BLKÖ:Littrow, Joseph Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Littrow, Franz
Band: 15 (1866), ab Seite: 286. (Quelle)
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Littrow, Joseph Johann (Astronom, geb. zu Bischof-Teinitz in Böhmen 13. März 1781, gest. zu Wien 30. November 1840). An demselben Tage, nahe in derselben Stunde, da Littrow das Licht der Welt erblickte, sah Herschel das Licht eines neuen Planeten, des Uranus. Die Familie Littrow stammt aus Liefland, das dessen Voreltern im 17. Jahrhunderte nach einem Brandunglücke verlassen hatten, um nach Böhmen zu dort ansässigen Verwandten zu ziehen. Die Kinderjahre brachte L. fast beständig in krankem Zustande zu, in welchem er öfter dem Tode nahe war; mit dem dritten Jahre kräftigte sich sein Leben und von der Zeit an war L. nie mehr eigentlich krank, seine erste Krankheit war auch die letzte. Fünf Jahre alt, kam er auf die Stadtschule seines Geburtsortes, welche eine sogenannte Musterschule war, weil an derselben nicht nur Schüler unterrichtet, sondern auch Lehrer für das Lehramt ausgebildet wurden. Im Alter von neun Jahren gerieth L., wie einer seiner Biographen schreibt, durch einen Privatlehrer irre geleitet, in die Einöden und Wüsteneien religiöser Zweifel, über denen er für längere Zeit seine Lebensfreudigkeit und Ruhe einbüßte, während sein Körper sich auffallend stärkte. Endlich wurde L. auf den Rath eines Geistlichen, der die Talente des Knaben erkannte, auf die lateinische Schule nach Prag geschickt, wo namentlich Professor Voigt, ein tüchtiger Kenner der classischen Literatur, einen wohlthuenden Einfluß auf den fleißigen, mit allem Eifer den Wissenschaften huldigenden Jüngling übte. Im Jahre 1798 begann er die philosophischen Studien und nun fesselten ihn vor Allem die Vorträge des Professors G. A. Meißner. Mathematik und griechische Philologie beschäftigten ihn ohne Unterlaß. Ja, der schöpferische Trieb regte sich schon zu jener Zeit so mächtig in ihm. daß er im Jahre 1800 im Vereine mit mehreren strebenden Freunden eine Zeitschrift unter dem Tit.: „Die Propyläen“ herausgab. Aber schon das nächste Jahr machte diesen harmlosen Kundgebungen eines schöpferischen Dranges ein Ende, denn der Krieg pochte an die Pforten des Vaterlandes, ein militärisches Corps, 22.000 Mann stark, die sogenannte „Legion“, wurde von dem Erzherzoge Karl errichtet und die Prager Studenten bildeten zum Theile das Leibbataillon dieses Corps; in diese Legion war auch Littrow eingetreten, als aber neun Monate später der Friede geschlossen wurde, zu seinen Studien an der Prager Hochschule zurückgekehrt. Eben damals stand die Naturphilosophie in Blüthe. Von talentvollen Köpfen, die von ihr Lösung ihrer Zweifel, Aufschluß über bisher unenthüllte Geheimnisse erwarteten, mit Begeisterung gepflegt, zählte auch L. zu ihren Jüngern. So versuchte er mehrere Jahre lang auf dem Wege der Speculation zur Gewißheit über Dinge zu kommen, die er später als dem Menschengeiste mit sieben Siegeln verschlossen anerkannte. Sobald er sich also von der Unmacht dieser Schule überzeugt, riß er sich von derselben los und warf sich wieder, statt wie bisher im Wesenlosen zu speculiren. auf die Forschung und Erforschung des Gegebenen. Seine Bitterkeit über diese Täuschung, von der er [287] durch mehrere Jahre befangen gewesen, machte sich noch in späteren Jahren in Ausfällen gegen die Naturphilosophie in seinen Schriften Luft. Nachdem er sich so von einer Grenze des Wissens überzeugt, war nun sein Streben darauf gerichtet, so viel Wissen, als überhaupt möglich, zu erwerben. Er beschäftigte sich nun der Reihe nach