BLKÖ:Oriani, Barnabas

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Orient, Joseph
Band: 21 (1870), ab Seite: 96. (Quelle)
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Oriani, Barnabas (Astronom, geb. zu Garegnano bei Mailand 17. Juli 1752, gest. 12. November 1832). Der Sohn mittelloser Eltern, die ihn bald nach Mailand in die Barnabitenschule bei San Alessandro brachten, wo er die lateinischen Classen und philosophischen Studien, dann auch jene der Theologie beendete und die Priesterweihe empfing. Frühzeitig trieb er mit großem Eifer Physik und Mathematik, vornehmlich Astronomie, in welch letzterer er so Tüchtiges leistete, daß er, kaum 24 Jahre alt, an der wenige Jahre zuvor errichteten Sternwarte der Brera angestellt wurde. Daselbst befreundete er sich auch bald auf das Innigste mit dem Astronomen Angelo de Cesaris [Bd. II, S. 326], mit dem in Gemeinschaft Oriani an der Hebung der Mailänder Sternwarte arbeitete. Seine in den „Effemeridi di Milano“ nach und nach erscheinenden astronomischen Abhandlungen lenkten alsbald die Aufmerksamkeit der Fachmänner auf den jungen Mann, insbesondere der im Jahre 1785 erschienene Aufsatz: „Observatio et tabulae novi planetae“, der die Berechnungen des von Maskelyne für einen Kometen gehaltenen neuen Planeten Uranus enthielt, wie es denn überhaupt Oriani ist, der auch später die Bahn dieses Planeten auf das Sorgfältigste beobachtete und durch Berechnung feststellte. Oriani’s Ruf verbreitete sich nicht nur in Italien, sondern auch außerhalb den Grenzen seiner Heimat, der König von Neapel berief ihn im Jahre 1786 als Professor der Astronomie nach Neapel, 1796 wünschte ihn die Universität Leyden als Director des dortigen Observatoriums, aber O. lehnte alle Anträge ab und zog es vor, an der Mailänder Sternwarte, welche von der damaligen österreichischen Regierung mit allen Mitteln gefördert wurde, seine Wirksamkeit fortzusetzen; auch ging sein Wunsch, eine wissenschaftliche Reise zu unternehmen, um die Sternwarten fremder Länder zu besuchen und mit den Koryphäen seiner Wissenschaft in unmittelbaren Verkehr zu treten, sobald er ihn zu erkennen gegeben, in Erfüllung, denn Kaiser Joseph II. ordnete an, sobald er von O.’s Verlangen Kenntniß erhielt, daß er auf Staatskosten eine wissenschaftliche Reise antrete und ihm auf derselben durch Empfehlungen an einflußreiche Personen und in jedweder Art möglichst Vorschub geleistet werde. Am 12. Mai 1786 trat O. seine wissenschaftliche Reise an, besuchte vorerst die Schweiz, dann Deutschland, Belgien, Holland und England, wo er mit Maskelyne, Ramsden, Dollond und Herschel bekannt wurde. Die Rückreise machte er über Frankreich und lernte da unter Anderen Laplace, Lalande, Mechain persönlich kennen, und reich an Kenntnissen und wissenschaftlichen Verbindungen, kehrte er in den letzten Tagen des October [97] nach seiner heimatlichen Sternwarte zurück, an welcher er nun mit neuem Eifer seine astronomischen Beobachtungen und Berechnungen fortsetzte. Unter Studien und wissenschaftlichen Arbeiten kam das Jahr 1796 und mit ihm eine ganz neue Ordnung der Dinge in Italien heran. Der neue Gewalthaber, klug genug, die Männer der Wissenschaft, wenn sie ihm nicht geradezu Widerstand leisteten, theils in ihrer Thätigkeit ungestört zu lassen, theils sie für die Erfolge derselben zu ehren und auszuzeichnen, wendete auch O. seine Huld zu, der ihm in einer sehr ernsten Angelegenheit mit entschiedenem Freimuthe entgegengetreten war. Bei den durch den Regierungswechsel entstandenen Veränderungen in der Administration war es denn geschehen, daß man auf die Besoldung der Professoren der Universität Pavia und anderer Lehranstalten vergessen hatte. Oriani, gebeten, in dieser für so Viele