BLKÖ:Mechitar de Petro

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 224. (Quelle)
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Mechitar de Petro (Stifter der Mechitaristen-Congregation, geb. zu Sebaste in Kleinarmenien im Jahre 1676, gest. auf der Insel San Lazzaro in Venedig 27. April 1749). Mechitar, eigentlich Mekhitar, was so viel bedeutet als Tröster, ist der Klostername, denn in der Taufe erhielt er den Namen Manutius. In jungen Jahren trat M. in seiner Vaterstadt in das Kloster zum heiligen Kreuz, wurde im Jahre 1691 Diacon und im Jahre 1696 zum Priester geweiht. Er studirte auf das Eifrigste die h. Schrift, die griechischen und lateinischen Kirchenväter. Um seine Kenntnisse zu bereichern, reiste er nach Ekmiazin, wo sich das armenische Patriarchat befand. Nach längerem Aufenthalte daselbst kehrte er nach Sebaste zurück, blieb aber über Zureden des Superiors des bei Erzerum befindlichen Klosters Basena durch mehrere Monate in demselben und ertheilte dort den jüngeren Zöglingen Unterricht in der schönen Literatur. In Erzerum lernte er auch einen reichen Armenier kennen, der eben erst von Rom gekommen war und in M. lebhaft das Verlangen erregte, die ewige Stadt zu besuchen. Im Hause dieses Armeniers fand er auch Gelegenheit, die Werke des P. Clemens Galanus zu lesen. Die darin enthaltenen Angriffe auf die armenische Kirche und ihre Bekenner mögen zunächst in M. den Gedanken wach gerufen haben, einen Orden zu stiften, dessen Aufgabe es sein sollte, seine Landsleute in den Wissenschaften und in nützlichen Kenntnissen zu unterrichten, und auf diese Weise die gegen sein Volk in Umlauf gesetzten Verläumdungen und Entstellungen zu entkräften, dabei würde durch die kirchliche Erziehung zugleich ein gelehrter der armenischen Verhältnisse völlig kundiger Clerus gebildet, welcher zunächst berufen wäre, die zügellose Frechheit der Parteigänger und Schüler des neapolitanischen Missionärs in ihre Schranken zu weisen[1]. Aus Erzerum kehrte M. im Jahre 1693 in sein Kloster nach Sebaste zurück, in welchem er seine ernsten Studien fortsetzte und heilige[225] Dichtungen und Hymnen schrieb, die noch heut zu Tage in armenischen Kirchen gesungen werden. Da unterbrach ihn ein schweres Augenleiden für längere Zeit in seinen Studien. Von demselben genesen, bereitete er sich zu einer Reise nach Europa und wollte auf dieser zunächst Rom besuchen. Als er aber auf der Reise durch einen Fluß ritt, gerieth er in Lebensgefahr, verlor sein Gepäcke und seine sämmtlichen Schriften. In Aleppo lernte er einen französischen Jesuiten kennen, dem er seinen Wunsch, nach Rom zu reisen, mittheilte, um dort sein Vorhaben, die armenische Kirche mit der römisch-katholischen vollständig auszugleichen, auszuführen. Der Jesuit, nachdem er den jungen Armenier näher kennen gelernt, und in ihm einen Mann erkannt harte, der durch Kenntnisse und Willenskraft seinem Plane vollkommen gewachsen war, versah ihn mit Empfehlungsbriefen, die ihm bei den maßgebenden Personen in Rom eine freundliche und seine Zwecke fördernde Aufnahme sichern sollten. Auf seiner Weiterreise wurde M. auf der Insel Cypern von einer so schweren Krankheit befallen, daß er, kaum halbwegs hergestellt, die Fortsetzung seiner Reise aufgeben und vorderhand nach Sebaste zurückkehren mußte. Dort fand er bei den Eltern, die den schon Todtgeglaubten auf das Freudigste empfingen, die erforderliche Pflege, und nachdem er vollständig genesen, begab er sich in sein Kloster zum h. Kreuz. In dieser Zeit beendete er ein Werk über die Sprichwörter Salomon’s, das ihm aber ein neidischer Mönch stahl und den Flammen übergab. Als er im Jahre 1696 die h. Weihen erlangt hatte, beschloß er, zunächst nach Constantinopel zu reisen, um dort Anhänger für seine Kirche zu werben. Auf der Reise hielt er sich in Trebisond, Araglia, Sinope und in anderen Ortschaften und Städten auf, kam dann nach Erzerum und Basena, wo ihm seine öffentlichen Vorträge viele Anhänger gewannen. Im Jahre 1699 erlangte er den Doctorstab und den Titel eines Varsabed, was so viel als einen Doctor der Theologie bedeutet. Endlich im Jahre 1700 ließ er sich bleibend in Constantinopel nieder und schlug zuerst in Galata, zunächst der Kirche des h. Gregor, seinen Wohnsitz auf. Bald verbreitete sich der Ruf seiner glänzenden Beredsamkeit und täglich mehrte sich die Zahl seiner Anhänger. Schon wurde der Andrang derselben bedenklich, und um Tumulte zu vermeiden, nahm er die jüngeren