BLKÖ:Frank, Johann Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 320. (Quelle)
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Frank, Johann Peter[BN 1] (Arzt, geb. zu Rotalben im Badenischen 19. März 1745, gest. zu Wien 24. April 1821). Entstammt einer französischen Familie. Franks Vater kam zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges nach Deutschland, ließ sich zu Rothalben im Großherzogthum Baden nieder und trieb Landwirthschaft. Eines von 14 Kindern ist Johann Peter, der bei der Rohheit seines Vaters eine traurige Kindheit verlebte. War anfänglich zum geistlichen Stande bestimmt, studirte bei den Piaristen in Rastadt und bei den Jesuiten zu Bouquenon in Lothringen, hörte 1761 Philosophie zu Metz und Pont-à-Mousson und dann, nachdem er selbst die Medicin gewählt, diese 1763 zu Heidelberg und Straßburg, an ersterer Hochschule am 23. August 1766 die medicinische Doctorswürde erlangend. Seine Praxis begann er zu Bitsch in Lothringen, wo einer seiner Brüder wohnte; vertauschte aber bald ob Mangel an Praxis seinen Aufenthalt mit dem in Baden, wo er seine Frau, die Tochter eines Kaufmanns aus Pont-à-Mousson im ersten Wochenbette verlor. 1769 ging er als Leibarzt des Markgrafen von Baden nach Rastadt und vermälte sich dort zum zweiten Male. Nach dem Tode des Markgrafen berief ihn der Fürstbischof von Speier als Leibarzt nach Bruchsal, in welcher Stadt F. sein Lehramt begann und im dortigen Krankenhause Anatomie, Physiologie und Botanik vortrug. Hier auch begann er die Vorarbeiten zu seinem System der Medicinalpolizei, wovon 1779 der erste Band erschien. Dieses wiewohl angefochtene Werk begründete seinen Ruf, und F. erhielt gleichzeitig Anträge zu Professuren in Mainz, Pavia und Göttingen. Er entschied sich für Göttingen, wo er als Baldingers Nachfolger 1784 die Professur der medic. Praxis übernahm. Die Akademie daselbst ernannte ihn zum Mitgliede. Als es ihm aber nicht gelang, die Klinik nach seinen Grundsätzen einzurichten, und er zudem leidend sich fühlte, nahm er schon 1785 den Ruf nach Pavia an, der über Volta’s und Scarpa’s dringlichen Antrag von dem Fürsten Kaunitz erfolgt war. [321] Daselbst übernahm er an Tissots Stelle, der in sein Vaterland zurückkehrte, die Lehrkanzel der praktischen Medicin und Klinik. Schon im folgenden Jahre wurde er Director des Spitales zu Pavia, Protomedikus und Generaldirector des Medicinalwesens in der Lombardie. Im Mai 1788 erhielt er die Oberaufsicht über sämmtliche Krankenhäuser im Lande. In diesem Jahre schuf er die reglementarische Einrichtung einer klinischen Schule zu Pavia; organisirte ein medicinisch-chirurgisches Collegium und verfaßte die Apotheker-Ordnung für die Lombardie. Um seine Schüler mit dem Geiste der deutschen Medicin bekannt zu machen, begann er die Herausgabe seines großen Werkes: „Delectus opusculorum medicorum“, wovon 1785 der erste Band erschien. Am 15. Jänner 1795 folgte F. einem Rufe nach Wien, um daselbst das Militär-Medicinalwesen zu ordnen. Sein Sohn Joseph (s. d. S. 323), der bereits Assistent war, besorgte während seiner Abwesenheit von Pavia die dortige Klinik. F. kehrte nicht wieder nach Pavia zurück, er wurde in Wien Hofrath, Director des Wiener Krankenhauses und Professor der praktischen Medicin an der Wiener Universität. Als solcher legte er ein pathol. Museum an u. hielt unentgeltlich Vorträge über specielle Therapie, für welche keine Professur bestand, vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Aber F.’s literarische Thätigkeit während seines fast zehnjährigen Aufenthaltes in Wien beschränkt sich auf seine „Selbstbiographie“ (Wien 1802). 