mit juristischen, medicinischen, selbst theologischen Studien, und um seine geistige Selbstständigkeit zu wahren, besuchte er wenig die Vorträge selbst ausgezeichneter Lehrer, verlegte sich aber um so eifriger auf’s Selbststudium. Im Jahre 1802 übernahm er eine Erzieherstelle bei den beiden Grafen Renard aus dem berühmten Hause Colonna und lebte mit seinen Eleven zurückgezogen theils in Wien, theils auf deren Gütern in Schlesien. Die Muße seines Erzieherberufes war seinen Lieblingsstudien Mathematik, Astronomie und schöne Literatur gewidmet. Bis zum Jahre 1807 verblieb er in dieser Stellung, welche er nun, nachdem er in einem schriftlichen Concurselaborate seine Tüchtigkeit dargethan, mit einem öffentlichen Lehramte vertauschte, denn er war zum Professor der Astronomie an der Universität in Krakau ernannt worden. Die sonst angenehmen, ja harmlosen, wenngleich in literarischer Beziehung fast unfruchtbaren Verhältnisse erlitten durch den Einmarsch einer französischen und polnischen Armee eine für den Mann der Wissenschaft nicht willkommene Störung, die Universität wurde aufgehoben, die Lehrer zerstreuten sich; um diese Zeit folgte er dem Rufe des russischen Cultusministers Rasumoffsky als Professor der Astronomie nach Kasan. Diese Stadt wurde von den Kriegswirren jener Tage gar nicht berührt. Mit Männern wie Bartels, Erdmann, Frähn u. A. wirkte L. in dem ihm angewiesenen Kreise und entfaltete auf der von ihm im Universitätsgarten provisorisch erbauten Sternwarte, die er mit den besten Instrumenten aus dem Auslande ausgestattet, eine segensvolle Thätigkeit, wozu ihm außer seinem Lehramte insbesondere noch als Mitglied der großen Schulcommission, deren Wirksamkeit sich von Nischney-Nowgorod bis an die östlichen Ufer des stillen Oceans erstreckte, reichlich Gelegenheit geboten ward. Sieben Jahre verharrte L. auf diesem Posten, als ihn im Jahre 1816 der Erzherzog-Palatin an die eben vollendete Sternwarte auf dem Blocksberge bei Ofen in Ungarn berief. An diesem mit den vortrefflichsten Instrumenten ausgestatteten Institute wirkte L. als Mitvorsteher 21/2 Jahre, aber seine Stellung wurde durch den gehässigen Charakter seines Collegen Pasquich eine unangenehme und unfruchtbare. Wohl wurde Littrow selbst durch dessen Entsetzung vom Amte eine dienstliche Genugthuung, aber seinem Herzen thaten dergleichen Zustände doch wehe und er fühlte sich erst befriedigt, als er im Jahre 1819 seinen dortigen Posten aufgeben konnte, da er zum Director der Sternwarte und Professor der Astronomie in Wien ernannt worden war. Im September 1819 trat er seine neue Stelle an. Still und geräuschlos entwickelte er mit der ihm eigenthümlichen Energie eine fruchtbare Thätigkeit und that Alles zum Aufblühen des ihm anvertrauten Institutes. Den Bau einer neuen Warte, den er beantragt, mußte er, da er nicht genehmigt ward, zwar unterlassen, aber den völligen Umbau der vorhandenen führte er aus und that in Beschaffung der nöthigen Instrumente Alles, was die ihm angewiesenen Mittel gestatteten. Ebenso richtete er auf die Bibliothek der Anstalt sein Augenmerk [288] und war bemüht, sie auf einen den Erfordernissen der Wissenschaft in damaliger Zeit entsprechenden Stand zu bringen. Ein äußeres Zeichen seiner Thätigkeit geben die von ihm begründeten, jährlich erscheinenden „Annalen der k. k. Sternwarte in Wien“, bei deren Begründung er bat, sie jedem Nachfolger zur Pflicht zu machen. Durch seine öffentlichen, von Ausländern, namentlich aus Bayern, Württemberg, der Schweiz, zahlreich besuchten Vorträge, welche er über populäre und wissenschaftliche Astronomie hielt, wirkte er nach