BLKÖ:Rotter, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 166. (Quelle)
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Rotter, Ludwig (k. k. Vice-Hofcapellmeister und Componist, geb. zu Wien am 6. September 1810). Sein Vater Joseph war Doctor juris, selbst ein Freund und Förderer der Kunst und Wissenschaft, der dem Knaben nicht nur gute Lehrer hielt, sondern ihm selbst in Vielem an die Hand ging, um ihn zum Lernen anzueifern und seine Fortschritte in den Kenntnissen zu fördern. Zugleich mit den Studien, die er am Wiener akademischen Gymnasium zurücklegte, ging der Unterricht in der Musik, u. z. im Violin-, Piano- und Orgelspiele – denn der Knabe verrieth entschiedene musikalische Begabung – Hand in Hand; auch wurde dabei auf die musikalische Theorie Bedacht genommen und schon frühzeitig versuchte sich R. in der Composition. In der Folge jedoch machte R. eindringliche Studien in der Harmonielehre und in der Wissenschaft des Contrapunctes. Nach beendeten Humanitätsclassen entschloß sich R., sich vollends der Musik zuzuwenden und sah sich vor der Hand angewiesen, Unterricht im Clavierspiel und Generalbaß zu ertheilen. Bald fanden sich Schüler, da R. ein ebenso fertiger Pianospieler war, als die Gabe besaß, in mannigfaltigen Stylarten zu improvisiren, worin er sich schon frühzeitig ausgebildet hatte. Sehr förderlich in seinem Berufe als Musiklehrer wurde ihm die Bekanntschaft mit mehreren Koryphäen der damaligen in Wien so beliebten italienischen Oper, wie mit Rubini, Berettoni, Tamburini u. A. Diese berühmten Sänger wurden in die Häuser des Wiener hohen Adels zur Ertheilung von Gesangsunterricht oder auch zu musikalischen Productionen gebeten und diese wieder wählten R., um die Stelle eines Accompagnateurs auf dem Claviere zu übernehmen. Die Fertigkeit R.’s auf seinem Instrumente, seine Geschicklichkeit die Noten vom Blatte zu lesen, besonders aber die: ganze Nummern – ohne vorherige Vorbereitung – nach Erforderniß um einen halben oder ganzen Ton höher oder tiefer zu transponiren, ließen bei solchen Gelegenheiten mit besonderer Bevorzugung die Wahl auf R. fallen. Zu Anfang der Dreißiger-Jahre erhielt R., der durch seine Geschicklichkeit sich bald einen Ruf erworben, die Organistenstelle an der Pfarre Am [167] Hof zu Wien und dann auch an der Universitätskirche, im Jahre 1843 wurde er Professor der Harmonielehre, des Generalbasses und Orgelspieles am Wiener Kirchenmusik-, nachherigen Cäcilien-Vereine, zwei Jahre später, 1845, als Nachfolger Joseph Drechsler’s [Bd. III, S. 380] Chordirector der vorerwähnten Kirchen. In der Zwischenzeit hatte sich R. um die Hoforganistenstelle beworben, und bei einem Concurse um dieselbe mit seinem Elaborate die Zufriedenheit Aßmayr’s [Bd. I, S. 80] und Eybler’s [Bd. IV, S. 120] erworben, bevor er aber den angestrebten Posten erhielt, wurde er erst im Jahre 1858 Mitglied der k. k. Hofcapelle, im Jahre 1862 zweiter – und nach Simon Sechter’s im Jahre 1867 erfolgtem Tode – erster Hoforganist. Nach zahlreichen, mit dem günstigsten Erfolge stattgefundenen Aufführungen seiner Kirchen-Compositionen wurde R. im Jahre 1870 – mit Beibehaltung seiner ersten Hoforganistenstelle – k. k. Vice-Hofcapellmeister, behielt aber die