BLKÖ:Rust, Johann Nepomuk

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ruszek, Joseph
Band: 27 (1874), ab Seite: 299. (Quelle)
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Rust, Johann Nepomuk (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Jauernigg bei Schloß Johannisberg in Oesterreichisch-Schlesien am 5. April 1775, gest. auf seinem Landgutes Klentsch in Schlesien am 9. October 1840). Sein Vater war fürstbischöflicher Regierungsrath und Kammerdirector. R. besuchte die Normalschule in Troppau, das Gymnasium in Weißwasser und trat, nachdem er dasselbe beendet, beim Ingenieurcorps in österreichische Kriegsdienste. Da sich aber in denselben wenig Aussichten auf Beförderung darboten, trat er gegen den Willen der Eltern aus denselben und widmete sich der wissenschaftlichen Laufbahn. Ohne Unterstützung vom Elternhause begab er sich nach Wien, wo er die philosophischen Studien hörte und sich vom Unterrichtertheilen seinen Lebensunterhalt erwarb. Da ihm eben die Mittel fehlten, begann er auch zunächst die juridischen Studien, die er so lange fortsetzte, bis es ihm gelang, in Folge seiner ausgezeichneten Verwendung ein Stipendium zu erhalten und nun das Studium der Medicin, welches ihn besonders anzog, zu beginnen. Er besuchte die Vorträge zuerst an der Hochschule in Wien, dann an jener zu Prag, wo er dieselben im Alter von 24 Jahren, 1799, beendete. Er erlangte nun die Doctorwürde und begab sich nach Wien zurück, wo er noch die Vorträge von Peter Frank, Adam Schmidt und Beer hörte, worauf er sich zur Ausübung der Praxis in seine Vaterstadt begab. Aber seine Thätigkeit als Arzt und Wundarzt sagte ihm bei seinem vorherrschenden Drange nach wissenschaftlicher Thätigkeit in seinem Fache wenig zu, und als die Lehrämter der Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe am Lyceum zu Olmütz erledigt waren, bewarb er sich darum. Nach abgelegter Concursprüfung wurde er auch im Jahre 1802 als Professor der Anatomie in Olmütz angestellt. Nach einjähriger Wirksamkeit auf diesem Posten wurde er, als im Jahre 1803 die Regulirung der Universität in Krakau stattfand, als o. ö. Professor der höheren, sowohl theoretischen als praktischen Chirurgie [300] dahin befördert und blieb auf seinem Posten bis zur Abtretung Westgaliziens an das damalige Großherzogthum Warschau, alle Anerbietungen der neuen Regierung ablehnend, um seine Dienste dem Vaterlande ferner widmen zu können. In Krakau war übrigens seine Stellung nichts weniger als angenehm, da ihm der Zunftneid seiner Collegen das Recht zur Ausübung der ärztlichen Praxis streitig machte, in Folge dessen er sich neuerdings den vorgeschriebenen theoretischen und praktischen Prüfungen unterzog, worauf ihm der Senat sein medicinisches Doctordiplom zustellte. R. begab sich nun nach Lemberg und von dort nach Wien, wo man ihm im Jahre 1810 die eben erledigte, seinem früheren Posten freilich nicht ganz angemessene Stelle eines Primar-Chirurgen im allgemeinen Krankenhause übertrug. R. besaß damals schon einen großen Ruf als operativer Heilkünstler und als klinischer Lehrer (denn er schuf seine Krankenabtheilung zum klinischen Institute um), der sich in dieser neuen Wirksamkeit noch steigerte und ihm eine Menge Widersacher und Neider zuzog, so daß er endlich dieser Nergeleien müde wurde und den Entschluß faßte, den österreichischen Staatsdienst zu verlassen, den er im Jahre 1815 auch ausführte, indem er den an ihn ergangenen Ruf, als General-Divisionschirurgus und Professor in preußische Dienste zu treten, annahm. In ersterer Eigenschaft machte er den Feldzug 1815 im preußischen Heere mit. Daselbst wurde ihm die ärztliche Oberaufsicht beim vierten, von dem General Grafen Bülow-Dennewitz befehligten Armeecorps übertragen. Nach beendigtem Feldzuge wurde er dem General-Commando des dritten Armeecorps in Berlin zugetheilt und zugleich zum ordentlichen öffentlichen Professor der Chirurgie und Augenheilkunde an der medicinisch-chirurgischen Militär-Akademie und zum Nachfolger Mursinna’s als erster Wundarzt der Charité und klinischer Lehrer daselbst ernannt. Im Jahre 1818 wurde er ordentlicher Professor an der medicinischen Facultät, im folgenden Jahre geheimer