BLKÖ:Pochlin, Marcus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pochronský
Band: 22 (1870), ab Seite: 449. (Quelle)
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Pochlin, Marcus[WS 1] (slovenischer Schriftsteller, geb. zu Laibach 13. April 1735, gest. zu Maria-Brunn nächst Wien 5. Februar 1801). Besuchte die Humanitätsclassen in dem Seminarium der Jesuiten seiner Vaterstadt, trat dann im Jahre 1755 zu Maria-Brunn nächst Wien in den Eremitenorden der Augustiner-Discalceaten, welchem auch der berühmte P. Abraham a Santa Clara angehörte, beendete die theologischen Studien im Convent zu Wien, war hierauf bis 1775 Prediger zu Laibach und von da an Magister der studirenden Ordenscleriker in Wien. Im Jahre 1781 erwählte ihn der Convent zu Laibach zum Subprior, 1784 zum Provinzial-Secretär, 1791 kam er als Subprior nach Wien und wurde endlich im Jahre 1794 Magister der Novizen im Kloster zu Maria-Brunn, dort starb er an einem bösen Fußleiden im Alter von 66 Jahren. P. war auch Mitglied der gelehrten Gesellschaft der Operosen zu Laibach und führte in derselben den Namen Novus. Er war ein ungemein fruchtbarer Schriftsteller, die Titel der von ihm herausgegebenen Schriften sind: „Abecedik“ (Laibach 1765, 8°.); – „Molitewene bukovze“, d. i. Gebetbüchlein (ebd. 1767 u. noch öfter: 8. Aufl. Wien 1792, 32°.); – „Krainska Grammatika“, d. i. Krainische Sprachlehre (ebd. 1768, 8°.; verbess. Aufl. ebd. 1783, Lorenz Bernbacher); – „Adjumentum Poeseos Carniolicae“ (Viennae 1798, Trattner, 8°.); – „Limbar med trnjam ...“, d. i. Die Lilie unter Dornen (ebd. 1768, Kalliwoda, 12°.); – „Ta male Katechismus Petra Kanisiusa ...“, d. i. Der kleine Katechismus des Petrus Canisius (ebd. 1768, 12°.); – „Marianske Kempensar“, d. i. Die Nachahmung Mariä nach Thomas a Kempis (Laibach 1769, 12°.); – „Sv. misl sa mertwe moliti“, d. i. Fromme Gedanken für Grabgebete (ebd. 1769, 12°.); – „Popisuvaje Sbivlenja S. Floriana, SS. Jannesa inu Paula, S. Donata inu S. Emigdija“, d. i. Beschreibung der Martyrien des heil. Florian, der heil. Johannes und Paul u. s. w. (ebd. 1769, 12°.); – „Sveti postni Evangeljumi“, d. i. Die heiligen Fastenevangelien (ebd. 1771, 8°.); – „Pet SS. Petkow mesza [450] Suschza“, d. i. Die fünf heiligen Freitage des Märzmonates u. s. w. (ebd. 1774, 12°.); – „Usakdane Kruh“, d. i. Das tägliche Brod, ein Andachtsbuch (ebd. 1777, 32°.); – „Bukuvze sa rajtenge“, d. i. Büchlein für Rechnungen (ebd. 1781, 8°.); – „Mathia Schoenberga oppravk tega zhloveka“ (ebd. 1781, 8°.), eine Uebersetzung des seiner Zeit geschätzten Buches: „Das Geschäft des Menschen, von dem am 19. April 1792 verstorbenen Mathias von Schönberg“, das mit Kupfern und Vignetten zuerst in München im Jahre 1773 erschienen und öfter nachgedruckt worden ist; – „Tu malu besedische“, d. i. Kleines dreisprachiges Wörterbuch (ebd. 1782, 4°.); – „Jannesa Nepomuc. Tschupika Pridege na nedele zhes leitu“, d. i. Des Johann Nepomuk Tschupik’s Predigten auf die Sonntage des ganzen Jahres (Wien 1785, Großer, 8°.); – „Bild und Wahrheit, d. i. Darstellung der h. Messe u. s. w.“ (ebd. 1785, mit Holzschn., 32°.), wurde von Crobat in’s Slovenische übersetzt; – „Kmetam sa potrebo inu pomuzh“ (ebd. 1789, 8°.), eine Uebersetzung des seiner Zeit beliebten deutschen: „Noth- und Hilfsbüchleins für Bauersleute, oder lehrreiche Freuden- und Trauergeschichte des Dorfes Mildheim, für Junge und Alte beschrieben“; – „Glossarium slavicum“ (Viennae 1792, 4°.); – „Patroni menstrui praeprimis pro ordine S. P. Augustini cum ejudsdem regula etc.