1804 ging Frank unter sehr vortheilhaften Bedingungen nach Wilna zugleich mit seinem Sohne Joseph, der die Professur der Pathologie daselbst übernahm. In wenigen Monaten schon kam er als kaiserl. Leibarzt nach St. Petersburg; mußte aber in Folge seiner leidenden Gesundheit 1808 um seine Entlassung bitten und kehrte mit einer lebenslänglichen Pension von 3000 Rubeln nach Wien zurück. Seine Bibliothek wurde für die Universität in Kasan angekauft. Bei seiner Rückkehr nach Wien versuchte ihn Napoleon für Frankreich zu gewinnen [vergl. in den Quellen: Tantini], jedoch vergeblich; bewies aber dem großen Arzt, wie hoch er ihn stelle, durch das Geschenk einer werthvollen Dose mit 6000 Francs. Nach erfolgtem Frieden begab sich F. (Nov. 1809) nach Freiburg im Breisgau, um bei seiner Tochter Karoline, welche mit dem Baden’schen Oberstlieutenant Peternell vermält war, den Rest seines Lebens zuzubringen. Der unerwartete Tod derselben vereitelte diesen Plan. 1811 kehrte er nach Wien zurück, lebte der Praxis und seiner Wissenschaft und wurde, als Maria Louise mit dem Herzoge von Reichstadt nach Wien kam, ihr Leibarzt. Frank schied, 77 J. alt , obgleich furchtbar leidend, als heiterer Philosoph aus dem Leben. Acht Aerzte, darunter Joh. Gottf. Bremser (s. d. II. Bd. S. 131), umstanden sein Bett. Frank wußte, daß er nicht zu retten sei. „Ich muß Ihnen“, begann der Sterbende zu den ihn Umstehenden, „erzählen, daß ich mich einst bei einem Soldaten befand, der von acht Kugeln getroffen war. Dieser rief mir zu: Wozu acht Kugeln, eine wäre genug gewesen“. F. war Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften; bemerkenswerth ist, daß den gefeierten Arzt bis zu seinem 73. Jahre kein Orden schmückte, erst 1819 empfing er von Maria Louise den Georgsorden. Franks Handschriften wurden seinem letzten Willen gemäß an seinen Sohn nach Wilna geschickt. [Ueber die von ihm niedergeschriebenen Denkwürdigkeiten vergleiche die Quellen]. Die wissenschaftliche Thätigkeit F.’s in seinem Fache ist sehr groß und seine Werke sehr zahlreich, hier folgen dieselben nach ihren Original-Ausgaben mit Angabe der besten [322] Uebersetzungen in fremde Sprachen: „Dissertatio inaugur. medica curas infantum physico-medicas exhibens“ (Heidelberg 1766), wovon eine deutsche Uebersetzung von Jh. Gf. Gruber (Leipzig 1794, 2. Aufl. 1803) und nach dieser eine französische von M. Böhrer (Straßburg 1799) erschien; – „Sendschreiben eines rhein. Arztes über einige von dem Collegium der Aerzte zu Münster aufgestellte Grundsätze“ (Mannheim 1776) erschien anonym; – „Epistola invitatoria ad eruditos de comunicandis quae ad politiam medicam spectant principům ac legislatorum decretis“ (Mannheim 1776); – „System einer vollständigen medicin. Polizei“, 6 Bde. und 2 Suppl. Bde. (1–4. Bd. Mannheim 1779–1788; 5. Bd. Stuttg. 1813; 6. Bd. Wien 1817. 