Zöglinge auf seinen Zügen durch das Land mit, die Priester aber entsendete er nach Armenien, damit sie in den Städten der ausgedehnten Provinz den des Beistandes der Kirche bedürftigen Gläubigen mit geistigem Troste und Rathe beistehen sollten. Trotz dieser Maßregeln, durch welche seine Anhänger zerstreut wurden, mehrte sich die Zahl seiner Zöglinge mit jedem Tage. Schon reichten die Räume in Galata nicht mehr aus und er übersiedelte in ein größeres Haus nach Pera, und gab vor, die Zöglinge, die er mit sich führte, in der Buchbinderei zu unterrichten. Ungeachtet dieser durch die politischen Verhältnisse gebotenen Vorsicht wuchs doch der Argwohn gegen ihn und seinen Anhang, und es kam zur öffentlichen Verfolgung. Flucht war nöthig geworden, und dann galt es, einen sicheren Zufluchtsort zu finden. M. selbst stellte sich mittlerweile unter den Schutz der französischen Gesandtschaft, dann berief er die in Armenien zerstreuten Sendboten seiner Gesellschaft, um mit ihnen zu [226] berathen, wohin man übersiedeln sollte. Man entschied sich für Morea, welches damals unter der Herrschaft der Venetianer stand. M. wurde zum Superior der dort zu bildenden Congregation gewählt. Dort wurden auch als Siegel des wachsenden religiösen Ordens die vier Anfangsbuchstaben der armenischen Worte Uortachir Gussìn, Vartabèd Abascharutiàn erwählt, welche so viel bedeuten als: Adoptivsohn der Jungfrau, Prediger der Reue. Mit Einschluß des Stifters Mechitar bestand die Congregation aus zehn Mitgliedern. Als mittlerweile die Verfolgungen immer bedenklicher und drohender wurden, entsendete er zuerst einen Theil der Seinen nach Morea, während er selbst in der Verkleidung eines Kaufmanns nach Smyrna sich begab, von dort nach Zante schiffte und endlich Morea erreichte. Daselbst wurde ihm und den Seinen von den Venetianern ein freundlicher Empfang, man räumte ihm in Morea Grund und Boden zur Errichtung einer Kirche und eines Klosters ein und wies ihm zur Bestreitung des Unterhaltes für ihn und die Seinen die Einkünfte zweier Ortschaften zu. Im Jahre 1708 wurde in feierlicher Weise der Grundstein dieser neuen Niederlassung gelegt. Indessen sendete M. zwei von seiner Congregation mit dem Plane und den Tendenzen derselben nach Rom. Die Ordensregel des h. Benedict war die Grundlage seines Ordens. Papst Clemens XI. genehmigte die Regel und übertrug an Mechitar und alle seine rechtmäßigen Nachfolger die Würde eines Generalabtes seines Ordens. Kaum aber war das Werk so weit gediehen, als der zwischen den Venetianern und Türken entbrannte Krieg die ganze Ansiedlung auflöste. Acht Jahre hatte M. in Morea gewirkt, als er nun mit seinen Mönchen vor den Türken zu fliehen genöthigt worden war. Nun war Venedig das Ziel seiner Reise. Im Mai 1715 betrat sein Fuß venetianisches Gebiet und zuerst ließ er sich in einem Hause zunächst bei der Kirche des h. Martin nieder. Dort wartete er ab, was die venetianische Regierung über ihn und die Seinigen beschließen würde. Im Jahre 1717 räumte ihm die Republik die bei Venedig befindliche Insel St. Lazarus als bleibende Wohnstätte seiner Congregation ein. Mit Hilfe reicher Gaben seiner Landsleute ward er bald in die Lage gesetzt, ein Kloster zu erbauen. Die gehässigen Angriffe seiner Gegner, die in ihren Verfolgungen nicht ruhten, veranlaßten ihn nun, selbst Rom zu besuchen, wo er mit Kraft und Würde die Verläumdungen bekämpfte und für seine Ordensbrüder einstand. Endlich war es seinen Bemühungen gelungen, die Angriffe seiner Feinde zu entkräften und zugleich vom heiligen Stuhle die wichtige Erlaubniß zu erwirken, so oft es das Bedürfniß der Völker erfordere, seine Missionen nach dem Orient zu entsenden, um dort für die geistige und wissenschaftliche Ausbildung des armenischen Volkes mit allem Nachdruck zu wirken. Von Rom nach Venedig zurückgekehrt, war nun sein Augenmerk vornehmlich darauf gerichtet, durch zweckmäßige innere Einrichtungen seine Congregation zu kräftigen. In wenigen Jahren waren die durch ihre Einfachheit in der inneren Einrichtung bemerkenswerthen Bauten vollendet. Dann legte er zur Förderung seiner Zwecke eine Druckerei an, welche sich ebenso mit der Herausgabe unedirter älterer armenischer Werke, wie der Schriften lebender armenischer Autoren beschäftigte. Was innerhalb eines und eines halben Jahrhunderts von dieser energischen Congregation [227] in ihrer armenischen Druckerei auf der Insel St. Lazzarus geleistet worden, davon gibt einen übersichtlichen