BLKÖ:Lobkowitz, Joseph Franz Maximilian Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 345. (Quelle)
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Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz in der Wikipedia
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Lobkowitz, Joseph Franz Maximilian Fürst (General-Major, geb. 7. December 1772, gest. zu Wittingau 15. December 1816). Von der älteren fürstlichen Linie; ein Sohn des Fürsten Ferdinand Philipp Joseph aus dessen Ehe mit Maria Gabriele Herzogin von Savoyen-Carignan. Der Fürst war, als sein Vater (1784) starb, noch minderjährig. In dieser Zeit kam das Herzogthum Sagan mit Schlesien an Preußen, wurde mit kais. Hofdecrete vom 3. April 1786 aus dem Fideicommisse ausgeschieden und von der Vormundschaft des Fürsten um eine Million Gulden an den Herzog von Kurland verkauft. Zum Ersatze dafür übertrug Kaiser Joseph II. im nämlichen Jahre den Herzogstitel auf die zum Fürstenthume erhobene Herrschaft Raudnitz und der Fürst Joseph errichtete im Jahre 1806 mit kais. Consens vom 5. April 1803 ein Surrogat-Fideicommiß, bestehend aus den incorporirten Gütern Bečow und Patokreje, Mirešovic und dem Gute Rasič und noch drei anderen Gütern, welches mit 24. October 1805 bestätigt wurde. Als die Auflösung des deutschen Reiches und mit derselben die Mediatisirung so vieler regierender Häuser erfolgte, kamen die Fürsten von Lobkowitz in Anbetracht der gefürsteten Grafschaft Sternstein und der Herrschaft Waldthurm unter kön. bayerische Landesherrlichkeit. Fürst [346] Joseph Franz Max verkaufte nun beide Herrschaften an das königliche Haus um 700.000 fl., behielt sich jedoch den Titel eines gefürsteten Grafen von Sternstein, den die Lobkowitz noch immer führen, vor. In den Befreiungskriegen ergriff auch der Fürst, um ein edles Beispiel zu geben, die Waffen für Fürst und Vaterland; trat im Jahre 1808 selbst in das neu errichtete Saazer Landwehr-Bataillon und errichtete im folgenden Jahre ein eigenes Jäger-Bataillon. welches er auf eigene Kosten ausgerüstet ins Feld stellte. Im nämlichen Jahre erhielt er Generalsrang, wurde Kämmerer und bald darauf wirkl. geh. Rath. Wenn Miltner in der „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen, I. Abtheilung: Personenmünzen“, S. 307, von dem Fürsten meldet, daß er „Ritter des militärischen Maria Theresien-Ordens, Feldmarschall-Lieutenant, Oberst und Inhaber eines Chevauxlegers-Regiments und Hauptmann der adeligen Leibgarde“ gewesen, so verwechselt er den Fürsten Joseph Franz Max mit seinem, 1802 gestorbenen Vetter Joseph Maria Karl, von der jüngeren fürstlichen Linie, der, und nicht Fürst Joseph Franz Max, alle die vorangeführten Würden bekleidet hat. Der Fürst trat nach beendeten Freiheitskriegen zur Belohnung ausgezeichneter Soldaten aus dem Mannschaftsstande selbst einige Grundstücke ab, mit welchen diese betheilt wurden. In seinem Wesen wird der Fürst als Sonderling eigener Art geschildert. Er sah weder auf Rang noch Geburt, aber nur die er seines Zutrauens würdigte, durften sich melden lassen und wurden angenommen. Nie ging er in eine Versammlung und besuchte deßhalb auch die Hoffeste nicht. Besonders gern empfing er die Besuche bei Nachtzeit. Gegen zehn Uhr wurden die Fremden gemeldet. Nach zehn Uhr ließ er zwei Violinspieler seiner Capelle kommen, mit denen er bis zum Tagesanbruch Musik machte. Zuweilen ging er des Morgens um zwei Uhr aus und ließ sich dann von den Kapuzinern eine heilige Messe in ihrer Klosterkirche lesen. In seinem Zimmer, dem Fenster gegenüber, befand sich ein großer Spiegel so gestellt, daß er in demselben Alles sehen konnte, was auf der Straße vorging, ohne selbst gesehen zu werden. Aber nicht Neugierde war die Ursache, daß er oft Stundenlang vor demselben saß, sondern – Wohlthätigkeit. Er bemerkte so am besten die Armen, ohne daß sie ihn bemerkten. Dann ließ er ihnen nachgehen. Auf einen Wink von ihm wußte ein treuer Diener dann, was er zu thun hatte. Der Fürst bekam sehr viele Briefe, aber er las sie sehr selten und ließ sie auch nicht lesen. So lagen sie denn Jahre lang auf seinem Tische und Pulte, und es entstanden ganz befremdende Dinge, wenn nun nach Jahren die Antwort erfolgte. Er liebte die Jagd, aber niemals nahm er Gesellschaft mit, sondern jagte immer allein mit einem oder zwei Bedienten. Sein ausgesprochener Geschmack für die Einsamkeit machte, daß er oft mehrere Wochen keinen Menschen sah und annahm. Immer ließ er an seinem Palaste arbeiten und bauen, allein er bezahlte nicht gleich. Nach drei bis vier Jahren ließ er die Arbeiter kommen, zahlte ohne Abzug und erstattete noch die Zinsen bis auf den Tag der Zahlung. Der Fürst war (seit 2. August 1792) mit Karolina Fürstin von Schwarzenberg [S. 325, Nr. 32] vermält, aus welcher Ehe zwölf Kinder, sechs Knaben und sechs Mädchen, entstammen [vergl. die [347] Stammtafel]; der älteste noch lebende Sohn ist Fürst Ferdinand Joseph Johann [S. 321, Nr. 17], der gegenwärtige Chef der älteren fürstlichen Linie.

Taschenbuch für die vaterländische Geschichte. Herausgegeben[WS 1] von Jos. Freih. v. Hormayr (Stuttgart, Gebrüder Frankh). Neue Folge. I. Jahrg. (1830), S. 226. – Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) II. (als Fortsetzung des Hormayr’schen XXI.) Jahrg. (1830), S. 89. – Porträt. F. Oelenhainz p., C. Pfeiffer sc. 1799 (Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Herausgegegen.