wichtigen Angelegenheit das Vermittleramt zu übernehmen, begab sich nach Livorno, wo eben damals Napoleon sich befand, und brachte die Angelegenheit dem Consul vor, worauf Napoleon sofort Befehl erließ, das Versehen gut zu machen. Indessen setzte O. seine Studien fort, wurde von Napoleon zum Präsidenten der Commission ernannt, welche mit der Regelung der Maße und Gewichte beauftragt war; reorganisirte die beiden Hochschulen Pavia und Bologna, und als Napoleon das italienische Institut gründete, ernannte er ihn zu dessen besoldeten Mitgliede. Da aber der berühmte Astronom von Palermo, Gius. Piazzi, sich unter der Zahl der Ernannten nicht befand, bat Oriani, an seiner Stelle Piazzi, dem um die Astronomie so Hochverdienten, seinen (Oriani’s) Gehalt anzuweisen, da er ja dessen nicht bedürfe. Man ging auf dieses Anerbieten Oriani’s nicht ein. aber es hatte die Folge, daß die nächste vacant gewordene Stelle im Institute dem Entdecker der Ceres zuerkannt wurde. Nach Einberufung der Consulta nach Lyon befand sich unter den dahin berufenen Gelehrten auch Oriani. Nach Errichtung des Königreichs Italien wurde O. zum Ritter der eisernen Krone, zum Grafen und Senator ernannt. Das ihm angebotene Ministerium des Unterrichts und das Bisthum von Vigevano hatte er abgelehnt; aber in seinem Eifer für die Wissenschaft übernahm er die Messung des Meridians für den Zenith von Rimini und jenen von Rom, welchen er in Gemeinschaft mit de Cesaris auch ausführte. Nachdem die Lombardie wieder in Oesterreichs Besitz gelangte, blieb O. ungestört in seinen bisherigen Functionen und übte dieselben noch lange nachher aus, als ihm Kaiser Franz I. in Rücksicht seines hohen Alters gestattete, sich in den Ruhestand zurückzuziehen. So wirkte er an der Sternwarte der Brera, die vornehmlich ihm ihre eigentliche Bedeutung verdankt, bis zu seinem im Alter von 80 Jahren erfolgten Tode. Seine wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er während der Jahre 1806–1810 in den von dem italienischen Institute, herausgegebenen Denkschriften, unter denen die „Elementi di Trigonometria sferoidica“ als eine classische Arbeit von Fachmännern bezeichnet wird; frühere wissenschaftliche Arbeiten, mathematischen, physikalischen und astronomischen Inhalts, sind in den„Effemeridi“ der Mailänder Sternwarte in den Jahren 1778–1831, also in einer Reihe von 53 Jahren, abgedruckt, und fast alle in dieser Periode erschienenen Bände enthalten [98] Arbeiten von Oriani; die einzelnen Aufsätze zählt Alberto Gabba in Oriani’s Biographie in Tipaldo’s „Biografia degli illustri italiani“ (tomo III, p. 479) auf. Selbstständig ist nur eine Schrift: „Istruzione sulle misure s sui pesi“ (Milano 1801) erschienen. Unter dem Porticus des Palastes der Brera in Mailand befindet sich mit einer ehrenvollen Inschrift Oriani’s Denkmal, welches ihm die österreichische Regierung hatte setzen lassen.

Gabba (Alberto), Elogio di Barnabo Oriani (Milano 1834, 8°.). – Tipaldo (Emilio de), Biografia degli italiani illustri nelle scienze, lettere ed arti del secolo XVIII e de’ contemporanei ecc. ecc. (Venezia 1836, tipogr. d’Alvisopoli, gr. 8°.) Tomo III, p. 473–481. – Commentari dell’ Ateneo di Brescia per l’anno academico 1833 (Brescia, 8°.) p. 119; per l’anno academico 1834, p. 155. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Johann Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 332. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte u. s. w. Herausgegeben von Riedler[WS 1] (Fortsetzung des Hormayr’schen, Wien, 4°.) Jahrg. 1833, S. 177. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 116. – Porträt. Ohne Angabe des Stechers (Gotha, Becker, gr. 8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Riedel.