BLKÖ:Rosenberg-Orsini, Philipp Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 18. (Quelle)
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Rosenberg-Orsini, Philipp Joseph Graf (Staatsmann, geb. 24., nach Hermann 3. Juni 1691, gest. zu Wien 7., nach Hermann 5. Februar 1765). Ein Sohn des Grafen Wolfgang Andreas aus dessen dritter Ehe mit Ernestine Fürstin Montecuculi. Graf Philipp Joseph zählte erst vier Jahre, als er seinen Vater verlor. Seine Erziehung leitete nun die Mutter in Gemeinschaft mit seinem Vormunde, dem Grafen von Oed. Er wurde vornehmlich im kameralistischen Fache ausgebildet, betrat aber zunächst die diplomatische Laufbahn, indem er, nachdem ihn Kaiser Joseph I. im Jahre 1711 zu seinem Kämmerer ernannt, von Kaiser Karl VI. im Jahre 1713 der Mission beigegeben wurde, welche dem Könige von Portugal zur Geburt des Prinzen von Brasilien die Glückwünsche des kais. Hofes darbringen sollte. Nach seiner Rückkehr bekleidete er in rascher Folge höhere Posten, so wurde er zunächst Hofkammerrath, dann Präsident mehrerer Cameral-Haupt-Commissionen, im April 1721 erster Rath und Kammer-Director im eroberten Königreiche Serbien und am 19. Juni 1722 Präsident über das Salzwesen. Nach einiger Zeit legte er sein Amt nieder und lebte fern von allen Staatsgeschäften auf seinen Besitzungen, bis er im April 1744 dem Rufe der Kaiserin Maria Theresia folgte, die ihn als Gesandten an den königlich preußischen Hof schickte. Daselbst aber war seines Bleibens nicht lange; bei Ausbruch des Krieges mit Preußen verließ er seinen Posten und erhielt seine Bestimmung nach St. Petersburg. Er löste dort den Marquis Anton Otto Botta-Adorno [Bd. II, S. 91] ab, der als kön. ungarischer Abgesandter sich durch Intriguen am kais. Hofe unmöglich gemacht und abberufen werden mußte. Rosenberg hatte die nicht leichte Aufgabe, die durch Botta’s Vorgehen erbitterte Kaiserin Elisabeth wieder für den österreichischen[WS 1] Hof zu gewinnen, was ihm auch gelang, indem er am 3. November 1744 in einer feierlichen, im Namen seiner Regierung gegebenen Erklärung Botta’s Handlungen und Betragen mißbilligte. Im November 1745 abberufen, begab sich R. als Gesandter nach Holland, wo er mit dem bevollmächtigten Minister Franz Freiherrn von Reischach [Bd. XXV, S. 242, Nr. 2] die Generalstaaten von dem Vorsatze der Neutralität abbrachte, welche sie bei dem Einfalle der Franzosen in die Niederlande zu bewahren die Absicht hatten. Von dort begab er sich nach England und nach einem kurzen Aufenthalte daselbst nach Lissabon, wo er im October g. J. seine Functionen als kaiserlicher Gesandter [19] übernahm. Im März 1748 verließ er Lissabon, wurde 1750 Präsident der niederösterreichischen sogenannten Repräsentation und Kammer, und im Mai 1753 Nachfolger des Marquis von Prie auf dem Gesandtschaftsposten bei der Republik Venedig. Dort lernte der Graf, der seine erste Gemalin, Maria Dominika geb. Gräfin Kaunitz, im Jahre 1756 durch den Tod verloren hatte, die geistvolle Justine, Tochter des Baronet Wynne, kennen, die im Jahre 1758 seine Gattin wurde [vergl. ihre besondere Biographie S. 17]. Elf Jahre blieb der Graf auf seinem Posten in Venedig. Im Jahre 1764 wurde er abberufen und schon im Februar des folgenden Jahres starb er im Alter von 74 Jahren. Durch Beerbung seiner Vettern Karl Joseph und Joseph Leopold, wodurch ihm nicht weniger denn zehn Herrschaften zufielen, vermehrte Graf Philipp Joseph seinen schon vorher fürstlichen Besitz in ansehnlichster Weise. Aus seiner Ehe mit seiner ersten Gattin Gräfin Kaunitz – die zweite mir Miß Wynne war kinderlos geblieben – hinterließ er fünf Töchter und einen Sohn Vincenz Ferrer Andreas [s. d. Folg.]. Ueber die Heirathen der Tochter vergleiche die Stammtafel.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: österreischen.