BLKÖ:Scopoli, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 208. (Quelle)
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Scopoli, Johann (Statistiker, geb. zu Schemnitz in Ungarn 2. August 1774, gest. im Mai 1854). Der Sohn des berühmten Botanikers und Naturforschers Johann Anton Scopoli, dessen Lebensskizze S. 210 folgt. Der Sohn kam zur Welt, als sein Vater in der ungarischen Bergstadt Schemnitz als NACachfolgern Jacquin’s Mineralogie und Metallurgie vortrug. Johann verlebte nur die Kinderjahre in seiner Vaterstadt und übersiedelte, als sein Vater 1776 das Lehramt der Botanik an der Universität zu Pavia übernahm, mit ihm dahin. Als Johann 14 Jahre alt war, starb der Vater. Nun erst legte er seinem bis dahin sorglos dahin brausenden Geiste die Zügel, an und betrieb mit Eifer die Studien. Er beendete dieselben als Zögling des Collegiums Ghisilieri in Pavia. Mitten in seine Studienzeit fällt die große Bewegung, welche von Frankreich ausgehend, auch Italien überfluthete. S. war damals ein 15jähriger Jüngling. Ueber sein Verhalten in jener Zeit, wo Jung und Alt in den Kampf eilte, geht sein Biograph Gaiter mit folgenden mysteriösen Worten hinweg: „Le sue cironstanze biografiche lo condussero a non esserne spettatore indolente. Meritó-molta lode, perche uomo di mente e di cuore“. Er hatte den medicinischen Beruf erwählt und als Arzt ging er nach Wien, wo ihm mütterlicherseits ein Onkel lebte. Dort fand er aber nur Kriegslärm, sein Onkel war geflohen, ebenso seine übrigen Verwandten und Bekannten, bei denen er in dieser Zeit Zuflucht gesucht. [209] Da er nicht unthätig bleiben konnte, trat er als Feldarzt im italienischen Heere ein. Als nach beendetem Feldzuge das Heer entlassen und seine[WS 1] feldärztliche Thätigkeit überflüssig geworden war, trat er in den Civilstaatsdienst u. z. im Februar 1802 als Adjunct bei dem damaligen Secretariat Italiens in Mailand ein. Darauf zum Secretär des außerordentlichen Commissärs für Verona ernannt, kam er 1806 als Secretär nach Dalmatien, wurde 1808 Präfect des Tagliamento, im November d. J. Staatsrath im Collegium der Auditore, 1809 Commissär der öffentlichen Wohlthätigkeit, bald darauf Regierungs-Commissär bei der italienischen Armee, dann außerordentlicher Commissär zur Erhebung der Kriegsschäden, darauf bevollmächtigter Commissär jenseits des Po und mit Ernennung Napoleon’s, ddo. Schönbrunn 10. October 1809, General-Director des öffentlichen Unterrichtes, wenige Tage später Rath im gesetzgebenden Körper, im December 1810, General-Director des Buchhandels und der Presse, nachdem er noch kurz zuvor zum italienischen Conte erhoben worden war. Als Italien wieder österreichisch geworden, wollte die Regierung einen so erfahrenen Mann, der sich der Achtung aller Parteien erfreute, nicht unbedienstet lassen und so ernannte ihn der Kaiser zum Mitgliede der für die Organisirung der öffentlichen Schulen eingesetzten Commission, wozu S. um so eher berufen schien, als er schon im Jahre 1812 eine Reise nach Deutschland unternommen hatte, um die öffentlichen Lehr- und Bildungsanstalten kennen zu lernen, wobei er mit den bedeutendsten Männern im Gebiete der Künste und Wissenschaften in Deutschland in unmittelbaren Verkehr trat. Im Jahre 1817, nachdem ihm von Sr. Majestät der italienische Grafentitel bestätigt worden, zog er sich in’s Privatleben zurück und widmete in Verona, wo er sich häuslich niedergelassen, seine Thätigkeit als Municipal-Assessor der Comune, im Uebrigen lebte er abgeschlossen für sich und die Wissenschaften, deren emsiger Pfleger nach verschiedenen Richtungen er war. Schon während seiner oberwähnten dienstlichen Laufbahn hatte er mehrere national-ökonomische und statistische Arbeiten im amtlichen Auftrage vollendet; so im Jahre 1805 eine Darstellung des Zustandes und der Bedürfnisse des Etschgebietes; im Jahre 1806 in besonderem Auftrage des Ministers des Innern eine „Statistik von Verona“. Später als er unabhängig einfach der Richtung seines Geistes folgte, wendete er sich dichterischen Arbeiten und historischen, rechtswissenschaftlichen und philosophischen Studien zu. So arbeitete er viele Jahre hindurch an einem größeren epischen Werke, „La guerra di Chioggia“, das