außen in hohem Maße anregend. Mehrere Berufungen nach Krakau, Mitau, Charkow, an die neue Sternwarte in Marlia bei Lucca, so glänzend diese Anerbietungen waren, hatte er bei seiner Vorliebe für den gegenwärtigen Posten abgelehnt. Im Jahre 1837 wurde L. an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters zum Director der Kaiser Ferdinands-Nordbahn erwählt, er gab aber wegen Geschäftsüberhäufung diese Stelle bald wieder auf. So in segensreicher Thätigkeit erreichte L. im Jahre 1840 das 59. Lebensjahr, da wurde er am 21. November von einem Leiden befallen, das in allem Anbeginn einen so ernsten Charakter annahm, daß Furcht mit Hoffnung im Kreise seiner Angehörigen wechselte, bis endlich sich der Zustand so sehr verschlimmerte, daß er in der Nacht vom 29. auf den 30. November gegen 41/2 Uhr Morgens seine Seele aushauchte. Als Schriftsteller war L. ungemein thätig und die Wissenschaft in dem Gebiete, das er zunächst pflegte, wie in den verwandten Nebenrichtungen, verdankt ihm viele tüchtige verdienstliche Arbeiten. Seine selbstständig herausgegebenen Werke sind: „Darstellung der grossen und merkwürdigen Sonnenfinsterniss vom 7. September 1820“[WS 1](Pesth 1819, Hartleben, mit 2 Tafeln, 8°.); – „Ueber den erweiterten Gebrauch des Multiplicationskreises“ (Prag 1821, Krauß, 8°.)[1]; – „Ueber Höhenmessungen durch das Barometer“ (Wien 1821, Wallishausser, 4°.); –„Theoretische und praktische Astronomie“, 3 Bde. (Wien 1821–1826, Wallishauser, gr. 8°., mit 5 Taf.), der 3. Band auch unter dem Titel: „Elemente der physischen Astronomie“ (Wien 1826, gr. 8°.); – „Analytische Geometrie“ (Wien 1823, Schaumburg, gr. 8°.); – „Populäre Astronomie“, 2 Thle. (Wien 1825, Heubner, gr. 8°., mit 9 Taf.); – „Elemente der Algebra und Geometrie“ (ebd. 1828, gr. 8°., mit 2 Taf.); – „Beispielsammlung zu den Elementen der Algebra und Geometrie“, mit Kupfern in Fol. (ebd. 1829, gr. 8°.); – „Kalendariographie oder Anleitung alle Arten Kalender zu verfertigen“ (ebd. 1828, gr. 8°.); – „Anleitung zur Berechnung der Lebensrenten und Witwenpensionen ohne Hilfe der Algebra“ (ebd. 1829, gr. 8°.); – „Dioptrik, oder Anleitung zur Verfertigung der Fernröhre“ (ebd. 1830, Wallishausser, gr. 8°., mit K. K.); – „Vergleichung der vorzüglichsten Maasse, Gewichte und Münzen mit den im österreichischen Kaiserstaate gebräuchlichen“ (ebd. 1832, Beck, gr. 8°.); – „Vorlesungen über Astronomie“, 2 Thle. (ebd. 1830, Heubner, gr. 8°., mit 1 K.); zweite für Decimal- und gewöhnliche Rechnung eingerichtete Auflage (ebd. 1844, Beck); – „Gnomonik oder Anleitung zur Verfertigung aller Arten Sonnenuhren“ (Wien 1831, Gerold, gr. 8°., mit 1 Taf.; 2. Aufl. ebd. 1832, mit 2 Taf.); – „Ueber den gefürchteten Kometen des gegenwärtigen Jahres 1832 und über Kometen überhaupt“ (ebd. 1832, gr. 8°., mit 1 Taf. in 4°.; neue Aufl. von Littrow’s Sohn 1838 [289] herausgegeben, mit einem Anhange über den Halley’schen Kometen); – „Ueber Lebensversicherungen und andere Versorgungsanstalten“ (Wien 1832, Beck, gr. 8°.); – „Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und praktische Leben“ (Wien 1833, Beck, gr. 8°.); – „Chorographie oder Anleitung, alle Arten von Land-, See- und Himmelskarten zu verfertigen“ (ebd. 1833, gr. 8°., mit 5 lith. Taf.); – „Die Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems“, 3 Theile; 1. Thl.; „Theoretische Astronomie“, 2. Thl.: „Beschreibende Astronomie“, 3. Thl.: „Physische Astronomie“ (Stuttgart 1834, Hoffmann, gr. 8°., mit vielen Kartentaf., Stahlst. und Autorsporträt; 4. Aufl. ebd. 1853 und 1854; 5., von seinem Sohne bearbeitete Auflage Stuttgart 1865, Weise), ein