BLKÖ:Moller, Daniel Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mollik, Tobias
Band: 19 (1868), ab Seite: 16. (Quelle)
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Noch ist des Oheims des obigen Karl Otto, des Preßburgers Daniel Wilhelm, eines durch seine großen Reisen und zahlreichen Schriften bemerkenswerthen Gelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts zu gedenken.

Daniel Wilhelm Moller (geb. zu Preßburg 26. Mai 1642, gest. zu Altdorf 25. Februar 1712), ist ein Oheim väterlicher Seits des als Arzt und Humanist gleich ausgezeichneten Karl Otto M., dessen Lebensskizze oben mitgetheilt worden. Schon Daniel Wilhelm’s Vater Otto war aus Sonderburg-Lineburg ausgewandert und hatte sich als Juwelier und Goldschmied in Preßburg niedergelassen, wo er eine Oesterreicherin Namens Rebekka Berghammer ehelichte. Otto ließ seinen Sohn Daniel Wilhelm für die gelehrte Laufbahn erziehen. Als die Pest auch Ungarn heimsuchte, schickte ihn der Vater nach Trencsin, wo er die Studien fortsetzte, sich aber dort zu gleicher Zeit die slavische Sprache aneignete. Nach jahrlangem Aufenthalte kehrte er nach Preßburg zurück. Von dort ging er in einiger Zeit nach Leipzig, dann nach Wittenberg, wo er sich in seinem Drange, fremde Länder zu sehen, an die sächsische Gesandtschaft anschloß, welche eben bestimmt war, nach Dänemark zu gehen. So kam er nach Kopenhagen, das er nach mehrwöchentlichem Aufenthalte wieder verließ, um nach Wittenberg zurückzukehren, wo er mit einem Feuereifer ohne Gleichen hintereinander philosophischen, theologischen, staatswissenschaftlichen und zuletzt medicinischen Studien oblag. Nun unternahm er eine größere Reise durch Deutschland, auf welcher er die bedeutenderen Städte besuchte, von dort nach Holland und England, überall sein umfassendes Wissen durch eigene Anschauungen bereichernd. Gleiche Reiselust trieb ihn nach Frankreich, wo er längere Zeit in Paris blieb, und als die Nachricht von einer neuen Papstwahl sich verbreitete, nach Italien, wo er im Jahre 1667 eben noch [17] zeitlich genug in Rom ankam, um der Wahl Clemens’ IX. beizuwohnen, In Rom gelang es ihm, eine Audienz bei dem Papste zu erhalten, dann reiste er nach Neapel und kehrte auf einem großen Umwege, aus dem er noch nicht gesehene italienische und deutsche Städte besuchte, im November 1670 in seine Vaterstadt Preßburg zurück. So hatte M., noch nicht volle 28 Jahre alt, in einer Zeit, in welcher das Reisen seiner Langsamkeit und des Aufenthaltes in den bedeutenderen Städten wegen schwierig war, aber auch eine nicht unwesentliche Ergänzung des Schulunterrichtes bildete, den größeren Theil des europäischen Continents gesehen. Als er in Preßburg nicht sogleich eine angemessene Stellung fand, ging er wieder auf Reisen, und dießmal war es sein eigenes Vaterland, das er näher kennen lernte und dessen Festungen Neuhäusel, Raab, Komorn, dann die Bergstädte Kremnitz, Schemnitz und Neusohl besuchte. Nach seiner Rückkehr trat er den mittlerweile ledig gewordenen Posten eines Conrectors am evangelischen Gymnasium in Preßburg an. Ein Jahr lang versah Moller diese Stelle, als die Verfolgungen der Protestanten in Ungarn begannen. Schon hatte sich Moller eines solchen Ansehens unter seinen Preßburger Mitbürgern zu erfreuen, daß ihn diese einstimmig zu ihrem Abgesandten in Religionsangelegenheiten an den kaiserlichen Hof erwählten. M. unterzog sich dieser Aufgabe, und es gelang ihm auch, während seines mehrmonatlichen Aufenthaltes in Wien einige Audienzen bei Kaiser Leopold I. zu erlangen. Wie freundlich auch immer Moller’s Aufnahme bei dem Monarchen war, den heimlichen und mächtigen Umtrieben der Jesuiten in seinem Vaterlande konnte er doch nicht begegnen, und die Verfolgungen der Akatholiken in Ungarn nahmen endlich so überhand, daß Moller selbst sich nicht mehr für gesichert hielt und sich durch eilige Flucht über Mähren und Böhmen nach Nürnberg rettete. Dieß geschah im Jahre 1672. Von dieser Zeit lebte M. fern von seinem Vaterlande, dem er aus fremden Landen seinen Ruhm, erworben durch seine Gelehrsamkeit und sein umfassendes wissenschaftliches Wirken, als ein unvergängliches Geschenk zurücksandte. Nach fruchtlosen Bemühungen, in Nürnberg eine passende Stelle zu erlangen, ging er nach Frankfurt, wo er, über Verwendung seines Freundes Philipp Jacob Spener, Hofprediger des Fürsten von Birkenfeld wurde. In einiger Zeit aber erhielt er durch den Einfluß der Grafen Band 57, 49 Gottlieb von Windischgrätz und Rudolph von Sinzendorf die Professur der Geschichte