Chordirectorstelle an der l. f. Pfarrkirche Am Hof bei. R. war während der vieljährigen Ausübung seines Berufes auch fleißig als Compositeur, namentlich im Kirchenfache thätig. Das Verzeichniß seiner gedruckten und handschriftlichen Arbeiten folgt auf der nächsten Spalte. Auch erschien von ihm im Verlage bei Fr. Glöggl ein größeres theoretisches Werk, betitelt: „Harmonologie“. Seine Arbeiten erfreuen sich von Kennern großen Beifalls und die zahlreichen Ausführungen derselben hatten sowohl die schmeichelhaftesten Anerkennungen seiner vorgesetzten Behörde – des Oberstkämmereramtes – wie hoher kirchlicher Autoritäten, ferner von Kunstfreunden und Musikvereinen zur Folge. Zahlreiche Musikgesellschaften, darunter das Mozarteum in Salzburg, die Musikvereine zu Prag, Innsbruck und andere ehrten sich und ihn durch Aufnahme in den Schooß ihrer Mitglieder. Die Musiklexika kennen – nicht zu seinem, sondern zu ihrem Nachtheil – seinen Namen nicht, doch eine Musik-Autorität, Ludwig Ritter von Köchel, bemerkt über ihn, „daß seine geist- und stylvollen Kirchenmusiken ebenso gekannt als geschätzt sind.

Verzeichniß der Compositionen Ludwig Rotter’s. a) Im Stiche erschienene. Messen I. in C, – II. in D, – III. in B – IV. in F, – V. in G, – VI. in C, – VII. in F, – VIII. Missa brevis in D. – Gradualien: Sit nomen, – Timete Dominum, – Ave Maria, – Confitemini, – Domine convertere, – Benedicite, – Ave maris stella, – Revela, – Laudans, – Cor mundum, – Benedicta, – Jubilate, – Si ambulavero, – Christus natus (Pastoral-Graduale). – Offertorien: Confiteantur, – Laudans invocabo, – Justitiae domini, – Dominus regit, – Fiat misericordia, – Salve Regina, – Salve mundi Domina, – Sperate in Deo, – Operuit, mit der Fuge: Laudis Ejus, – Ave maris stella, – Vias tuas. – Fuge (C-moll) für das Pianoforte. Sämmtliche oberwähnte Werke erschienen zuerst bei Fr. Glöggl und gingen dann in das Verlagseigenthum der Kunsthandlung Fr. Schreiber (Nachfolger Spina’s) über. – Andere Compositionen: „Sonate pour le Piano à quatre mains“, Op. XII (Müller’s Witwe u. Sohn): mehrere kleinere Clavierstücke: Variationen Rondo, Divertissement, Nocturne. – b) Handschriftliche, durch mehrfache Aufführungen in Kirchen bekannt gewordene. Messen: Missa in A, – Missa sol. in Es, – Missa sol. in C, – Pastoral-Messe in B und Pastoral-Offertorium. – Missa sol. in D-moll, – Missa quadragesimalis in G-moll. – Gradualien: Domini est salus, – Desiderium, – Dominus virtutem, – Timor Domini, – De profundis, – Tenuisti D-moll (con strom.), – Tenuisti B-dur (senza strom.)Clamaverunt, – Veni creator, – Surrexit Christus, – Psallite, – O beata!Christus factus est, u. a. m. – Offertorien und Anderes: Domine, memento [168] (Fuge), – Mirifica misericordias tuas (Fuge), – Dulcis laetabitur, – Deus misereatur, – Sit gloria, – Confitebor, – Nunc dimittis, – Salve virgo, – Recordatus, – Salve mater, – Ora pro nobis, – Salve Regina, – Miserere nobis, – Domine, dominus noster, – ferner: Te Deum, – Veni sancte, – Regina coeli, – Adorna thalamum, – Requiem (G-moll), – Requiem (A-moll).
Köchel (Ludwig Ritter v. Dr.), Die kaiserliche Hof-Musikkapelle in Wien von 1543 bis 1867. Nach urkundlichen Forschungen (Wien 1869, Fr. Beck, 8°.) S. 114.