auf diesem Gebiete noch nicht übertroffenes populäres, mit hinreißender Wärme geschriebenes Handbuch der abstractesten Wissenschaft, das in vielen tausend Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet ist; – „Gedrängter Abriss der Münz-, Maas- und Gewichtskunde der neueren Zeiten und des Alterthums. In Tabellen zur Vergleichung mit dem neuen französischen und dem österreichischen Systeme“ (Güns 1834, gr. 8°.), auch im „Hausbuch des geographischen Wissens“; – „Sterngruppen und Nebelflecken des Himmels. Gemeinfasslich dargestellt“ (ebd. 1835, gr. 8°., mit 3 K. K.); – „Ueber Doppelsterne. Gemeinfasslich dargestellt“ (ebd. 1835, gr. 8°., mit 1 Taf.); – „Geschichte der Entdeckung der allgemeinen Gravitation durch Newton. Gemeinfasslich dargestellt“ (ebd. 1835, gr. 8°.); – „Anleitung zur höheren Mathematik“ (Wien 1836, Gerold, gr. 8°., mit 4 Taf.); – „Kurze Anleitung zur gesammten Mathematik“ (ebd. 1838, br. 16°., mit 3 Taf.); – „Atlas des gestirnten Himmels. Für Freunde der Astronomie“, 18 Taf. (Stuttgart 1838, Hoffmann, gr. 4°.); – „Anfangsgründe der gesammten Mathematik“ (ebd. 1838, gr. 8°., mit 5 Taf.); ferner begründete er im Jahre 1813 die „Annalen der k. k. Sternwarte in Wien“, die er vom I. bis XII. Theile allein, vom XIII. bis XX. aber zusammen mit seinem Sohne Karl Ludwig herausgab; auch begann er im J. 1831 die Herausgabe des „Kalenders für alle Stände“, den er bis zu seinem Tode ununterbrochen selbst herausgab und den nach seinem Tode gleich den „Annalen“ ebenfalls sein obgenannter Sohn bis auf die Gegenwart fortsetzt, der auch eine Sammlung der hie und da zerstreuten werthvolleren Abhandlungen des Vaters unter dem Titel: „Vermischte Schriften“, 3 Bde. (Stuttgart 1846, Hoffmann), denen er eine ausführliche Lebensskizze desselben vorausschickte, herausgab. – Von Littrow’s in gelehrten Sammelwerken und Vereinsschriften enthaltenen Abhandlungen sind anzuführen: in der Zeitschrift für Astronomie und verwandte Wissenschaften, herausgegeben von Baron Lindenau und Bohnenberger (Tübingen, bei Cotta, 1816 u. f.), im I. Bande: „Bestimmung der Polhöhe von Kasan“; – im II. Bande: „Ueber die Verbesserung der mittleren Strahlenbrechung“; – im III. Bande: „Ueber das schiefwinkelige Parallelopipedum“, – „Ueber die Bestimmung der Polhöhe der Ofner Sternwarte“, – „Ueber eine neue Methode, die Polhöhe zu bestimmen“, – „Beiträge zur Verbesserung der Sonnentafeln“, – „Beiträge zu geographischen Ortsbestimmungen in Ungarn“; – im IV. Bande: „Ueber die Verwandlung der heliocentrischen Planetenorte in geocentrische“, – „Ueber den Einfluß der Fehler der Sonnentafeln auf die der Planeten und {{Seite|290} Kometen“, – „Ueber die Declination der vorzüglichsten Fixsterne“. – „Ueber eine neue Methode, Sternbedeckungen für verschiedene Orte vorherzubestimmen“; – im V. Bande: „Ueber die Beobachtungen am Mittagsrohre“, – „Ueber die Bewegung der Erde um ihren Schwerpunct“, – „Beiträge zu geographischen Ortsbestimmungen in Ungarn“, – „Beobachtungen der Schiefe der Ekliptik“, – „Bestimmung der absoluten Rectascension von α Aquilae“, – „Methode, die Argumente der Aberration und Mutation für entfernte Jahre zu finden“, – „Ueber die Differenz der Rectascension der vornehmsten Fixsterne“, – „Beitrag zu verschiedenen Methoden der Zeitbestimmung“; – im VI. Bande: „Ueber die gerade Aufsteigung der vornehmsten Fixsterne“, – „Ueber die Finsterniß des 7. Septembers 1820“; – in der Zeitschrift für Physik und Mathematik, herausgegeben von Baumgartner und Ettingshausen (Wien 1826 u. f.), im II. Bande: „Auflösung eines geodätischen Problems“; – im III. Bande: „Beitrag