BLKÖ:Schimmer, Gustav Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schimko, Joseph
Band: 29 (1875), ab Seite: 335. (Quelle)
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Schimmer, Gustav Adolph (Schriftsteller, geb. zu Wien am 23. Jänner 1828). Der Zweitälteste Sohn des Schriftstellers und Topographen in Wien, Karl August S. [s. d. Folg. S. 338]. Uebersiedelte in noch jungen Jahren mit seinen Eltern, die bis dahin in Wien gelebt, nach Perchtoldsdorf, wo Großvater und Urgroßvater Grund und Boden besaßen und die Schimmer längst angesessen waren [s. d. Quellen S. 342]. Den ersten Gymnasialunterricht ertheilte ihm der dortige Pfarrer; im Jahre 1843 bezog S. das Piaristen-Gymnasium in Wien, wo er bis 1847 die philosophischen Studien beendete und dann jene der Rechte an der Universität begann, die er bereits im 2. Jahre, 1849, unterbrechen mußte, da die zahlreiche Familie dem Vater es nicht gestattete, die ansehnlichen Auslagen zur Fortsetzung des Studiums zu bestreiten. Das eben damals neu organisirte und erweiterte statistische Bureau bot dem bereits 21jährigen S. die beste Gelegenheit, dem Vater die Last seiner Erhaltung zu erleichtern und er trat als Assistent in dasselbe ein. Er gehört seit dieser Zeit bis zur Stunde dem genannten Bureau an. Zunächst arbeitete er als Adlatus des Secretärs J. V. Häufler [Bd. VII, S. 185], welcher mit dem 2. und 3. Bande der österreichischen Ethnographie (Ungarn) beschäftigt war und später auch in gleicher Eigenschaft beim 1. Bande (allgemeiner Theil und Niederösterreich) bis zu Häufler’s im Jahre 1852 erfolgten Tode. In der Vorrede zum 1. Theile seines „Alt-Wien“ gedenkt Schimmer dankbar des wohlthätigen Einflusses, den dieser Gelehrte auf dessen wissenschaftliche Ausbildung nahm. Sofort wurde S. in mehreren Zweigen des statistischen Dienstes, vorerst als Hilfsarbeiter und später selbstständig verwendet und auch mit der Verwaltung der Bibliothek dieses Bureau’s betraut. Als er noch immer schwankte, ob er sich seinem ursprünglichen Lieblingsfache, der Geschichte, zuwenden oder in dem Dienste, den er versah, weiter verbleiben sollte, entschied er sich für das letztere, als ihm von dem Chef des Bureau’s, Herrn von Czörnig [Bd. III, S. 117], die Leitung der Abtheilung für Bevölkerung selbstständig anvertraut wurde. Im Jahre [336] 1853 war S. zum Revidenten vorgerückt, wurde im Jahre 1864 Hofconcipist und im Jahre 1870 Hofsecretär; als solcher hat er derzeit die Abtheilungen für Bevölkerung und für Unterricht bei der Direction der administrativen Statistik unter sich. Im Jahre 1865 wurde ihm auch das Amt des Protokollführers der statistischen Central-Commission übertragen, seit welcher Zeit auch die in den „Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik“ gedruckten Verhandlungen der statistischen Central-Commission seiner Feder entstammen. Die mit Czörnig’s Abgang (1865) und Fiker’s [Bd. IV, S. 218] Uebertritt in’s Unterrichtsministerium (1869) eingetretene Verwaisung des statistischen Amtes erschwerte Schimmer’s Stellung überhaupt, insbesondere aber, weil in jene Zeit gerade die Durchführung der Volkszählungs-Arbeiten (1869) fiel, deren Last nebst Leitung der dazu angeworbenen Arbeitskräfte ausschließlich S. zu tragen hatte. S. aber stellte