Ober-Medicinalrath, Mitglied der Medicinal-Abtheilung im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, 1822 General-Stabsarzt der Armee und 1829 mit Beibehaltung aller Aemter Präsident der zur Verbesserung des Hospital- und Krankenwesens von ihm selbst in’s Leben gerufenen neuen königlichen Behörde: Curatorium für die Krankenhausangelegenheiten. R. besaß als Arzt, Lehrer und Staatsbeamter große Verdienste. Noch während seines Aufenthaltes in Wien waren seine Ordinationsstunden von angehenden Aerzten und Wundärzten des In- und Auslandes zahlreich besucht, denn mit der Gabe eines ausgezeichneten Vortrages verband er eine lichtvolle und den Gegenstand vollständig beherrschende Darstellung. Durch seinen Abgang hatten nur die Wiener Facultät und der Staat verloren, denn in Preußen ist Rust als der eigentliche Gründer des jetzigen preußischen Medicinalwesens anzusehen; er hat die organischen Statuten desselben entworfen und dieses Werk seiner Umsicht und Sachkenntniß mit Kraft und Energie in die Praxis eingeführt; ein Hauptverdienst Rust’s besteht auch darin, daß er schon damals die leidige Spaltung zwischen Civil- und Militärärzten – also um volle vierzig Jahre früher als in Oesterreich, das die Wegräumung dieses der Wissenschaft sich entgegenthürmenden Bollwerkes zu den Errungenschaften der Neuzeit zählt – [301] durch gesetzliche Einrichtungen entfernt und durch Erforderniß Einer Prüfung die Aerzte, sie mögen dem Heere folgen oder am heimatlichen Herde im Dienste der leidenden Menschheit ihres Berufes walten, gleichgestellt hat; ferner hat er die Vereinigung der bis dahin in der Praxis strenge geschiedenen Chirurgie und Medicin glücklich in’s Werk gesetzt, für die ökonomische und scientifische Verbesserung der gerichtlichen Aerzte und Wundärzte, der Hospitäler, der Krankenpflege überhaupt die größte Sorge getragen und sie gesetzlich gesichert. Was seine Thätigkeit im Lehramte betrifft, so wurde der Lebendigkeit und Genialität seines Vortrages bereits oben gedacht, und ist hier nur noch beizufügen, daß er sich insbesondere durch naturgemäße Darstellung des Wesens dunkler Krankheiten, namentlich der dyskratischen Gelenkleiden, der Geschwüre und proteusartigen Dyskrasien, um die ärztliche Wissenschaft große Verdienste erworben. Als Schriftsteller besaß er bedeutenden Ruf, und die Titel der von ihm herausgegebenen Schriften sind: „Helkologie, oder über die Natur, Erkenntniss und Heilung der Geschwüre. Nebst einem Anhange sich darauf beziehender Beobachtungen“, 2 Bände (Wien 1811, Heubner, gr. 8°.); die neue Auflage erschien unter dem Titel: Helkologie oder Lehre von den Geschwüren. Neu bearbeitet. Mit dem Bildnisse des Verfassers (ebd. 1841, mit 12 ausgem. Kupfert., kl. Fol.); eine neue, für Minderbegüterte, besonders Studirende, veranstaltete Ausgabe ohne Abbildungen (ebd. 1844, kl. Fol.) kostete 41/3 Thlr., während die frühere mit den K. K. 15 Thlr., ohne diese 9 Thlr. kostete; – „Einige Beobachtungen über die Wunden der Luft- und Speiseröhre mit Bemerkungen in Bezug auf ihre Behandlung und ihr Letalitätsverhältniss“ (ebd. 1814, gr. 4°.); – „Magazin für die gesammte Heilkunde“. Mit Abbildungen. 1.–24. Bd. à 3 Hefte (Berlin 1816–1827, Reimer, gr. 8°.); 25.–66. Bd., oder Neue Folge, 1. bis 42. Bd. à 3 Hefte mit besonderer Rücksicht auf das allgemeine Sanitätswesen im kön. preuß. Staate“. Mit Bildnissen u. Abbildgn. (ebd. 1827–1846, gr. 8°.); ein besonders erschienener Supplementband enthält das vollständigste Register der ersten zehn Bände; – „Arthrokakologie, oder über die Verrenkungen durch innere Bedingungen und über die Anwendung der Feuers bei diesen Krankheitsformen“. Mit 8 K. K. (ebd. 1817, gr. 4°.); – „Die egyptische Augenentzündung unter der kön. preuss. Besatzung in Mainz“ (Berlin 1820, Reimer, gr. 8°.); – „Ueber den sogenannten Wanderdoctor Grabe. Nebst Mittheilungen des amtlichen Berichtes über seine angestellten Heilversuche“ (ebd. 1825, Reimer, gr. 8°.); – „Ueber die rationelle Behandlung eingeklemmter Brüche. Vorlesung“ (ebd. 1825, Reimer, gr. 8°.), aus dem Magazin für die gesammte Heilkunde besonders abgedruckt; – „Theoretisch-praktisches Handbuch der Chirurgie mit Einschluss der