BLKÖ:Moller, Karl Otto

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moll von Modrzelicz
Band: 19 (1868), ab Seite: 14. (Quelle)
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Moller, Karl Otto (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Preßburg 16. Jänner 1670, gest. zu Neusohl 9. April 1747). In seiner Vaterstadt Preßburg lag er den Studien ob, bis ihn die durch Tököly in Ungarn verursachten Unruhen veranlaßten, im Auslande seine wissenschaftliche Ausbildung zu vollenden. So begab er sich denn im Jahre 1686 über Einladung seines Oheims väterlicher Seits, Daniel Wilhelm Moller, der an der berühmten Hochschule zu Altdorf die Stelle eines Professors der Geschichte und Metaphysik bekleidete, nach Altdorf, wo er durch vier Jahre Medicin studirte und im Jahre 1696 daraus die Doctorwürde erlangte. Nun kehrte er in sein Vaterland zurück, wo er zuerst in Preßburg seine Praxis auszuüben begann, aber schon im Jahre 1703 nach Neusohl bleibend übersiedelte. Als im genannten Jahre Franz Rakotzy in Ungarn sich erhob, wurde Moller als Arzt in seinem Heere angestellt und erlangte, nachdem er sieben Jahre diese Stelle bekleidet, durch seine Geschicklichkeit bald im ganzen Lande einen so ausgezeichneten Ruf, daß der ungarische Adel nur von ihm behandelt sein wollte. Zugleich aber war Moller bemüht, einen tüchtigen Nachwuchs zu bilden, und ertheilte jungen Leuten zu [15] Hause Unterricht in seiner Wissenschaft, in der sich zu vervollkommnen, Moller’s ausgebreitete Praxis ihnen genügende Gelegenheit bot. Aber nicht nur Unterricht ertheilte er ihnen, sondern er unterstützte sie auch sonst noch, gab ihnen die Mittel an die Hand, auswärtige Lehranstalten zu besuchen und daselbst die Studien fortzusetzen, und so gingen aus seiner Schule und von ihm unterstützt, Männer wie Mathias Belius [Bd. I, S. 235], Daniel Haynóczi [Bd. VIII, S. 162], Mathias Institoris [Bd. X, S. 213, Qu. Nr. 4], Andreas Herman [Bd. VIII. S. 378], Knogler, Perlitzi, Severini, Simonides u. A., einige davon tüchtige Aerzte, andere wieder ausgezeichnete Humanisten, hervor. Zweimal des Jahres bereiste er die großen Bäder Ungarns, theils um ihre Wirkungen in Krankheitsfällen zu studiren, theils um Leidenden durch seinen ärztlichen Rath hilfreich beizustehen. Sein Ruhm als Arzt veranlaßte auch seine Berufung an den kaiserlichen Hof, als die Kaiserin Elisabeth schwer krank darniederlag, welche Auszeichnung, wie sein Biograph Veszprémi berichtet, leicht den Neid der übrigen kaiserlichen Leibärzte zu erwecken im Stande war. M. wurde zum Comitatsarzte der Sohler und Thuroczer Gespanschaft ernannt, wurde dann Stadtphysicus von Neusohl, wo er seinen bleibenden Wohnsitz gewählt, und auch als Stadtrath und Bürgermeister, welche Würde er etliche Male bekleidete, der Gemeinde nach anderer Seite hin nützlich zu sein, Gelegenheit fand. Auch als Fachschriftsteller thätig, hat er folgende Schriften theils selbstständig, theils in gelehrten Sammelwerken seines Faches veröffentlicht, und zwar: „Positiones de Arnaldia, peculiari morbi specie“ (Altdorfii 1694, 4°.); – „Disputatio inaug. de divino in Medicina“ (ibid. 1696, 4°.); – „Consilium medicum de curanda Peste cum praeservationibus“ (1709), als im Jahre 1739 die Pest in Preßburg ausbrach, wurde diese Schrift neuerdings gedruckt und im folgenden Jahre auch von Johann Perlitzi in ungarischer Uebersetzung (Budae 1740) herausgegeben; – „Möller’s Observationes sonderbahrer, durch die Essentiam dulcem zu Neusohl in Ungarn geschehener Curen“ (Halae Magdeb. 