er in zehn Büchern in freien eilffüßigen[WS 2] Versen geschrieben hatte. In seinen historischen Arbeiten beschäftigte ihn zunächst die Urgeschichte Italiens; von seinen zahlreichen volkswirthschaftlichen und anderen Abhandlungen sind zu erwähnen: „sul progresso dell’ agricoltura“, – „sopra la istruzione dei ciechi“, – „della frenologia“, – „sopra le prevenzione dei delitti“„sopra le carceri penitenziarie“, namentlich aber seine zwei Bücher: „Della economia politica“ , welche im 24. Bande der „Memorie dell’ Academia d’agricoltura, commercio ed arti di Verona“ abgedruckt sind, während seine vorgenannten und anderen Schriften im 9., 11., 13., 15., 19. und 23. Bande dieser Memorie und im 1., 2., 4., 5. u. 6. Bande der „Memorie dell’ J. R. Istituto Veneto di science lettere ed arti“ enthalten sind. Auch sonst noch entwickelte er in seinen verschiedenen öffentlichen Stellungen und [210] als Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften eine vielseitige und höchst ersprießliche Thätigkeit. Als Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie Ober-Italien bereisten, beantragte er an Stelle der ephemeren kostspieligen Aufzüge und Schauspiele zum Besten der Armen die Gründung eines Civico monte (Leihanstalt) mit welcher später eine Sparcasse in Verbindung kam; als Mitglied der Veroneser Comune hatte er wesentlichen Antheil an der Errichtung des neuen großen Friedhofes der Stadt: als Mitglied der Akademie für Landwirthschaft, Handel und Gewerbe in Verona, bereicherte er in ansehnlicher Weise die Bibliothek und die Museen, empfahl auf das Dringendste zu ökonomischen und industriellen Zwecken die Feuerung mit Steinkohle, welche aus den benachbarten Bergen zu beschaffen waren, beantwortete im Auftrage der Akademie die verschiedenen an die selbe in Bezug auf die Interessen und Bedürfnisse der Provinz von der k. k. Regierung gestellten Fragen; arbeitete im Vereine mit noch zwei anderen Gesellschaftsmitgliedern das Statut der Gesellschaft um, befürwortete auf das Wärmste und unterstützte aufs Reichlichste mehrere zweckmäßige und nicht unwichtige Erfindungen, so daß ihm die Würdigung seiner zahlreichen um das Gemeinwohl und die Gesellschaft selbst erworbenen Verdienste von derselben wiederholt goldene Medaillen als Anerkennungspreise zuerkannt wurden. In Folge dessen fehlte es nicht an weiterer Würdigung seiner mannigfaltigen Verdienste. Schon im Jahre 1810 war S. Mitglied des Napoleon’schen Istituto nationale italiano, später einer der Vierzig, an der nach dem Muster der französischen Akademie von Lorgna [Bd. XVI, S. 47] gestifteten berühmten Societá di quaranta in Modena. Als dann Kaiser Ferdinand eine besondere Akademie für Venedig decretirte, wurde S. 1840 auch Mitglied derselben und trat als solches 1843 in Pension. Die Veroneser Akademie für Landwirthschaft, Handel und Gewerbe wählte ihn 1801 zum Ehrenmitgliede, 1823 zum wirklichen, 1825 zum beständigen Secretär derselben, an Stelle des verstorbenen del Bene [Bd. I, S. 264], dessen Gedächtnißrede Scopoli gehalten hatte. Scopoli war mit Lauretta Mosconi vermält, welche ihm sechs Söhne und zwei Töchter gebar, von letzteren war Paolina die Gattin von Francesco Guerra, Isabella jene von Giuseppe Biasi. Von seinen Söhnen überlebten ihn drei, Hyppolit, Karl und Ferdinand. Unter den zahlreichen hervorragenden Zeitgenossen, mit denen er innigeren Verkehr pflog, finden wir die Namen eines Arici, Gorini, Zendrini, Antonio Rosmini, Tommaso Grossi, Aless. Manzoni. S. erreichte das hohe Greisenalter von 81 Jahren und hinterließ ein vielfach gefeiertes Andenken.

Gaiter (Liugi Ab.). Elogio de Ev. Cav. Giovanni Scopoli letto il 29. novembre 1855 nella Sale dell’ Accademia d’Agricoltura commercio ed arti di Verona (Verona 1856, Vicentinie franchini 8°.) – Cittadella Vigodarzere (Andr.). Necrologia del Cav. Giovanni Scopoli (Padova 1856, Sicca). – Il Colettore dell’ Adige 1854, Nr. 38: Supremo vale all’ anima del C. C. Giovanni Scopoli“ dal R. Paroco Don Gaetano Giacobbe, und ebenda Nr. 37: „Necrologia“ del prof. Anton Manganotti. – Payne’s Illustrirtes Familien-Journal (Leipzig, 4°.), Bd. II, p. 574.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: sein.
  2. Vorlage: eilfüßigen.