BLKÖ:Nagy, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nagy, Ludwig
Band: 20 (1869), ab Seite: 60. (Quelle)
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Nagy, Karl (Naturforscher und Mathematiker, geb. zu Rév-Komorn zu Ende des 18. Jahrhunderts, gest. zu Pesth 15. März 1868). Sein Vater war Apotheker und sorgte für eine tüchtige Erziehung seines Sohnes. Zu diesem Zwecke schickte er ihn nach Wien, wo er mit allem Eifer den Studien oblag und mit besonderer Vorliebe außer dem Studium der Hauptsprachen des Continents noch jenes der Naturwissenschaft in ihren verschiedenen Zweigen betrieb. In Wien machte er Littrow’s [Bd. XV, S. 286] Bekanntschaft, und dieser Gelehrte ist es, der Nagy’s Eifer für die Astronomie, der ihn sein ganzes Leben hindurch beseelte, weckte, woraus für sein engeres Vaterland mannigfacher Nutzen entsprang. Frühzeitig lernte er auch hervorragende Männer, Gelehrte und Magnaten seines Vaterlandes, darunter Emerich Klauzal [Bd. XII, S. 23] und Ludwig Grafen Karolyi [61] [Bd. XI, S. 6, Nr. 11][WS 1] kennen, welch letztere Bekanntschaft für seine künftige Lebensstellung nicht ohne Einfluß blieb. Nachdem er nämlich Reisen nach England und Frankreich gemacht und diese bis nach Amerika ausgedehnt hatte, trat er als Oekonomierath in die Dienste des Grafen Karolyi, später übernahm er als Generalbevollmächtigter die Leitung der Güter der Grafen Gustav und Kasimir Batthyany, in welchem Dienste er bis 1848 verblieb und während dieser Zeit vorherrschend in Wien sich aufhielt. Neben den Geschäften für seinen Gebieter lebte er ausschließlich der Pflege der Wissenschaften und dem Verkehre mit Gelehrten, unter denen er durch seine geniale Individualität hervorstach. Sehr viel that er für die Förderung des Volksunterrichts; wohin immer sein Wirkungskreis sich erstreckte, regte er zum Baue von Schulen an, und zu Klein-Ber, einem Dominium der Grafen Batthyany entstand durch seine ausschließliche Mitwirkung eine trefflich eingerichtete Kleinkinder-Bewahranstalt. Auch sonst zeigt sich sein humanistisches Wirken, so z. B. wurden durch seine Mitwirkung viele Gemeinden seines Gebieters durch Ablösung des Grundes und seiner Lasten frei, und war er überall bedacht, das Verhältniß zwischen dem Gutsherrn und Bauer zu regeln und des Letzteren Lage, wie es nur immer möglich war, jedoch ohne Beschädigung des Ersteren, zu erleichtern. Die Pflege seiner Lieblingswissenschaften, der Mathematik und Astronomie, ließ er sich, so lange er lebte, auf das Eifrigste angelegen sein. Für die Akademie schrieb er durch mehrere Jahre hindurch den astronomischen Kalender; an mathematischen Werken gab er heraus: „Elemi Algebra“, d. i. Elemente der Algebra (Wien 1837); – „A kis számitó“, d. i. Der kleine Rechner (ebd. im näml. Jahre); – „A kis geometra“, d. i. Der kleine Geometer (ebd. 1838), ferner veranstaltete er eine Ausgabe der Logarithmen von Babbage; veranlaßte und überwachte die Anfertigung des ersten Globus in ungarischer Sprache, wie er denn auch im Jahre 1840 in Paris auf eigene Kosten die Anfertigung von Himmelskarten in ungarischer Sprache nach dem Stande der Gestirne des genannten Jahres besorgte. Im Jahre 1845, bis zu welchem er vornehmlich in Wien gelebt, kehrte er in sein Vaterland zurück und ließ sich zu Bicske im Stuhlweissenburger Comitate nieder, wo er sich eine Sternwarte erbaute, diese auf das Zweckmäßigste mit den nöthigen Instrumenten ausstattete und nun dort seine astronomischen Beobachtungen und wissenschaftlichen Studien fortsetzte. Zahlreiche Arbeiten seiner Feder befinden sich in den Zeitschriften „Pesti Hirláp“ und „Századunk“ abgedruckt. Den Ertrag einer anderen, unter dem Titel: „Daguerreotyp“ (Preßburg 1841) erschienenen Schrift widmete er zu Gunsten einer verarmten Familie, wie er denn überhaupt ein großer Wohlthäter war und Arme und Nothleidende oft heimlich und ausgiebig unterstützte. In den Sechziger-Jahren schenkte er seine Sternwarte nebst der ganzen darin enthaltenen kostbaren Sammlung an Büchern, Instrumenten u. dgl. m., welche so reich war, daß nach ungarischen Quellen „ein großer Theil dieser Sammlung den ohnehin reich ausgestatteten astronomischen Reichsanstalten zur Zierde dienen würde“, Sr. Majestät dem Kaiser. Die Schenkung hatte vor Ertheilung des October-Diploms stattgefunden und war von den zu jener Zeit in Ungarn amtirenden Behörden dahin gedeutet worden, als hätte nicht Ungarn [62] ausschließlich, sondern der ganze Staat an derselben theilzunehmen. Nach der Periode des October-Diploms sprach sich jedoch die ungarische Hofkanzlei dahin aus, daß die Nagy’sche Sammlung ausschließlich für ungarische Institute verwendet werden solle, in welcher Richtung auch durch eine Allerh. Entschließung im Jahre 1862 verfügt wurde. Einer seiner Biographen schließt seine Nagy betreffende Darstellung mit folgenden Worten: „Sein Styl ist von französischer Kürze, präcis, witzig, ja epigrammatisch, jede Zeile, jeder Satz ideenreich.“ Nagy, der in Amerika so zu Hause ist, wie in Bicske, und mit Arago und Babbage ebenso befreundet ist, wie mit den Mitgliedern seiner heimischen Akademie – die ihn schon, nebenbei gesagt, am 10. September 1836 unter die Zahl ihrer ordentlichen Mitglieder aufgenommen hat – ist eine der interessantesten Individualitäten, und nur seine philosophische Zurückgezogenheit ist daran Schuld, daß er in seinem Vaterlande keine politisch hervorragende Rolle gespielt.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) S. 337. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1850 u. f., Heckenast, Lex. 8°.) Bd. V, S. 452. – A Rév-Komaromi Benedeki Al-Gymnasium V-ik Programma, d. i. Des Komorner Benedictiner-Obergymnasiums V. Programm. Dasselbe enthält als einleitenden Aufsatz eine literarische Biographie Karl Nagy’s von Hugo Kamiß. – Pester Lloyd (Pesther polit. Blatt) 1862, Nr. 81. – Literarisches Centralblatt von Zarncke (Leipzig, 4°.) 1868, Nr. 15. Sp. 406, im Nekrolog.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XII, S. 6, Nr. 11].