zur Berechnung achromatischer Fernröhre“; – im IV. Bande: „Ueber die astronomischen Oculare der Fernröhre“, – „Beitrag zur Verbesserung achromatischer Objective“, in diesem Aufsatze entwickelte L., der Erste, seine Ideen über die dialitischen Fernröhre und belegte sie durch unmittelbare Rechnungen, deren Ausführung durch den Optiker Plößl so glücklich ausgefallen ist, daß sie wohl einen nicht undenkwürdigen Abschnitt in der Geschichte der Verfertigung der Fernröhre bilden; – im IX. Bande: „Ueber Sonnenuhren“, – „Ueber Lebensversicherungen, – „Ueber perspectivische Projectionen der Erd- und Himmelskarten“, – „Ueber das Zusammentreffen zweier Kometen“; – in den „Memoires de l’Académie Impériale de St. Petersbourg“, im V. Bande: „Sur une nouvelle methode de determiner les hauteurs observées près du meridien“; – im VI. Bande: „Anomaliae verae per mediam determinatio“, – „Determinatio latitudinis geographicae Observatorii Casaniensis“; – im VII. Bande: „Disquisitiones ad theoriam epicyclorum pertinentes“, – „De summatione serierum“;– im IX. Bande: „Sur le mouvement des corps qui s’attirent en raison directe de leur distance“; – in den Memoirs of the Royal astronomical Society zu London, im I. Bande: „The correction of the Transit Instrument“, – „On the measurement of altitudes by the Barometer“, – „On the differences of Declination of Star and on Refraction“; – im II. Bande: „On the rectification of the Equatorial Instrument“, – „On the determination of Latitude by observations of Azimuthe and Altitudes alone“, – „On Parallaxes“; – im III. Bande: „On the computation of the geocentric places of the Planets for Ephemerides“, – „On double Object-Glasses“; – im IV. Bande: „Observations of the Planets made at the Imperial Observatory of Vienna“, – „On Barlow’s new Telescopes“. Mehrere andere Aufsätze astronomischen Gegenstandes finden sich in Bode’s „Jahrbüchern“ 1812 bis 1824, in Schumacher’s „Astronomischen Nachrichten“ 1823, in Zach’s „Monatlicher Correspondenz“ und in desselben „Correspondance astronomique“, in den „Connaissance des temps“, in den Wiener „Jahrbüchern der Literatur“, in der „Wiener Zeitschrift für [291] Kunst, Literatur u. s. w.“; schließlich besorgte L. die deutsche Bearbeitung von „Whewell’s Geschichte der induktiven Wissenschaften“, in 3 Theilen (Stuttgart 1841, Hoffmann), welche er überdieß mit Anmerkungen begleitete. Eine solche umfassende und ersprießliche Thätigkeit fand sowohl im Vaterlande, als außerhalb desselben vielfache und verdiente Würdigung. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde er im Jahre 1836 in den erbländischen Adelstand erhoben, von Rußland erhielt er lange früher schon den St. Annen-Orden 2. Classe, und außer zahlreichen anderen Vereinen und Gesellschaften schickten ihm die kais. Akademie der Wissenschaften von St. Petersburg, von Krakau, die kön. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, das Institut de France, die tt>Royal Society und die Royal astronomical Society in London, die Leopoldinisch-Karolinische Akademie Naturae Curiosorum, die Academia delle scienze e belle lettere in Palermo ihre Diplome. Aus seiner Ehe mit Karoline von Ulrichsthal, der Tochter eines galizischen Kreishauptmannes, entsprangen 13 Söhne, von denen fünf den Vater überlebten. Von diesen hat Karl Ludwig den wissenschaftlichen Pfad seines Vaters betreten, Franz aber und Heinrich haben sich, ersterer dem Waffendienste zu Lande, letzterer jenem zur See, gewidmet. Ueber Franz siehe unten in den Quellen zu Joseph Johann [S. 293], über die beiden anderen siehe die besonderen Artikel [S. 284 u. 293].

Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1841, Beilage zu Nr. 24 (24. Jänner) und 25 (25. Jänner): „J. J. Littrow“ [nach dieser geb. 15. März 1781, gest. 30. November 1840]. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von Ebersberg (Wien, 8°.) 1840, Bd. II, S. 1491: „Littrow’s Tod“. – Frankl (Ludwig August), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) IV. Jahrgang (1847), S. 586: „Erinnerung an J. J. von Littrow“. Von Adolph Foglar. – Der Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) IV. Jahrgang (1840), Nr. 246: „Littrow als Lehrer und Mensch“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernh. Friedr. Voigt, kl. 8°.) XVIII. Jahrg. (1840), S. 1129. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 463; Bd. VI, S. 539. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1479. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, 2. Abtheilung. S. 630. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, 10. Aufl. Bd. IX, S. 640. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. VIII, S 227. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXXI, p. 374. – Adelstands-Diplom vom 2. Jänner 1836. – Alle Quellen, mit Ausnahme der „Allgemeinen Zeitung“, welche den 15. März 1781 als Littrow’s Geburtstag angibt, bezeichnen den 13. März als solchen, welche Angabe, als mit einer von Littrow’s eigenen Hand geschriebenen übereinstimmend, die richtige ist. – Porträte. 1) Nach Bartak, gestochen von Johann Jaresch; – 2) Unterschrift: J. J. Littrow. Kriehuber pinx., H. Pinhas sc. (gr. 8°.) [auch vor der zweiten Auflage seiner „Wunder des Himmels“]; – 3) Lithographie (Wien, Beck, 4°.); – 4) Abbildung der Büste Littrow’s, in Kupfer gestochen, vor dem 1846 erschienenen 1. Bande seiner „Werke“. – Büste. Diese wurde von dem Bildhauer A. Dietrich nach Littrow’s Tode und sehr ähnlich ausgeführt. Davon wurde in der Werkstätte Kitschelt’s ein bronzener Abguß gemacht und derselbe im Jahre 1846 im Observationssaale der Sternwarte zu Wien aufgestellt. Joseph Danhauser hatte von den durch die Krankheit stark entstellten Gesichtszügen die Todtenmaske abgenommen. – Gedichte an Littrow. Auch an poetischen Huldigungen von verschiedenen Dichtern, die L. bei Lebzeiten und im Tode dargebracht wurden, fehlt es nicht. Hier sei [292] nur des Gedichtes von Castelli in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ 1832, Nr. 68, gedacht. – Wappen. Ein von Roth und Silber in die Länge getheilter Schild, in welchem eine mit gleichen, aber abwechselnden Farben pfahlweise gestellte Lilie auf der Schildestheilung liegt. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Helm und auf der Krone erhebt sich abermals eine, und zwar von Roth und Silberfarbe in die Länge getheilte Lilie. Die Helmdecken sind beiderseits roth. mit Silber belegt. – Littrow’s Charakteristik als Mensch und Gelehrter. „Ehrenhaft, wahrheitsliebend, mild und theilnehmend erschien er denen, die ihn näher kannten. Scharfsinn, richtiges Urtheil, schnelles Erfassen, klares Ordnen und organisches Verarbeiten dessen, was er geistig erworben, sind bezeichnend in seiner Individualität als Gelehrter. Seine außerordentliche Belesenheit hatte ihm einen reichen Schatz von Bildung vermittelt. Seine literarische Fruchtbarkeit sucht ihresgleichen. In der Geschichte der Wissenschaft wird er als einer der ausgezeichnetesten Astronomen und astronomischen Schriftsteller seiner Zeit fortleben. Die Klarheit seines Verstandes spiegelt sich besonders in der trefflichen Darstellung auch der schwierigsten Materien. Euler und Lessing waren seine Stylmuster und er hinterläßt manches was diesen Heroen ähnlich gesagt ist. Seine „theoretische und praktische Astronomie“ und die „Vorlesungen über Astronomie“ sind wahre Grundbücher des Faches. Sie werden nur denjenigen Veränderungen unterliegen, welche die Fortschritte der Wissenschaft mit sich bringen. Herschel hat darum auch zur Verpflanzung