BLKÖ:O’Reilly, Andreas Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ordonnez, Karl von
Band: 21 (1870), ab Seite: 86. (Quelle)
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O’Reilly, Andreas Graf von (k. k. General der Cavallerie und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Ballinlough in Irland 3. August 1742, gest. zu Penzing bei Wien 5. April 1832). Entstammt einem alten irischen Geschlechte, dessen Sproßen zum Theile Dienste in fremden Staaten nahmen. Auch Graf Andreas trat nach dem Hubertsburger Frieden als Volontär in kaiserliche Dienste, und zwar in das 54. Infanterie-Regiment, in welchem er in kurzer Zeit Officier wurde. Den bayerischen Erbfolgekrieg machte er bereits als Major und Flügel-Adjutant mit, bei Belgrad war er Oberstlieutenant des reducirten Dragoner-Regiments Modena, wurde im Jahre 1790 Oberst und im Jahre 1794 General-Major. Im Jahre 1796 that er sich bei mehreren Gelegenheiten durch Umsicht und Tapferkeit hervor. Am Vorabende der Schlacht von Amberg warf er bei einer Recognoscirung den Feind aus seiner Stellung; am Tage der Schlacht selbst unternahm er mit Anbruch des Morgens eine Attaque auf den Gegner, den er bis Teiningen zurückdrängte; dann hielt er bei Castel während des heftigsten feindlichen Geschützfeuers unerschütterlich in seiner Stellung aus; am 1. September g. J. vollführte er während des Gefechtes bei Geisenfeld den Auftrag, die Besatzung von Ingolstadt zu degagiren, ungeachtet der Ueberlegenheit des Gegners, mit so viel Geschick, daß General Freiherr von Kerpen noch Gelegenheit fand, mit einem Theile seiner Garnison einen vortheilhaften Ausfall zu machen. Bei der Vorrückung [87] von Ulm vereitelte er durch seine glücklichen Dispositionen die Absicht des Generals Desair, mit seiner Vorhut eine Anhöhe zu nehmen, von der aus das Vordingen unserer Armee gehindert werden konnte. Bei einer Recognoscirung gegen den bei Rottweil stehenden Feind griff er denselben, den er in zwei Colonnen aufgestellt fand, unverweilt an und schlug ihn in die Flucht, so daß die Absicht des Feindes, in Rottweil sich festzusetzen, vereitelt ward. Bei dem weiteren Vorrücken durch den Simonswald stieß er vor Waldkirchen auf die ihm stark überlegene, von General Moreau geführte feindliche Vorhut, welche durch den Simonswald vorzudringen und die linke Flanke des Erzherzogs Karl zu bedrohen Befehl hatte. O’Reilly, um diese Absicht Moreau’s, deren Ausführung für unser Armeecorps die bedenklichsten Folgen haben konnte, zu vereiteln, hielt – mit nur geringem Verluste an Mannschaft – zwei volle Tage mit seiner erschöpften Truppe den weit stärkeren Gegner auf. Im Feldzuge des Jahres 1797 that er sich insbesondere im Gefechte von Thiersheim, am 21. April, in ausgezeichneter Weise hervor, nicht nur im Gefechte selbst, sondern auch bei dem nöthig gewordenen Rückzuge, wo er mit seiner Nachhut den Marsch der Colonne deckte und, nachdem er sich selbst vor der Kriegsgefangenschaft nicht retten konnte, so doch den meisten Theil der Reserve-Artillerie und des Gepäckes vor dem Feinde, in dessen Hände es sonst unausbleiblich gefallen wäre, sicherte. Bald darauf wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, in welcher Eigenschaft er noch in der Schlacht bei Marengo focht. Für seine bisherigen Waffenthaten wurde O. in der 66. Promotion (vom 18. August 1801) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Feldzuge des Jahres 1805 stand O. bei der Armee in Italien. Seinen wesentlichen Antheil an dem Siege bei Caldiero bezeugt Erzherzog Karl ausdrücklich im Schlachtberichte. Als am Schlachttage, 30. October, der Feind gegen 2 Uhr Mittags unsere Vorhut bereits zurückgedrängt, nach einem mörderischen Kampfe, in welchem alle seine Angriffe auf unseren rechten Flügel vereitelt wurden, seine verdoppelte Anstrengung auf unser Centrum richtete und bereits einige Erfolge erzielt hatte, eilte O’Reilly mit seiner Division auf diesen gefährlichsten Punct und setzte dem bereits vorgedrungenen Feinde den entschiedensten Widerstand entgegen, so daß der noch vor Kurzem zweifelhafte, ja zum Vortheile des Gegners sich hinneigende Sieg mit Entschiedenheit zu unseren Gunsten ausschlug. Der Graf wurde für seine Waffenthat in der 71. Promotion (im April 1806) mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens geschmückt. Noch knüpft sich O’Reilly’s Name an einen denkwürdigen Tag, an den 13. Mai 1809, an welchem O. die Capitulation abschloß, welcher zufolge Wien den Franzosen übergeben wurde. Erzherzog Maximilian d’Este hatte das Commando über die Besatzung, die aus 16.000 Linientruppen und Landwehr, 1000 Studenten und Künstlern und der Bürgermiliz bestand. Die am 10. Mai geforderte Uebergabe der Stadt, wie eine zweite Aufforderung wurden zurückgewiesen. Am 11. um neun Uhr Abends eröffneten die Franzosen das Bombardement und setzten es bis 3 Uhr Morgens fort, zu gleicher Zeit drang eine Abtheilung des Feindes über den Donauarm in den Prater, um die Stadt zu umzingeln. [88] Da zog Erzherzog Maximilian mit dem größten Theile der Besatzung über die Brücke am Tabor auf das linke Donauufer und brannte die Brücke ab. O’Reilly hatte nun von dem Erzherzog das Commando übernommen und, um Wien vor dem Vandalismus des Feindes zu retten, obige unvermeidliche Capitulation abgeschlossen. Im Jänner 1810 trat der bereits 68jährige Graf mit dem Charakter eines Generals der Cavallerie in den Ruhestand über, den er noch 22 Jahre genoß, bis er zu Penzing bei Wien im Greisenalter von 90 Jahren starb. Graf Andreas hatte sich im September 1784 mit Maria Barbara Gräfin von Sweerts und Spork vermält und mit ihr große Besitzungen im Bunzlauer, Leitmeritzer, Berauner Kreise Böhmens und im Zolkiewer Kreise Galiziens erheirathet. Im Jahre 1787 erlangte er die reichsgräfliche Würde. Da seine Ehe kinderlos geblieben, so adoptirte Graf Andreas den Grafen Johann (geb. 5. April 1800), einen Sohn des britischen Baronets Sir Hugh O’Reilly of Ballinlough, der in der kaiserlichen Armee diente und im Jänner 1850 als Major bei Kaiser Nikolaus-Huszaren Nr. 9 den Dienst quittirte. Graf Johann ist unvermält.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 631, 765, 1743 u. 1745 [nach diesem gest. am 5. April 1832, nach dem „Genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser“ aber am 5. Juli 1832]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, Supplement, S. 570. –