sich der ihm übertragenen Aufgabe vollkommen gewachsen, denn das große, 164 Druckbogen in 4°. umfassende Zählungs-Operat war bereits im Juli 1872 abgeschlossen. Darin sind die auf diese Zählung aufgebauten Orts-Repertorien der einzelnen Provinzen Schimmer’s eigene Idee und ist dadurch in Oesterreich einem längst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen worden. S. wurde nun als zweiter Delegirter zum statistischen Congresse in St. Petersburg 1872 bestimmt, konnte aber ob Mangel verfügbarer Mittel seine Mission nicht ausführen! Für die zu diesem Congresse gelieferten Arbeiten und Vorlagen wurde er aber mit dem russischen St. Annen-Orden 3. Classe ausgezeichnet. Als im Herbste 1872 im Unterrichtsministerium eine eigene Ausstellungs-Commission zusammengesetzt wurde, welche mit der Leitung und Ausführung der von dem Ministerium beschlossenen Collectiv-Ausstellung für die große, in Wien 1873 abzuhaltende Weltausstellung betraut wurde, hatte man S. zum Schriftführer dieser Commission berufen, als welcher er die umfangreiche Correspondenz derselben zu besorgen hatte, ohne jedoch von der ihm angebotenen Enthebung von seinen laufenden Arbeiten im statistischen Bureau Gebrauch zu machen. Er verfaßte auch den Special-Katalog zu der im März 1873 veranstalteten Vorausstellung, sowie zur Collectiv-Ausstellung im Annexe XIV. B. des Industriepalastes. S.’s Thätigkeit wurde auch von der internationalen Jury gewürdigt, welche seinen Karten und graphischen Tableaux in dieser Abtheilung die Verdienstmedaille zuerkannte, während Se. Majestät S. mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens auszeichneten. Bei der im Jahre 1873 in Wien versammelten Permanenz-Commission des statistischen Congresses war S. als Schriftführer thätig und legte die Verhandlungen derselben gleichen Jahres in Druck; ebenso wohnte S. dem durch Ludwig August Frankl angeregten Congresse der Blindenlehrer bei, für welchen er seine Broschüre über Blinde und Taubstumme vorbereitet hatte; ferner dem ersten Agrar-Congresse als Mitglied, sowie er schon das Jahr früher der Versammlung der europäischen Gradmessungs-Commission als eines der 12 aus Oesterreich berufenen Ehrenmitglieder beigewohnt hatte. S. ist, wenn auch von Beruf, jedoch nicht ausschließlich Statistiker und nur in diesem Gebiete literarisch thätig. Als Mitglied, zum Theile als Ausschuß mehrerer in- und ausländischer Vereine wirkt er in den Veröffentlichungen derselben, sowie durch Uebernahme [337] von Vorträgen in den Versammlungen. S. hat nachstehende Arbeiten, theils in selbstständigen Werken, theils in Fachblättern veröffentlicht: „Das alte Wien. Darstellung der alten Plätze und merkwürdigsten, jetzt grösstentheils verschwundenen Gebäude Wiens nach den seltensten gleichzeitigen Originalen. Mit einem erläuternden Texte aus den bewährtesten Geschichtsquellen“, 2 Bände (Wien 1853 u. f., Sollinger, 4°., mit 46 K. K. u. Lithogr. in kl. Fol.); – „Statistik der Lehranstalten des österreichischen Kaiserstaates für die Studienjahre 1851 bis 1857. Hochschulen, Gymnasien und andere Mittelschulen“ (Wien 1860, Braumüller), Separatabdruck aus dem 1. und 4. Hefte des VI. Bandes der „Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik“; – den erklärenden Text zu J. N. Geiger’s „Historischen Handzeichnungen. 