BLKÖ:Liechtenstein, Gallerie, Bibliothek, andere Sammlungen der

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 137. (Quelle)
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IV. Die Gallerie, Bibliothek und andere Sammlungen der Fürsten Liechtenstein. Der Gründer dieser an Kunstschätzen so reichen Gemäldesammlung ist der Fürst Johann Adam Andreas [s. d. S. 127, Nr. 32], der unter anderem den herrlichen Gemälde-Cyklus „Decius’ Tod“, von Rubens, für seine Gallerie erworben hat. Die späteren Fürsten, allen voran aber die Fürsten Joseph Wenzel und Franz Joseph, bereicherten bald mehr bald weniger diese kostbare Sammlung. Diese der öffentlichen Besichtigung preisgegebene Gallerie gehört zu den ersten Sehenswürdigkeiten der Residenzstadt Wien. Die Gemälde sind in dem eigens für diesen Zweck in der Vorstadt Rossau erbauten Palaste aufgestellt. Es bestehen zwei ältere Kataloge darüber, ein italienischer aus dem Jahre 1767 und ein französischer: „Description des tableaux et des pièces de sculpture que renferme la Gallerie de S. A. Francois Joseph, prince de Liechtenstein“ (Vienne 1780). Doch genügen beide der neueren Erwerbungen und veränderten Aufstellungen wegen nicht mehr. Andere spätere, aber viel kürzere Beschreibungen enthalten: Franz Heinrich Böckh’s „Wiens lebende Schriftsteller, Künstler und Dilettanten im Kunstfache. Dann Bücher-, Kunst- und Naturschätze u. s. w.“ (Wien 1821, B. Ph. Bauer, 8°.) S. 321; – das Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1817, S. 27; – die Wiener Zeitung 1861, Nr. 94, Abendblatt S. 374; – Wiens Kunstsachen oder Führer zu den Kunstschätzen Wiens (Wien 1856, L. W. Seidel, 8°.) S. 80 u. f. – Die Bibliothek, welche sich im fürstlichen Palais in der Herrengasse [138] befindet, zählt an 60.000 Bände. Sie ist Privatbibliothek und zur Benützung des Publicums nicht geöffnet. Sie enthält viele sogenannte erste Drucke (Incunabeln), ist reich in den Ausgaben der classischen Autoren in Geschichte, Kunst und Kriegskunst. Unter den Seltenheiten ist ein unter der Leitung des berühmten Anatomen und Physiologen Barth, von dem vortrefflichen Zeichner und Augenarzt Beer in Miniatur gemaltes Werk, welches die ganze Anatomie umfaßt. Auch sind zahlreiche kleine und große Prachtausgaben von Didot, Bodoni und anderen berühmten Buchdruckern, Prachtwerke zur Naturgeschichte, viele der sogenannten Musea, als Museum Florentinum, Pio-Clementinum u. s. w., vorhanden. – Die Mineralien-Sammlung enthält die von dem Fürsten Alois um 30.000 fl. angekaufte Sammlung des Grafen Kolowrat und dann eine große Menge von dem Fürsten selbst auf einer Reise nach Italien gesammelte Fossilien. Längere Zeit stand die werthvolle, an prächtigen Malachiten, reichen Golderzen, dunklen Rothgolderzen aus Joachimsthal und Hüttenberger Eisensteinen reiche Sammlung unter der Aufsicht des berühmten Mineralogen Mohs. Zugleich mit der Mineralien-Sammlung – und beide im fürstlichen Palais in der Herrengasse – ist eine Conchylien-Sammlung aufgestellt. Die Besichtigung der naturwissenschaftlichen Sammlungen findet nur gegen besondere Erlaubniß Statt.