“ (ibid. 1793, 12°.). Interessanter als die vorstehenden Andachts- und sprachlichen Schriften erscheint jedenfalls sein ungedruckter Nachlaß, in welchem sich folgende Arbeiten befinden: „Bibliotheca Carnioliae“, ein 11 Bogen umfassendes Verzeichniß jener Schriftsteller, deren Werke in Krain gedruckt worden, befand und befindet sich wohl noch in der Bibliothek des Theresianums in Wien; eine slovenische Uebersetzung der Psalmen Davids; ein sprachliches Werk: „Janua linguae Carniolicae“; eine kurzgefaßte chronologische Beschreibung denkwürdigster, das Herzogthum Krain betreffender Begebenheiten in slovenischer Sprache; ein „Dictionarium magnum latino germano carniolicum“, welches jedoch nur die ersten drei Buchstaben des Alphabets umfaßt; ein „Chronicon Ordinis Augustini ab anno 355 usque ad moderna tempora“; eine „Memoria Academiae Operosorum Labacensium a. 1781 die 5. Martii renovatae“; eine „Encyclopedia scientiarum et artium tradendarum et addiscendarum“; eine „Compendiaria commemoratio ortus progressusque conventus Augustinianorum Discalceatorum ad S. Josephum Labaci ad vias regias ejusque virorum illustrium etc.“; dann die Protocolle dieses Conventes; eine slovenische Uebersetzung der h. Schrift des alten Testaments und der Davidischen Psalmen u. dgl. m. Paul Šafářík nennt Pochlin den fruchtbarsten, aber auch sprachincorrectesten krainischen Schriftsteller. Die vielen Aemter und Würden, die er bekleidet hat, beweisen, daß er nicht gerade ein ganz gewöhnlicher Mensch, obwohl übrigens ziemlich unwissend, d. h. ohne gründliche Gelehrsamkeit, dabei aber nicht wenig anmaßend, auch, wie es scheint, mehr als billig ehrgeizig war, so daß er z. B. von Arbeiten Anderer, von denen er eine Beeinträchtigung seines Ruhmes besorgen mochte, nichts wissen wollte, wenn sie ihm auch bekannt waren oder wenigstens hätten bekannt sein sollen. Aus dem Mangel tieferer feinerer humanistischer Bildung und des durch dieselbe bedingten Geschmackes, [451] aus der gänzlichen Vernachlässigung gründlicher Sprachstudien und aus der Sucht, als Reformator und Dictator auf dem Gebiete der vaterländischen Sprache und Literatur zu glänzen, sind alle die Mißgriffe zu erklären, die er sich bei seiner rührigen Schriftstellerei zu Schulden kommen ließ. Seine ebenso unnöthigen als grundlosen Neuerungen fanden indeß doch einen starken, wenngleich nicht allgemeinen Eingang. In neuerer Zeit hat besonders Kopitar in seiner Grammatik alle Blößen und Mißgriffe des Pater Marcus mit schonungsloser Strenge aufgedeckt und für die Zukunft unschädlich gemacht. Das Verdienst aber, durch seine zahlreichen Schriften die Leselust seiner Landsleute geweckt und unterhalten, sowie durch seine willkürlichen Neuerungen Andere zum Selbstdenken oder schärferer Prüfung veranlaßt und hiemit auf den raschen Entwicklungsgang der Sprache und ihres Studiums im Vaterlande bedeutend eingewirkt zu haben, bleibt ihm nichtsdestoweniger ungeschmälert. Pochlin erscheint öfters, vornehmlich in slavischen Werken, ohne c (Pohlin) geschrieben, auch wird er manchmal nur nach seinem Klosternamen, Marcus a S. Antonio Paduano, aufgeführt.

Annalen der Literatur und Kunst in den österreichischen Staaten (Wien, J. V. Degen, 4°.) II. Jahrg (1803), Intelligenzblatt des Monats Mai, Sp. 112: Von früher verstorbenen Gelehrten. Von F. C. Alter. – Paul Jos. Šafařík’s Geschichte der südslavischen Literatur. Aus dessen handschriftlichem Nachlasse herausgegeben von Joseph Jireček (Prag 1864, Friedr. Tempsky, 8°.) I. Slovenisches und glagolitisches Schriftthum, S. 23, 49, 54, 68, 71, 72, 75, 85, 87, 91, 92, 98, 99, 103, 117, 118, 124, 129, 135, 142. – Narodne Novine, d. i. Volks-Zeitung (Zara, Fol.) 1863, Nr. 215, im Feuilleton: „Kratak pregled slovenske literature“. – Erster Jahres-Bericht über die k. k. Oberrealschule in Görz. Veröffentlicht 1861 (Görz, J. Seitz, 8°.) S. 11, in der Abhandlung: Abriß der neuslovenischen Literaturgeschichte von Franz Zakrajsek [Herr Z. übersieht neben dem Tadelnswerthen in Pochlin’s Schriften seine unbestreitbaren anderen Verdienste]. – Kopitar (Barth.). Grammatik der slov. Sprache in Krain, Kärnthen und Steiermark (Laibach 1808, 8°.) S. XLIII u. 127–152. – Porträt. Unterschrift: R. P. Marcus a S. Antonio Paduano, vulgo Pochlin, Carniolus Labacensis inter academicos operosos Labacenses dictus Novus, natus 13. Aprilis 1735, Augustinianum Discalceatum indutus 10. April 1755.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Zu dieser Person gibt es Band 16, S. 422, unter Marcus a Sto Antonio Paduano auch einen Artikel.