1. Suppl. Bd. Tübingen 1812, 2. Suppl. Bd. nach hinterl. Papieren von Dr. G. Christ. Gotth. Voigt herausg. Leipzig 1825). Von den ersten 4 Bdn. fand eine 2. Aufl. (Mannheim 1784 u. f.) und eine 3. mit Zusätzen von F. Aug. von Wasserberg (Wien 1786 u. f.) Statt. Einen Auszug gab J. C. Fahner, 1 Theil (Berlin 1792) heraus. Eine italien. Uebersetzung besorgte Ruttling: „Systema ďuna compiuta polizia medica“, 3 Bde. (Mailand 1786); – eine zweite vollständige Pozzi in 19 Bänden (Ebenda 1807–30); auch eine holländische kam (Leyden 1787–93) in 4 Bänden heraus; – „Observationes medico-chirurgicae de singulari abscessu hepatico, de sectione symphysis ossium pubis et de paracentesi in ascitica muliere gravida“ (Erfurt 1783, 4°.); – „Oratio inauguralis de instituendo ad praxin medico“ (Göttingen 1784, 4°.); – „Programma de larvis morborum biliosis“ (Göttingen 1784) 4°.); deutsch von einem Ungenannten (Hamburg, 8°.); – „Dissertatio (Danilewsky) de magistratu medico felicissimo“ (Göttingen 1784); – „Ankündigung des klinischen Institutes zu Göttingen, wie solches bei seiner Wiederherstellung zum Vortheile armer Kranker und zur Bildung praktischer Aerzte eingerichtet werden sollte“ (Göttingen 1784, 4°.); – „Sermo academicus de civis medici in repubblica conditione atque officiis ex lege praecipue erutis“ (Pavia 1785); – „Delectus opusculorum medicorum antehac in Germaniae diversis academiis editorum ...“, 12 Bde. (Pavia 1785–93, ein Nachdruck davon Leipzig 1790–91 und ein neuer Abdruck Como 1827 in drei Bänden); in diesem Werke sind die früheren bereits gedruckten kleineren Schriften F.’s und die während seines Aufenthaltes in Pavia geschriebenen akademischen Abhandlungen und Dissertationen aufgenommen; – „Opuscula medici argumenti antehac seorsim edita nunc collecta“ (Leipzig 1790), enthält 14 kleinere Abhandlungen; – „Plan d’école clinique…“ (Wien 1790), in’s Italienische übersetzt von Careno (Cremona 1790); – „Apparatus medicaminum ad usum nosocomii Ticinensis“ (Pavia 1790); – „De curandis hominum morbis epitome“, 6 Bde. (1–5. Bd. Mannheim 1792–1807; 6. Bd. erste Abtheilg. Tübingen 1811, zweite Abthlg. Wien 1820). Dieses Werk wurde öfter nachgedruckt, in’s Deutsche übersetzt von Joh. G. Morbeck in 9 Bdn. (Mannh. 1794, 3. Ausg. 1834); von Jos. Fr. Sobernheim unter dem Titel: „Behandlung der Krankheiten der Menschen“ in 10 Thln. (Berlin 1830 u. f.); in’s Italienische mehrere Male, darunter von Ramero Comandoli (Pisa. 1810), Luigi Morelli (Florenz 1819) und Peter Mora (Padua 1822–1824); – „De Neurosibus libri septem“, 2 Bde. (Aug. Taurin. 1819); – „Interpretationes clinicae observationum selectarum Pars I“ (Stuttgart 1811 mit K. K.), deutsch unter dem Titel: „Klinische Erklärungen auserles. Beobachtungen“, von Dr. H. C. Aug. Heinrich (Kiel 1835); – [323] „Opuscula posthuma“ (Wien 1824 mit K. K.). Dieser von seinem Sohne Joseph (s. d.) herausgegebene Nachlaß enthält unter andern eine Biographie des Hippokrates, klinische Fragmente und über die Heilung der Krankheiten; – „J. P. Frankii de Medicina clinica opera omnia varii argumenti minora. Diligenter recognita ... et vita J. P. Frankii instructa edidit Guil. Sachs“, 2 Bde. (Regensburg 1844 u. f.). Diese Sammlung sollte mit Ausnahme des Systems der medicinischen Polizei alle medic. Werke F.’s enthalten und in 6 Bänden vollständig sein. – „Specielle Pathologie und Therapie. Nach der latein. Urschrift von Jos. Fr. Sobernheim“, 2 Bde. (dritte Ausgabe, Berlin 1839 u. f.).

