BLKÖ:Mederitsch (Gallus), Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Medgyes, Ludwig
Band: 17 (1867), ab Seite: 242. (Quelle)
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Mederitsch, Johann, auch Gallus genannt (Tonsetzer, geb. in Böhmen um das Jahr 1765, Todesjahr unbekannt). Der Sohn eines Organisten; die erste musikalische Ausbildung erhielt er von seinem Vater, später in Prag. Zur Vollendung seiner Kunststudien begab er sich nach Wien. Im Jahre 1794 war er Musikdirector in Ofen, wo er jedoch nur kurze Zeit sich aufgehalten haben mag, denn im Jahre 1796 befand er sich schon wieder in Wien, wo er am ersten Acte seiner Oper: „Die Pyramiden Babylons“ arbeitete. M., über dessen Lebensumstände nur die vorstehenden sehr lückenhaften Nachrichten bekannt sind, war zu Ende des achtzehnten und zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ein beliebter Componist und hatte auch als Clavierspieler einen guten Namen. Er hat mehrere Operetten geschrieben, die in Wien mit Beifall aufgeführt wurden, und zwar: „Der Schlosser“, im Jahre 1783, – „Der Seefahrer“, – „Die Rekruten“, beide im Jahre 1794 gegeben; – „Der letzte Rausch“, Operette in zwei Acten; – „Macbeth“; – „Die Pyramiden Babylons“, oder „Der zweite Theil der Zauberflöte“. Erster Act. Den zweiten Act componirte Winter. Die Oper wurde am 23. October 1797 zum ersten Male auf dem Schikaneder’schen Theater in Wien gegeben, und Mederitsch’s erster wie Winter’s zweiter Act zusammen erschienen im Clavierauszuge im Stiche zu Wien im Jahre 1798, im nämlichen Jahre noch bei André in Leipzig. Gerber zählt noch mehrere seiner im Stiche erschienenen Compositionen, darunter Sonaten, Quintetten, Variationen, Trio’s, Concerte u. dgl. m. auf. Auch hat er Mehreres in Handschrift hinterlassen, darunter Kirchensachen, als: ein Stabat mater à 4 voci con stromenti; – eine Missa solennis in D à 4 voci con stromenti – und eine Missa in C, Kyrie und Gloria. Die erste Composition, die von ihm im Stiche erschienen ist, sind sechs Violinquartetten, die schon im Jahre 1785 herausgekommen sind.

Mederitsch erscheint unter verschiedenartiger Benennung, und zwar wie schon oben erwähnt, als Gallus, dann wieder als Medritsch, Meteritsch, Medřič (čechische Schreibweise) und Metoritsch; seine eigene Schreibweise ist Mederitsch; als Gallus erscheint er auf seinen Compositionen, so z. B. mit Winter zusammen auf dem Clavierauszuge der Oper: „Die Pyramiden von Babylon“. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, J. G. I. Breitkopf, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 469, unter dem Namen Gallus. – Derselbe, Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 377. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden, R. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 927. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XX, S. 1196. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, gr. 8°.) S. 599.