1706, 8°.), von Christian Friedrich Richter mit Vorrede und Anmerkungen vermehrt herausgegeben und oft wieder gedruckt. – Die Annales physico-medici Wratislauienses enthalten von Moller: 1717, tentamen III: „De febre infantum maligna an. 1717 Neosolii grassante“; – tentamen VI: „De haemorrhoidibus, tamquam genuino podagrae remedio“; – tentamen VII: „De morbis epidemicis in et circa Neosolium an. 1719 obseruatis nec non de cura febris Hungaricae“; – „De cura Lumbrici lati“; – tentamen XI: „de febre epidemia biliosa in et circa Neosolium in Hungaria an. 1719 aestate et autumno grassante“; – tentamen XIII: „Paracentesis thoracis ob abcesssum pulmonum“; – tentamen XIV: „Renunciatio medica de vulnere capitis Neosolii in Hungaria an. 1720 vehementiori ictu procurato“; – „De febribus epidemiis, Neosolii in Hungaria mense Novembr. an. 1720 obseruatis“; – tentamen XVI: „De virtute et efficacia noui medicamenti sedatini seu Olei Dippeliani uberius demonstrata“; – tentamen XVII: „De constitutione epidemia an. 1721 Neosolii obseruata, una cum praeloquio de praestantia principiorum [16] Stahlianorum“ – tentamen XVIII: „De usu hirudinum in affectu haemorrhoidaIi“; – tentamen XIX: „De morbis hyemalibus Neosolii a solstitio hyemali an. 1721 ad aequinoctium vernale an. 1722 observatis“; – tentamen XXXV: „De pulvere solari Hallensi et Essentia dulci, specifico in tussi infantum remedio“. Moller’s „Descriptio historico physico-media thermarum Sklenensium et Vihnensium in Comitatu Scepusiensi Ascaturientium“ steht abgedruckt in des Mathias Belius„Prodromus Hungariae antiquae et novae“ (lib. III, p. 128 et s.); in Handschrift befinden sich die Darstellungen noch mehrerer anderer Gesundbrunnen Ungarns. Wie schon bemerkt worden, war M. auch ein Humanist, welche edle Eigenschaft bei Aerzten der früheren Periode, als die materielle Richtung der Zeit noch nicht überall hin wie ein Aussatz gedrungen war, nicht selten in erhebender Weise zu Tage tritt. Als Neusohl durch die furchtbare Feuersbrunst des 4. August 1716 so schwer gelitten, viele Familien obdachlos geworden, ja mehrere gänzlich verarmten, war Moller, der selbst durch die Flammen großen Schaden gelitten, einer der wirksamsten und thätigsten Helfer in der Noth. Noch sei zum Schlusse bemerkt, daß Moller große Summen – sein Biograph Veszprémi berichtet von nicht weniger denn 60.000 Thalern – für die Förderung des Bergbaues, jedoch ohne einen eigentlichen Erfolg, geopfert habe. Kaiser Karl VI. hat den verdienten Arzt im Jahre 1728 in den Adel des Königreichs Ungarn erhoben.

Veszprémi (Steph.), Succincta medicorum Hungariae et Transilvaniae biographia (Lipsiae 1774, Sommer, 8°.) Centuria prima, p. 115; Centuria tertia, p. 196. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, A. Loewe, 8°.) tom. II, p. 626. – Ballus (Paul von), Preßburg und seine Umgebungen (Preßburg 1823, A. Schwaiger u. J. Landes. 8°.) S. 174. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Ungarns Adelsfamilien mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Mor. Ráth, 8°.) Bd. VII, S. 543. – Porträt. M. Bernigeroth sc. (8°.). –