Begriff der unter dem Titel: „Catalogue des livres de l’imprimerie arménienne de Saint Lazare (Venise 1858, 32 S. kl. 8°.) erschienene Katalog, der nicht weniger als ein halbes Tausend Verlagswerke, darunter großartige Originalwerke, wie die Uebersetzungen classischer Autoren aller Völker, aufweist, und die „Oesterreichischen Blätter für Literatur und Kunst“ (Beilage der österr. kais. Wiener Zeitung 1854, Nr. 7) geben in dem Aufsatze „Literarische Thätigkeit der Mechitaristen-Congregation zum h. Lazarus in Venedig“ eine allgemeine Uebersicht des wissenschaftlichen Geistes und Charakters dieser Schriften. Eine nicht minder umfangreiche Filiale bildet die Druckerei der Mechitaristen-Congregation in Wien. In rastloser und energischer Weise war M. für die Festigung seiner Congregation, die sich unter seiner Leitung immer blühender und segensvoller entwickelte, thätig. Die Muße seines Hirtenamtes widmete er der Bearbeitung theologischer Werke, deren mehrere im Drucke erschienen sind. Unter Mechitar’s schriftstellerischen Arbeiten sind anzuführen: ein „Commentar des Evangeliums des h. Matthäus“ (1737); – ein „Wörterbuch der armenischen Schriftsprache“, in zwei Quartbänden (1749–1769), nach dem Muster des italienischen della Crusca ausgeführt, ein schon höchst seltenes und sehr gesuchtes Werk; – eine „Uebersetzung der Theologie des Thomas Aquinos“; – des Werkes von der Nachfolge Christi, und dann mehrere andere Uebersetzungen classischer Werke aus dem Griechischen und Lateinischen, und mehrere Andachtsschriften, die bereits in vielen Auflagen wiederausgegeben wurden. Auch veranstaltete er die Folioausgabe der armenischen Bibel, welche mit vielen Kupfern ausgestattet und mit großer Correctheit gedruckt ist. In solcher Thätigkeit, welche seinem Orden einen festen Grund gelegt, erreichte M. das hohe Alter von 73 – nicht wie es in der „Oesterreichischen Encyklopädie heißt, von 83 – Jahren, seinem Nachfolger die Ueberwachung und Leitung der weiteren Ausbildung überlassend. In der That begründete auch Mechitar’s Nachfolger Adeodat Babik [Bd. I, S. 106] eine Zweig-Congregation in Triest, welche im Jahre 1773 in’s Leben trat, und nachdem sie im Jahre 1810 von den Franzosen aus Triest war vertrieben worden, in Wien gastliche Aufnahme fand, wo sie noch heut besteht und in segensreicher Weise thätig ist. Vergleiche das Nähere in der Biographie des Generalabtes Aristaces Azaria [im I. Bande dieses Lexikons, S. 99).

Vita del servo di Dio Mechitar, fondatore dell’ordine de monachi benedettini, detti mechitaristi (Venezia 1846, 16°., mit Bildniß). – Hurter (Friedrich von), Aus dem Leben des hochwürdigsten Herrn Aristaces Azaria (Wien 1855, Mechitaristen-Druckerei, 8°.) [an mehreren Stellen dieser Biographie]. – Catalogue des livres de l’imprimerie armenienne de Saint Lazare (Venise 1858, 8°.) p. 21. – Neumann, Geschichte der armenischen Literatur u. s. w. (Leipzig 1836, 8°.). – Boué, Le convent de St. Lazare à Venise ou histoire succincte do l’ordre de Méchitaristes armeniens (Paris 1837). – Schmidl (Adolph), Oesterreichische Blätter für Literatur, Kunst u. s. w. (Wien, 4°.) 1844, Nr. 59, S. 465. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 618 [nach dieser geb. im Jahre 1676, gest. am 16. April 1749]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XX, S. 1161 [nach diesem gest. 16. April 1749]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, [228] sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et seq., 8°.) Tome XXXIV, p. 786 [nach dieser geb. 7. Februar 1676, gest. 29. April 1749]. – Blahověst. Hlasy katolické, d, i. der Evangelist. Katholische Stimmen. Redigirt von Franz Srdínko (Prag, 8°.) XIII. Jahrgang (1863), Nr. 3, S. 34: „Mechitar a řehole jeho“, d i. Mechitar und der von ihm gestiftete Orden. – Nach Oettinger’s „Bibliographie biographique“ (Bruxelles 1854, Stiènon, Lex. 8°.) Sp. 1176, ist Mechitar am 7. Februar 1676 geboren, am 19. April 1749 gestorben.

  1. Das Werk des Pater Galanus, welches die Angriffe auf die armenische Kirche enthält, führt den Titel: „Conciliatio ecclesiae armenae cum ecclesia romana“ und erregte gerechte Entrüstung unter den Armeniern. In einem Schreiben Mechitar’s aus jener Zeit heißt es: „Voglia il cielo che ci sia fatto di stabilire una Congregazione perpetua, il cui perenne scopo sia la coltura di tutte le necessarie ed utili scienze ed il progetto finale sia l’ajutare la nostra nazione negli spirituali bisogni“.