Biographie des Dr. J. P. Frank, von ihm selbst geschrieben (Wien 1802, 8°. mit Portr.), in’s Italienische übersetzt (Mailand 1802, 8°.) und bis zum J. 1821 fortgesetzt von Franc. Tantini (Pisa 1822, 8°.). – Joh. P. Franks Leben befindet sich auch im I. Bde. der von seinem Sohne Joseph herausgegebenen: „Opuscula posthuma“ (Wien 1824). – L’Encyclopédie des Sciences Médicales par M. A. Alibert, Barnier et Bayle schickt der Uebersetzung von Franks Praxeos rnedicae Praecepta seine Biographie voraus. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissensch. und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 47. Bd. S. 172. – Almanach, de Carlsbad par Carro 1855 (Carlsbad, Franiek) XXV. Jahrg. S. 114, Nr. XIII: „Mes relations personelles avec les défunts Jean Pierre et Joseph Frank.“Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke. Zweite Ausgabe (Wien 1852, Greß, 8°.) I. Thl. S. 156: „Frank der große Arzt“ [nach diesen gest. zu Wien 24. April 1821, 77 J. alt]. – Tantini, Opuscoli scientifici (Pisa 1822) II. Bd. [enthält Mittheilungen des parmes. Leibarztes Ludwig Frank, eines Neffen von Johann Peter Frank (s. d. S. 326), über die Versuche Napoleons, während seines Aufenthaltes in Wien, F. für Paris zu gewinnen]. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) III. Bd. S. 164. – Oestr. Nation.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 169 [nach dieser geb. 19. März 1745]. – Oesterreichs Walhalla (von Trimmel) S. 53. – Nach Kayser (Christian Gottlob), Vollständiges Bücher-Lexikon (Leipzig 1834, gr. 4°.) ist Frank am 24. April 1822 gestorben [dasselbe enthält das vollständigste Verzeichniß seiner Werke, Uebersetzungen u. Nachdrucke II. Bd. S. 249, VII. Bd. S. 294, IX. Bd. S. 289]. – Porträte. 1) Lithographie Wien, Beck, 4°. – 2) Lithogr. Berlin, Förstner, 4°. – 3) Stahlstich von Rahl, Wien, Schaumburg, 8°. – 4) Im Medaillon Rand: Johann Peter Frank. Unterhalb: tibi se mortalia saepe corpora debebunt. Ovid Met. Lib. II v. 643. Langer sc. (gr. 8°., das Porträt Medaillonform). – 5) Medaillon Porträt, Bollinger sc. Berlin, Nicolai, 1800. – 6) Unterschrift: Peter Frank. Schmid pinx. L. Staub sc. (Zwickau, Schumann, 4°.). – 7) Gest, von Bolt, 1812, Berlin, Reimer, gr. 4°. – Memoiren. Seine und seines Sohnes Joseph Memoiren, etwa 4–5 Bände stark, in französ. Sprache, waren im Besitze des Dr. Johann de Carro (vergl. II. Bd. S. 295 dies. Lexikons), Episoden aus denselben, welche auf das Interesse schließen lassen, das sie haben würden, theilte in den Jahren 1855 u. 56 die „Leipziger Modezeitung“ mit. Das Leben dieser zwei Aerzte umfaßt nahezu den Zeitraum eines Jahrhunderts (1745–1842). Die große Praxis, welche beide hatten, ihr Aufenthalt in Deutschland, in Italien, Polen und Rußland, auf den Universitäten zu Göttingen, Parma, Wien, Wilna, St. Petersburg brachte sie mit den hervorragendsten Personen in Verbindung. Einen Bestandtheil dieser Memoiren bildet ein Briefwechsel, in welchem außer Einem Papste und mehreren Cardinälen, drei österr. Kaiser: Joseph II., Leopold II. u. Franz, der Großherzog Ferdinand von Toscana, die Erzherzoge Karl, Johann, Rudolph, die Czare Alexander und Nicolaus, der Großfürst Constantin, Kaiser Napoleon, Maria Louise und der Herzog von Reichstadt, Ludwig Bonaparte König von Holland, die Königin Murat, die Prinzessin Elise Bacciocchi, Ludwig XVIII., Karl X., der Herzog und die Herzogin von Angouleme, der Herzog von Bordeaux, König Max von Baiern, Isabelle von Spanien, Don Miguel von Portugal u. A. die Briefsteller sind. Die Kunst- und Culturgeschichte ist durch eine Fülle von Erlebnissen mit den Koryphäen ihrer Zeit reich vertreten.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Frank, Johann Peter [Bd. IV, S. 320].
    Schneller (Jos. Dr.), Rede zum Andenken Peter Frank’s. Gehalten in der wissenschaftlichen Plenarversammlung des Doctoren-Collegiums der Wiener medicinischen Facultät von – – (Wien 1852, 4°.). [Bd. 26, S. 380.]