im genannten Jahre die neue Studienreform eintrat, lehrte er nurmehr die Aesthetik allein und versah sein Lehramt bis wenige Wochen vor seinem Tode. Im Jahre 1808 wurde L. Doctor der Philosophie und 1814 Decan der philosophischen Facultät. Die von ihm erschienenen Schriften sind: „Gedichte“ (zweite Auflage, Wien 1814, Pichler, 8°.); – „Ueber Dichter und Dichtkunst unserer Zeit“ (ebd. 1817, Bauer, 8°.); – „Epistel über poetische Stümper und Stümpereien“ (ebd. 1817, Kaulfuß). Auch gab er in den Jahren 1802 und 1803 den „Wiener Musenalmanach“ (bei Heubner, gr. 12°.) heraus, der früher durch eine längere Reihe von Jahren von Ratschky und Blumauer redigirt, aber bereits seit 1788 nicht mehr erschienen war. Noch besorgte L. eine und zwar die beste Ausgabe des Archilochus, welche unter dem Titel: „Archilochi jambographorum principis reliquiae, quas accuratius collegit, adnotationibus virorum doctorum suisque animadversionibus illustravit etc. praemissa de vita et scriptis poetae commemoratione“ (zweite Auflage, Wien 1819). Dieses philologische Werk ist weitaus das bedeutendste, das L. auf schriftstellerischem Gebiete geleistet, wie er überhaupt ein sehr guter Philolog, aber ein geschmackloser Aesthetiker war, was er durch seine matte Polemik in der „Epistel über poetische Stümper und Stümpereien“ sattsam bewiesen hat. Es ist wohl nicht zu leugnen, sagt ein Zeitgenoß Liebl’s, daß er dem Dichtergeiste seiner Zeit und namentlich in Wien eine mehr classische Richtung zu geben suchte. Aber dieses löbliche Streben verunglückte durch den Weg, den er einschlug, auf dem Pedanterie und Unduldsamkeit gegen fremdartiges Ureigenes seine Wegweiser waren. Und nur aus dieser Befangenheit einer Pedanterie, die von dem Lichte des Genius geblendet, alle Anderen auch blind wissen will, ist es zu erklären, daß er das aufgehende Gestirn eines Grillparzer, als dessen Ahnfrau im Jahre 1816 in einer Weise durchschlug, wie [96] kein Stück vorher und lange kein zweites nachher, kopfschüttelnd, mißtrauisch, ja ungläubig betrachtete und ohne Verständniß für das Werk des Genius blieb.

Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1820, Intelligenzblatt Nr. 80, S. 320: „Nekrolog“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 425. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren, historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen u. s. w. (Wien, 1845, Fr. Beck, 8°.) II. Theil, S. 128: „Ein Souper“. – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1837, Bd. III, S. 1092. – Raßmann (Friedrich), Pantheon deutscher jetztlebender Dichter und in die Belletristik eingreifender Schriftsteller (Helmstedt 1823, C. G. Fleckeisen, 8°.) S. 197. – Goedeke (Karl), Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen (Dresden 1863, Ehlermann, 8°.) III. Band, S. 167, Nr. 283. – Als eines Curiosum sei noch eines Gedichtes von Deinhardstein an Liebel gedacht, das in der „Theater-Zeitung“ Bäuerle’s abgedruckt stand und dessen Akrostichon, eine Beschimpfung Liebl’s, erst nach einigen Tagen entdeckt wurde. Das Aufsehen und der Unwille über diese Perfidie Deinhardstein’s waren im Publicum, das sonst nicht auf Liebel’s Seite stand, ungemein groß. – Porträt. Unterschrift: Ignatius Liebl, Aestheticae et Historiae artium elegantiorum Professor P. O. Caes. Reg. in. Univers. (Vindobon. 1814, M. Pölzel (?) sc., 8°.). –