BLKÖ:Ráday, Paul von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Radda, Adalbert
Band: 24 (1872), ab Seite: 174. (Quelle)
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5. Paul von Ráday (geb. in Ungarn 2. Juli 1677, gest. im Jahre 1733) Ein Sohn des Pesther Vicegespans Caspar von Ráday aus dessen Ehe mit Rosine Libercsey. Auf dem Collegium zu Losoncz, wo er bis 1695 studirte. erhielt er eine ausgezeichnete literarische Bildung; dann begab er sich zur Erlangung der juridischen Praxis zu dem Notar des Neograder und Honther Comitates, Paul Kajali, wo er zwei Jahre blieb und mit dessen Tochter Clara er sich auch vermälte. Im Jahre 1697 nahm ihn Simon Graf Forgacs, Banus von Croatien und sonst ein gebildeter Magnat, als Secretär zu sich und verwendete ihn auch zu militärischen Geschäften. Im Jahre 1699 erwählten ihn die Stände von Neograd, an Stelle des mittlerweile verstorbenen Kajali, zu ihrem Notär. Der Siebenbürger Fürst [175] Franz II. Rakoczy berief R. zu sich und machte ihn zu seinem Kanzler, in welcher Eigenschaft er mit den wichtigsten Missionen betraut wurde. So entsendete ihn Rakoczy im Jahre 1704 nach Schemnitz zu den Friedensverhandlungen zwischen ihm und dem Kaiser Leopold. Im Jahre 1709 ging er in einer Mission Rakoczy’s nach Bender zu dem Schwedenkönige Karl XII., da der französische Hof Rakoczy zwischen Karl XII. und Peter dem Großen zum Schiedsrichter berufen hatte. Nicht geringen Einfluß übte er auch 1711 bei den Verhandlungen des Szathmarer Friedensschlusses. Später fungirte er als Beisitzer der königlichen Tafel, wozu ihn König Karl III. ernannt, und befand sich im Jahre 1712 als Ablegat des Neograder Comitates auf dem Reichstage zu Preßburg. Zwei Jahre später ging er abermals dahin, und zwar im Namen von 26 Comitaten und als Mitglied der sogenannten Pesther Commission, welche die Rechte der Protestanten in Ungarn zu bestimmen hatte und entwickelte vornehmlich in Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen – denn er war Calviner – eine erfolgreiche Thätigkeit; ebenso befand er sich auf dem Reichstage des Jahres 1723 und unterstützte besonders die pragmatische Sanction. Von seinen literarischen Arbeiten sind bekannt eine Beschreibung seiner Reise nach Bender in lateinischer Sprache, ferner ein lateinisches Werk: „Arcana sui temporis“ (s. l. et a.), dann seine Kirchenlieder, welche er unter dem Titel: „Lelki hódolás“, d. i. Geistige Huldigung (Debreczin 1724, 12°.) herausgab und wovon mehrere Auflagen erschienen sind. R. galt als der beste protestantische Liederdichter seiner Zeit und sein Gebetbuch wurde ungemein populär. R. besitzt auch das nicht unwesentliche Verdienst, der Erste die ungarischen Druckwerke gesammelt und so den Grund der berühmten Ráday’schen Bibliothek gelegt zu haben, welche sein Sohn, der Dichter und nachmalige Graf Gedeon, von Ludany in das Schloß zu Péczel übertrug und welche später in den Besitz der Pesther protestantischen Hauptschule überging. [Toldy (Ferencz), A’ Magyar költészet u. s. w., wie oben bei Gedeon Graf Ráday, Bd. I, S. 287. – Handbuch der ungrischen Poesie u. s. w. wie oben, Bd. I, S. 105. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 334. – Danielik és Ferenczy, Magyar irók, Bd. I, S. 377. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, A. Loewe, 8°.) Tom. III, p. 108. – Toldy, Geschichte der ungrischen Dichtung ... übersetzt von Gustav Steinacker u. s. w., S. 305.]