BLKÖ:Looz-Corswarem, Wilhelm Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Loos (Bildhauer)
Band: 16 (1867), ab Seite: 30. (Quelle)
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Looz-Corswarem, Wilhelm Joseph Graf (k. k. Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. in den Niederlanden 7. Juli 1732, gest. zu Schloß Rheina 20. März 1803). Entstammt einem alten Hennegauischen Adelsgeschlechte, das aber im Jahre 1806 mediatisirt wurde. Zu Anbeginn des siebenjährigen Krieges trat er als Cornet in das damalige Regiment Lucchesi-Kürassiere. Schon im ersten Feldzuge, 1756, zeichnete er sich durch Muth und militärisches Talent aus und rückte in Folge dessen zum Hauptmann im Kolowrat’schen, nachmals reducirten Dragoner-Regimente vor. In den folgenden Feldzügen dieses Krieges that er sich bei Frankfurt an der Oder (Kunnersdorf), bei Liegnitz und Landshut hervor. In der Schlacht bei Kunnersdorf (12. August 1789) stand das Kolowrat’sche Dragoner-Regiment, in welchem L. damals bereits Hauptmann war, mit den Regimentern Liechtenstein- und Würtemberg-Dragoner auf dem linken Flügel der russischen Armee. Der erste Angriff der Preußen geschah mit solcher Heftigkeit, daß die österreichische Cavallerie in Unordnung gerieth und zurückgeworfen wurde. Da sprengte Looz unter die Flüchtigen, hielt wo er konnte dieselben auf und sammelte sie um sich; auf diese Weise hatte er thatsächlich an 200 Dragoner von den verschiedenen Regimentern zusammengebracht. Unterdessen hatten sich aber die preußischen Huszaren und Kürassiere auf die russische Infanterie geworfen. das Regiment des Obersten Schilling umringt und waren an einigen Punkten bereits in dasselbe eingedrungen. In diesem entscheidenden Augenblicke eilte L. mit den eben gesammelten Reitern herbei und hieb auf die vielfach überlegene feindliche Reiterei ein. Aber die feindliche Uebermacht war zu groß und als L. gar das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, schienen seine Reiter Miene zum Rückzuge zu machen. Schnell aber sprang L. auf das ledige Pferd eines Dragoners, stand wieder an der Spitze der Seinen, sammelte und ermunterte sie von Neuem und unternahm einen zweiten Angriff, dem die Preußen nicht länger widerstanden und die nun vollends zurückgeworfen wurden. Das russische Regiment aber, welches schon für verloren galt, war durch diese Heldenthat gerettet. Nachdem dieser Angriff gelungen war, gab sich L. noch nicht zufrieden. Mit der Gegend von Kunnersdorf genau bekannt, vermuthete er ganz richtig, nach welcher Seite hin die feindliche Artillerie den Rückzug nehmen würde. L. nahm nun rasch einige Dragoner, schnitt mit denselben den Zug in den Defiléen ab, griff die feindliche [31] Cavalleriebedeckung an und schlug sie in die Flucht; auf diese Weise gerieth ein großer Theil des preußischen Artillerieparkes in die Gewalt der Russen. Eine nicht minder schöne Waffenthat vollführte er im fünften Feldzuge in der Schlacht bei Landshut (23. Juni 1760). Zuerst hieb er mit seiner Schwadron in ein preußisches Regiment ein, zersprengte und vernichtete es dann gänzlich und eroberte mit eigener Hand die silbernen Pauken des aufgeriebenen Regiments. Später, aber am nämlichen Tage, tiraillirte er mit seinen ganz in eine Plänklerkette aufgelösten Dragonern rechts von einer preußischen Colonne, welche aus vier Bataillonen bestand und sich langsam zurückzog. Links von dieser Colonne eilten vier Grenadier-Compagnien herbei, um die Preußen anzugreifen. Diese Vorrückung der Grenadiere geschah in der Tiefe und wurde, da die Führer nicht wußten, auf welchem Punkte die Preußen am besten anzugreifen waren, mit Schwanken und Unsicherheit ausgeführt. Als Looz dieß gewahr wurde, eilte er ganz allein um die feindlichen Bataillone herum zu den Grenadieren, zeigte ihnen die Marschrichtung, um auf die Mitte des Feindes zu treffen, sprengte dann zu seinen Leuten zurück, sammelte davon so viele als ihm möglich war und attaquirte die Preußen in demselben Augenblicke, als unsere Grenadiere auf der Höhe erschienen. Die Preußen machten Halt und empfingen auf beiden Seiten die angreifenden Oesterreicher mit einer General-Decharge. Nun schwenkten die Grenadiere ihre Gewehre um, zogen die Säbel und brachen in das Centrum der Preußen, während Looz mit seinen Dragonern in das Pilanische Bataillon eingedrungen war und mit eigener Hand eine Fahne eroberte. Die bestürzten preußischen Bataillone warfen die Gewehre weg und gaben sich gefangen. Indem der Graf für sein ausgezeichnetes Verhalten schon im Jahre 1761 von der Kaiserin außer der Tour zum Major befördert worden war, wurde er noch in Anerkennung seiner Waffenthaten in der 7. Promotion (vom 30. April 1762) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. L. blieb bis zur Beendigung des Krieges in Activität, nach dem Hubertsburger Frieden (15. Februar 1763) verließ er aber die Militärdienste, zog sich auf sein Gut Ellenhausen in Hessen zurück, wo er noch vier Decennien verlebte. Die neue militärische Zeitschrift, welche aus Originalacten die oberwähnten Waffenthaten des Grafen berichtet, bemerkt auch, „daß ihn Loudon mit seiner Freundschaft beehrte“.

Neue militärische Zeitschrift (Wien, Strauß, 8°.) Jahrg. 1811, Bd. III, Heft 8, S. 76: „Kriegsscenen, Nr. VI“. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 147 u. 1730.