derselben auf englischen Boden durch eine Uebersetzung aufgefordert. Das Werk „die Wunder des Himmels“ steht ebenso rühmlich als populäre Darstellung da. In nicht ganz vier Jahren wurden von diesem Werke zehntausend Exemplare abgesetzt. In seinen „Elementen der Algebra und Geometrie und den verwandten Schriften“, die sich alle durch hohe Originalität auszeichnen, hob er, der Erste, die Scheidewand zwischen Elementen und höherer Mathematik auf. Seine Werke über Optik werden stets zu den besten gehören und ihm gebührt das Verdienst, den ersten Anstoß zu der Ausführung der Dialyse bei achromatischen Objecten gegeben zu haben, die in den Händen eines Steinheil, Plößl und Anderer so reichliche Früchte getragen hat. Ebenso werden ihm seine Schriften über Witwen-Institute und Leibrenten einen bleibenden Namen sichern und seine Mitbürger müssen ihm danken, was er mit seltenem Muth und tiefer Sachkenntniß bei dieser so wichtigen Gelegenheit für das Gemeinwohl praktisch ausgeführt hat. Seine „Chorographie“ und seine „Gnomonik“, seine „Kalendariographie“ und so viele andere werthvolle Schriften zeugen von der Vielseitigkeit, die er in seinem Fache besaß. ... Die Hauptrichtung seines ganzen öffentlichen Wirkens ging auf das Brauchbare – er wollte namentlich auch abstracte Lehren für das gemeine Leben nützlich machen und in wissenschaftlichen Kreisen mehr verbreiten. In diesem Sinne unternahm er auch die deutsche Bearbeitung von Whewell’s „Geschichte der inductiven Wissenschaften“, und es mag den guten Namen bezeichnen, dessen sich Littrow auch bei den Briten erfreute, daß der Verfasser jenes Werkes selbst die Verbreitung durch ihn im deutschen Idiom unterstützte, obgleich sich Littrow früher mit freimüthiger Satyre über desselben Verfassers „Astronomy and general Physics“ ausgesprochen hatte, ein Werk, welches, unter ganz eigenthümlichen Verhältnissen concepirt und ausgearbeitet, die Rügen des deutschen Gelehrten allerdings verdient hatte. Littrow durfte übrigens wohl über das Schiefe, Matte, Ungesunde in der Literatur sich bisweilen ein freies Wort erlauben, weil er in den eigenen Schriften sich immer als Meister seines Stoffes erwies, weil er die Zeit und die Menschen sehr richtig zu fassen und zu würdigen verstand, und weil man auch in seinem Tadel den wohlgesinnten freundlichen Kern des Mannes wie einen tiefgefaßten Juwel durchblitzen sieht.“ – Schließlich zur Charakteristik dieses liebenswürdigen Gelehrten nur noch Einiges. Als Mitarbeiter der achten Auflage des Brockhaus’schen Conversations-Lexikons strich er – seine eigene Biographie. – Sein Wahlspruch war das Axiom der Stoiker: ἀνέχου καὶ ἀπέχου (dulde und entbehre), für das er auch öfter das bekanntere Ovid’sche perfer et obdura (dulde und harre aus) anwendete. – Mädler in seiner „Selenographie“ benannte nach ihm einen Mondfleck. Da schrieb Littrow an seinen damals noch lebenden – ja ihn mehrere Jahre überlebenden Vater: „Unter anderm habe ich Ihnen noch immer nicht gemeldet, daß ich ein Gutsbesitzer geworden bin. Man hat mir eine Herrschaft angewiesen, die zwar keine Steuern, aber – auch keine Einkünfte [293] hat. Sie liegt im Monde, an der Westseite des Meeres der Heiterkeit, mitten zwischen dem Vitruv und Lemonnier, senkrecht unter Posidonius. Die ganze Besitzung, die fortan unsern Namen trägt, ist mitten unter alten ausgebrannten Vulkanen und wird daher auch für meine dort lebenden Unterthanen wahrscheinlich weder angenehm noch einträglich sein. Helfe ihnen Gott!“ – Bis 1807 hatte sich L. Joseph Samuel genannt und nahm bald nach seinem Amtsantritte (in Krakau) den Namen „Joseph Johann“ an. Zugleich änderte er seinen Zunamen, der ursprünglich Lyttroff geschrieben wurde, zuerst in Littroff, endlich in Littrow um. –

  1. Nicht wie es in Kayser’s Bücher-Lexikon Bd. III, S. 571, heißt: der Multiplicationspreise.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: vom 17. September 1820.