und Metaphysik an der berühmten Hochschule in Altdorf, die er im Jahre 1674 antrat und bis an sein Lebensende bekleidete. Die Zahl seiner Schriften ist ungemein groß, sie umfaßt, wie Clemens Alois Baader in seinem „Lexikon verstorbener bairischer Schriftsteller des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts“ (Augsburg und Leipzig 1825, Jenisch- und Stage’sche Buchhandlung, 8°.). Zweiten Bandes erster Theil, S. 201–205, sie aufzählt, nicht weniger denn 163 Nummern. Sie hier wieder aufzuzählen, liegt ganz außer dem Bereiche dieses Werkes, weßhalb für Jene, die sich mit den einzelnen Titeln derselben vertraut machen wollen, auf obbenannte Quelle hingewiesen wird. Hingegen folgen gleich unten die Titel der wichtigeren, vornehmlich aber jener auf sein Vaterland Ungarn, oder auf Oesterreich selbst bezüglichen. Dabei sei bemerkt, daß M. mehrere Schriften unter verschiedenen Pseudonymen, als Ausonius Morelli, Dominikus Romelli, Chr. Weghold, Des. Ollemiri, Guil. du Val und Reimundus Reimandus, herausgab. Die oberwähnten Schriften Moller’s sind: „De Bohemico nihilo alchymistico“ (Collon 1667, 12°.), unter dem Namen Dominicus Romelli; – „Meditatio de insectis quibusdam Hungaricis prodigiosis, anno praeterito (1672) ex aere unacum nive in agros delapsis“ (ibid. 1673, 4°.); – „Reimundi Reimandi Preßburger Kirchen- und Schulen-Verlust“ (ebd. 1673, 4°.), steht auch im „Theatrum Europaeum“; – „Indiculus Medicorum philologorum ex Germania oriundorum“ (Altd. 1691, 4°.); – „De Monachorum origine, incremento et decremento“ (1700); – „De quatuor Evangelistis“; – „De Transilvania“; – „De statuis loquentibus“; – „De manuloquio“; – „De oculiloquio“; – „De pediloquio“; – „De Technophysiotameis“ (1704); – „De expeditionibus cruciatis“ (1709); – „De titulo Rex Regum“ (ibid. 1709); – aus einer Sammlung von fünfzig Disputationen über die vornehmsten Autoren des classischen Alterthums und des Mittelalters, welche als seine beste Arbeit bezeichnet werden und ungemein selten sind: De B. Platina, – De abbate Urspergensi, – De Franc. Hottomanno, – De Barn. Brissonio, – De Jo. Carione, [18] – De Onuphrio Panvinio, – De Jo. Sleidano, – De Jo. Nauclero, – De Jo. Politiano, – De Jo. Aventino, – De M. A. Coccio Sabellico, – De Ant. Bonfinio und in Willii Mus. Norimb., p. 281 et s.: „Dissertatio de Corona Hungarica“. Auch soll M. an einer Geschichte des Kaisers Rudolph II. gearbeitet haben, jedoch in deren Vollendung durch den Tod unterbrochen worden sein. Im Jahre 1693 machte ihn Kaiser Leopold zum kais. Hof- und Pfalzgrafen, welche Würde auch den komischen Mißgriff der von Dr. Hoefer redigirten „Nouvelle Biographie générale“, Tome XXXV, p. 905, die ihn Daniel Guillaume comte Moller nennt, veranlaßt haben mag. Ueberdieß bekleidete Moller in Altdorf auch noch die Stelle eines Universitäts-Bibliothekars. Schließlich sei hier bemerkt, daß Veszprémi in seiner „Succincta medicorum Hungariae et Transilvaniae Historia“, Centuria tertia, Decas I et II, tomus quartus, p. 201, unter Daniel Wilhelm M.’s Schriften irrthümlich auch die Schrift: „Positiones de Arnaldia, peculiari morbi specie“ aufführt, deren Verfasser sein bereits S. 14 erwähnter Neffe Karl Otto M. ist. Moller war zweimal vermält, zuerst seit 1685 mit Anna Sibylla Braun, welche aber bereits im Jahre 1691 kinderlos starb, dann aber, seit 1692, mit Helena Sibylla Wagenseil, der einzigen Tochter des berühmten Professors Johann Christoph Wagenseil, welche selbst unter den gelehrten Frauen ihrer Zeit eine ehrenvolle Stelle einnimmt und als Moller’s Witwe im Jahre 1736 starb. Moller selbst starb im Alter von 70 Jahren. [Memoria Molleriana a patronis collegis amicis etc. variis scriptis in locis celebrata, scilicet: Christophori Sonntag, Concio funebris germanica cum curriculo vitae; Franz Samuel Reimer, Sermo funebris germanicus; Christian Gottlieb Schwarz, Programma funebre; designatio scriptorum a D. G. Mollero editorum; Johann David Koeler, Oratio in ejusdem memoriam et Epicedia variorum (Altd. 1713, Fol.). – Apinus, Vitae Professorum Philos. (Altd. 1728). – Czwittinger, Spec. Hungariae literariae. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, A. Loewe, 8°.) Tomus II, p. 628–648. – Ungarischer Plutarch oder Biographien merkwürdiger Personen des Königreichs Ungarn. Aus authentischen Quellen geschöpft und ... dargestellt von Carl Vincenz Kölesy und Jakob Melzer (Pesth 1815, Eggenberger, 8°.) Bd. I, S. 221 u. f. – Porträte. 1) C. J. Lang p., G. C. Eimmart sc. (4°.) – 2) Chr. Weigel fec. (Schwarzk., Fol.).]