90 Tafeln“ (Wien 1861, k. k. Hof- und Staatsdruckerei, kl. Fol.); – „Ueber Buchdrucker Ulrich Han in Wien“ (ebd. 1862); – „Biotik der k. k. österreichischen Armee im Frieden. Nach den amtlichen Vorlagen der k. k. Feld-Superiorate über die jährlich in der Armee vorgefallenen Trauungen, Geburten und Sterbefälle. Mit 2 lith. Tabellen“ (Wien 1863, Braumüller, gr. 8°.); – „Beschreibung von Wien“ (ebd. 1866); – „Orts-Repertorien der einzelnen Länder“, 14 Bände und Hefte (1871–1874); – „Bevölkerung und Viehstand der im Reichsrathe vertretenen Länder nach der Zählung vom 31. December 1869“, 6 Hefte, I.–IV.: Tafeln (1871); V. u. VI.: Erläuterungen, mit 8 Karten (1872); – „Statistik des österreichisch-ungarischen Kaiserstaates“ (Wien 1872); – „Statistik der öffentlichen und Privat-Volksschulen. 1870–1871“ (1872, mit 3 Karten); – „Statistik des Judenthums in Oesterreich“ (1873); – „Statistische Tabellen und Beiträge zum Berichte über Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung herausgegeben vom Unterrichts-Ministerium“ (1873); – „Die Bevölkerung von Wien und seiner Umgebung nach dem Berufe und der Beschäftigung“, I. Theil (Wien 1874). Von den in periodischen Fachblättern, Zeitschriften und anderen Werken enthaltenen Aufsätzen Schimmer’s sind anzuführen in den Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik: „Bewegung der Bevölkerung in Ungarn“ (Jahrg. XIII, Heft 2); – „Graphische Darstellungen über Trauungen, Geburten und Sterbefälle“ (XIII, 3); – „Bewegung der Bevölkerung in Siebenbürgen“ (XIV, 1); – „Das Krankenzerstreuungssystem im Kriege 1866“ (XIV, 1); – „Mortalität und Vitalität in Oesterreich“ (XIV, 4); – „Specielle Lehranstalten 1866“ (XV, 2); – „Die Cholera-Epidemie 1866“ (XV, 3); – „Der Einfluß der Cholera auf die Mortalitätsziffer“ (XVII, 1); – „Auswanderung aus Oesterreich 1849–1869“ (XVII, 3); – „Trauungen, Geburten, Sterbefälle im J. 1868“ (XVII, 5); – „Blinde und Taubstumme in Oesterreich“ (XVIII, 1); – „ Einheimische Bevölkerung Oesterreichs“ (XIX, 2); – „Trauungen, Geburten, Sterbefälle 1869“ (XIX, 4); – in dem von Lorenz und Wessely herausgegebenen Werke: „Oesterreichs Bodengestaltung“ (Wien 1873) der Abschnitt: „Landwirthschaftlicher Verkehr“; – in Streffleur’s „Militärischer Zeitschrift“: „Die Volksschulen der Militärgrenze“ (1860, 4. Bd. ); – in der 5. Auflage von Ritter’s „Geographischem Lexikon“: Der statistische Theil Oesterreichs; – im 3. Hefte der vom Vereine für Landeskunde herausgegebenen „Topographie von Niederösterreich“: „Volksmenge, Dichtigkeit und Bewegung der Bevölkerung von Niederösterreich“; – in den von der statistischen Central-Commission 1866–1867 abgehaltenen Vorträgen (Wien 1867); [338] „Bewegung der Bevölkerung, (Clerus, Lehranstalten und Sanitätswesen“; ferner geschichtliche und statistische Aufsätze im Kalender des Vereins zur Verbreitung von Volksschriften 1854–1858; in Vogl’s „Volkskalender“ 1861 bis 1867; in Auer’s „Faust“ 1856–1858; die „Vaterländischen Denkwürdigkeiten“ im Kalender „Austria“ 1856–1859; Recensionen und Anzeigen in der „Oesterreichischen Wochenschrift für Literatur und Kunst“ 1863–1864, und Ausstellungs-Artikel in der „Weltausstellungs-Zeitung“ der Neuen freien Presse 1873.