BLKÖ:Rukavina von Boynograd, Mathias Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 251. (Quelle)
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Rukavina von Boynograd, Mathias Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant[WS 1] und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Tarnovacz in Croatien im J. 1737, gest. zu Penzing bei Wien 3. Mai 1817). Betreffs der Familie gilt von ihr dasselbe, was bei Georg Rukavina von Vidovgrad[WS 2] gesagt worden. Auch .Mathias. R. war Officierssohn und trat im August 1755 als Fahnencadet in das Infanterie-Regiment Joseph Fürst Eßterházy. Mit demselben zog er in den siebenjährigen Krieg und zeichnete sich bei Lobositz (am 1. October 1756) durch seine Tapferkeit so aus, daß er zum Unterlieutenant im Infanterie-Regimente Johann Graf Pálffy befördert wurde. Auch in den Feldzügen der folgenden Jahre that sich R. hervor, vornehmlich bei Landshut, wo er mit Freiwilligen die auf dem Galgenberge errichtete Schanze erstürmte, wobei er am Kopfe verwundet wurde, und dann bei Eroberung der Festung Glatz, in welche er mit 40 Arbeitern eindrang und zwölf Oberofficiere nebst nahezu 100 Mann mit dem Säbel in der Hand gefangen nahm und in’s Hauptquartier ablieferte. R. rückte in Folge dessen zum Grenadier- Oberlieutenant in seinem Regimente vor. Bei Melnik leistete R. mit nur einer Division des Regiments Pálffy, mit 100 Tiroler Jägern und 17 Huszaren dem über 6000 Mann starken Corps des Generals .Sobek., der vor Tzebus und Protzen sich gelagert hatte und Miene machte, nach Melnik vorzurücken, standhafte Gegenwehr, und vor Rollendorf hielt er gleichfalls mit einer Division und 30 Jägern den aus Böhmen herausmarschirenden Feind durch vier Tage mit kleinen Gefechten und Plänkeleien auf, brachte ihm durch Todte und Verwundete, wie Wegnahme vieler Bagage beträchtlichen Schaden bei, während er selbst nur einen Todten und sieben Verwundete zählte. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges wurde R. Hauptmann im Liccaner Grenz-Regimente, im Jahre 1778 Major im Ottočaner Grenz-Regimente, und als Kaiser Joseph. im Jahre 1786 die Karlstädter Grenze bereiste, Oberstlieutenant außer seinem Range bei den Ogulinern. Als solcher [252] zog er mit dem Regimente in den Türkenkrieg, wurde in demselben zweimal tödtlich verwundet und im December 1789 zum Obersten befördert. Nach Beendigung des Krieges stand er bei der türkischen Grenz-Demarcation in thätiger Verwendung. bis er im Jahre 1794 mit zwei aus den vier Karlstädter Regimentern zusammengesetzten Bataillonen zur Armee nach Italien beordert wurde. Daselbst gab er bei mehreren, ihm von dem commandirenden Feldzeugmeister De Vins gegebenen Aufträgen erneuerte Proben seiner Umsicht und Tapferkeit, so daß er in Folge dessen im Mai 1795 zum General-Major befördert wurde. Als solcher griff er am 24. Juni g. J. mit dem Bajonette und ohne einen Schuß zu thun: „ an der Spitze seiner Brigade die Franzosen auf Madonna del Monte an, hielt ungeachtet einer an der Schulter erhaltenen schmerzhaften Verwundung bis zur Beendigung des Kampfes, in welchem die Franzosen völlig zurückgeworfen wurden, an der Spitze seiner Truppe aus und übernahm dann noch mit offener Wunde das Commando der Vorposten, neuerliche Beweise seiner Tapferkeit gebend. Nun kam er zur Besatzung der Festung Mantua und erkämpfte sich da das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Auf den von dem Feinde am meisten bedrohten Posten Migliaretto gestellt, schlug er sieben Angriffe desselben entschieden ab und eiferte durch sein heldenmüthiges Beispiel Tag und Nacht die Mannschaft zur Ausdauer an. In der 43. Promotion (ddo. 10. August 1796) wurde ihm – außer Capitel –die verdiente Auszeichnung zuerkannt. Nach dem Ende Juli 1796 erfolgten Entsatze Mantua’s erbat sich R. zur Pflege seiner geschwächten Gesundheit einige Ruhe, blieb aber, als es entschieden war, daß Mantua eine zweite Belagerung zu bestehen habe, bis zur Uebergabe des Platzes auf seinem Posten. Im Jahre 1798 wurde R. Militärcommandant in Dalmatien und Albanien, in welcher wichtigen Stellung ihm die Kenntniß der Sprache und Verhältnisse des Landes in fördersamster Weise zu Statten kamen. Seine Energie und Unbeugsamkeit, wozu ihm eine athletische äußere Erscheinung in nicht unwesentlicher Weise zu Statten kam, hielten in dem in mannigfacher Weise, namentlich an den Grenzen bedrohten Generalate die Ruhe und Ordnung aufrecht. R. wurde im Jahre 1801 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und trat nach dem Wiener Frieden in den Ruhestand, den er in Penzing bei Wien verlebte, wo der tapfere Soldat im hohen Alter von 80 Jahren sein tapferes Leben beschloß. R.’s Verdienste wurden außer der schon erwähnten Verleihung des Maria Theresien-Ordens wiederholt gewürdigt. Schon im Jahre 1779 wurde ihm der Ritterstand verliehen, die Erhebung in den Freiherrnstand erfolgte auf Grund der Statuten des Maria Theresien-Ordens im Jahre 1797. Im Jahre 1803 verlieh ihm Se. Majestät das ungarische Infanterie-Regimente Nr. 52, vormals Erzherzog Anton, dessen zweiter Inhaber er blieb, als im folgenden Jahre es den Namen Sr. kaiserlichen Hoheit Erzherzog Franz Karl erhielt.

Ritterstands-Diplom ddo. Wien 15. October 1779. – Freiherrnstands-Diplom ddo. Wien 16. October 1797. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 500 u. 1739. – Freiherrliches Wappen. Quadrirter Schild. 1 und 4: in Blau auf grünem Rasen ein im Gange begriffenes weißes, mit rothem Sattel und Zeug versehenes Pferd, auf welchem ein geharnischter Mann mit offenem Visir, rothem [253] Helmbusch, in der Rechten ein bloßes Schwert an goldenem Gefäße zum Hiebe schwingend, in der Linken die Zügel haltend, sitzt; 2 und 3: in Gold ein natürliches Castell, auf dem ein geharnischter Arm aufliegt, dessen Hand einen bloßen Säbel an goldenem Gefäße zum Hiebe schwingt. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich drei gekrönte Turnierhelme erheben. Die Krone des mittleren, in’s Visir gestellten trägt einen hervorwachsenden schwarzen Adler mit ausgespannten Schwingen; die des rechten den geharnischten Arm mit dem Säbel; aus jener des linken steigt der Reitersmann von 1 und 4 hervor. Die Helmdecken sind durchgehends blau, mit Gold unterlegt. Schildhalter: Zwei geharnischte Männer mit offenen Visiren, rothen Helmbüschen, Schwertern mit goldenen Gefäßen um die Lenden, die freien Hände in die Hüften gestützt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Feldmarschall-Lieunant.
  2. Vorlage: Georg Rukovina von Vidovgrad.