syphilitischen und Augenkrankheiten. In alphabet. Ordnung. Unter Mitwirkung eines Vereins von Aerzten und Wundärzten herausgegeben“, 17 Bände und 1 Registerband (Berlin 1830–1836, gr. 8°.), 69 Thlr., herabges. Preis 25 Thlr.), über dieses Werk bemerkt die Fachkritik, daß dasselbe wohl seinen Namen trage, man aber seine unmittelbare Mitwirkung darin leider vermisse und daher nach demselben R.’s gründliches Wissen und seine geniale Darstellung nicht beurtheilt werden dürfe; – „Einiges über die Cholera. Ein Sendschreiben an Se. Excellenz den K. Preuss. wirkl. Geh. Rath ... Freiherrn Alex. v. Humboldt in Paris“ (ebd. 1832, gr. 8°.); – „Aufsätze und Abhandlungen aus dem Gebiete der Medicin, Chirurgie und Staatsarzneikunde“, [302] 3 Bde. Mit 4 lith. Taf. (Berlin 1834, 1836, 1840, Th. Enslin, gr. 8°.): – „Die Medicinal-Verfassung Preussens, wie sie war und wie sie ist. Actenmässig dargestellt und kritisch beleuchtet“ (ebd. 1838, Enslin, gr. 8°.). Außer diesen selbstständigen Werken gab R. in Gemeinschaft mit Joh. Ludw. Caspar in den Jahren 1823 bis 1828 20 Bande „Kritisches Repertorium für die gesammte Heilkunde“ (Berlin, Reimer, gr. 8°.) heraus; besorgte in Gemeinschaft mit Eck und Großheim die Redaction des 6. bis 9. Jahrganges der von dem medicinischen Verein für Heilkunde in Preußen herausgegebenen, im Jahre 1832 von Hecker begründeten, in Berlin bei Enslin erschienenen „Medicinischen Zeitung“; betheiligte sich an dem mit Benützung amtlicher Quellen von J. C. Albers, F. D. Barez, E. Bartels, Wilh. Eck, Ernst Horn, Fr. Klug und W. Wagner in 3 Bänden (Berlin 1832 und 1833, Enslin) herausgegebenen „Cholera-Archiv“; zugleich mit Trüstedt, Kluge, Busch und Albers an der nach der Preisschrift Jos. Hermann Schmidt’s (Berlin 1839, Enslin, gr. 8°., mit 32 Taf. Abbildungen) veranstalteten Ausgabe des Lehrbuchs der Geburtskunde für Hebammen in den kön. preuß. Staaten, und schrieb das Vorwort zu L. Freiherrn von Haxthausen’s Schrift: „Ueber die Heilkraft des Mineralwassers, besonders des Moor- und Badeschlammes bei Muskau“ (Berlin 1826, Reimer, 8°.). Außerdem enthalten mehrere Fachblätter Aufsätze aus seiner Feder. Augenschwäche nöthigte R. in den späteren Jahren, sich von den Geschäften zurückzuziehen, und er verlebte seine letzten Jahre auf seiner im Jahre 1838 angekauften Besitzung zu Klentsch im Frankensteiner Kreise, wo er nach den Angaben seines Freundes, des berühmten Architekten Schinkel, sich auf einem schönen Aussichtspuncte ein freundliches, weit in der Ferne sichtbares Schloß erbaut hatte. Schließlich sei noch bemerkt, daß R. ein eifriger Kunstfreund war, eine Sammlung ausgewählter Gemälde besaß, welche er bei seiner Anwesenheit in Wien im Jahre 1833 durch Ankauf der von dem Landrathe Eberl [Bd. III, S. 410] gesammelten, vordem in Brunn aufgestellten Gemälde ansehnlich vermehrt hatte. Eine Beschreibung der Eberl’schen Sammlung brachte das Hormayr’sche Archiv. R. war Mitglied vieler gelehrten Fachvereine und Akademien Preußens und des Auslandes, Leibarzt des Kronprinzen von Preußen, Besitzer des eisernen Kreuzes, Ritter des rothen Adler-Ordens zweiter Classe mit Eichenlaub und mehrerer russischer Orden.

Wiener medicinische Wochenschrift, herausgegeben von Wittelshöfer (gr. 4°.) XXI. Jahrg. (1871), Nr. 33, S. 811, in den „Geschichtlichen Notizen über das medicinische Clinicum der Wiener Universität“ von Dr. G(ustav) L(öbel). – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. VI, S. 756. – Hirschel (Bernard Dr.), Compendium der Geschichte der Medicin von den Urzeiten bis auf die Gegenwart (Wien 1862, Braumüller, gr. 8°.) S. 498, 502, 526, 549, 550, 552, 553, 554, 555, 557, 558, 560. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 450; Bd. VI, Suppl. S. 592 [in Band IV ist Rust ganz aus der alphabetischen Ordnung gestellt, welcher zufolge er auf S. 454 vor Ruttenstock gehört]. – Porträte. 1) Krüger del., F. Bolt sc. (4°.) 1829; – 2) J. Linsen sc. (4°.); – 3) Restberg del. u. lith. (Fol.); – 4) Krüger del., Gille lith. (Berlin, Lüdentz, Fol.); – 5) Lith. von Rettig (Berlin, Gebrüder Rocca, Fol.); – 6) nach Tanzermann gest. von Bolt (Berlin, bei Reimer, Fol.); – 7) und ebenso (Berlin, Hirschwald, Fol.).