BLKÖ:Ritter, Ernst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ritter, Paul
Band: 26 (1874), ab Seite: 192. (Quelle)
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Noch sind folgende Personen des Namens Ritter anzuführen:

1. Ernst Ritter, der Pseudonym für eine schriftstellernde Dame, die keine geborne Oesterreicherin, doch seit Jahren in Oesterreich, und zwar in Wien, Aussee, wo sie eine Villa besaß, welche jetzt im Besitze des Herzogs von Braunschweig ist, und in Linz lebte. Ihr eigentlicher Name ist Binzer und nach einer im Besitze des Herausgebers dieses Lexikons befindlichen Visitenkarte ist sie eine „Baronin (?) Binzer geborne von Gerschau“. Heinrich Kurz im 4. Bande seiner „Geschichte der deutschen Literatur“ schreibt sie Pinzer, was unrichtig ist. Nach Kurz hätte sie längere Zeit bei der Herzogin Dorothea von Kurland gelebt, und die Frankl’schen „Sonntagsblätter“, welche ihrer Zeit zuerst auf diese Dame aufmerksam gemacht, nennen sie die in Augsburg lebende Gattin des Herrn von Binzer, der ebenfalls als Schriftsteller unter seinem Namen mit dem Buche: „Venedig im Jahre 1845“ und mit „Novellen“ unter dem Pseudonym Beer aufgetreten ist. Allem Anscheine nach ist sie also die Gattin des als Verfasser des Studentenliedes „Wir hatten gebaut ein stattliches Haus“ bekannten August von Binzer, der über ein Vierteljahrhundert im Sommer in Alt-Aussee und im Winter in Linz lebte und am 20. März 1868 zu Neisse in Schlesien gestorben ist. Die von Ernst Keil herausgegebene „Gartenlaube“ brachte im Jahrgange 1868, Nr. 25, S. 389, in dem Aufsatze: „Wieder Einer von der eisernen Jugend“ einen sehr anziehenden Aufsatz über ihn mit seinem Bildnisse. Um zu Frau von Binzer zurückzukehren, so ist es bekannt, daß sie seit Jahren mit dem Dichter v. Zedlitz in freundschaftlichen Beziehungen stand und denselben während seiner letzten Krankheit bis zu seinem Tode mit der größten Hingebung pflegte. Jetzt soll sie nach Steiermark sich zurückgezogen haben. Sie trat so ziemlich gleichzeitig als Novellistin und dramatische Dichterin, beides unter dem Pseudonym Ernst Ritter, den sie auch für die Folge beibehalten hat, auf. Sie gab im Jahre 1846 „Mohnkörner. Gesammelte Novellen“, 2 Bände (Pesth, Heckenast, 8°.) heraus, welche eine sehr beifällige Aufnahme fanden, aber von ihren späteren „Erzählungen“ (ebd. 1850) übertroffen wurden. Auf die Bühne brachte sie drei größere Stücke; alle drei: „Die Gauklerin“, Drama in fünf Acten nach Heinrich König’s Roman „William’s Dichten und Trachten“, dann im Jahre 1847 das Drama: „Karoline Neuber“ und nach mehr als zehnjähriger Pause im Jahre 1868 das idyllische Schauspiel „Ruth“, wurden auf dem Wiener Burgtheater gegeben. Die ersten zwei fanden einen sogenannten Succès d’estime, das letzte einen durch die Unempfänglichkeit eines katholischen Publicums für dramatisch bearbeitete biblische Stoffe veranlaßten Mißerfolg. [Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1846, Beilage Nr. 34: „Kein Ritter“. – Grenzboten, herausg. von I. Kuranda (Leipzig, 8°.) 1847, Bd. I, S. 169, in der „Correspondenz 2“. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten [193] Schriftsteller (Leipzig 1870, Teubner, schm. 4°.) Bd. IV, S. 700. – Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1868, Nr. 1258, im Feuilleton: „Das Burgtheater von 1848 bis 1868. Von Heinrich Laube. XIX.“ – Presse (Wiener polit. Blatt) 1858, Nr. 254, im Feuilleton.] –