BLKÖ:Lorgna, Anton Maria

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 47. (Quelle)
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Lorgna, Anton Maria (Mathematiker, geb. nach Einigen zu Knin in Dalmatien, nach Anderen zu Cerea, eine Ortschaft im Gebiete von Verona, im Jahre 1735, gest. zu Verona 28. Juni 1796). Von armen aber adeligen Eltern. Sein Vater, Kroate von Geburt, trat in Kriegsdienste der Republik Venedig und erhielt für seine Verdienste ein Stück Land in der Gegend von Knin, wo er seine alten Tage verlebte. Sein Sohn Anton Maria zeigte frühzeitig Lust zu den Studien, gewann die Zuneigung des damals von der Republik über Dalmatien bestellten Provveditore Grimani, der ihn zuerst nach Zara und dann nach Venedig mitnahm, wo er seine ersten Studien machte. Nun begab er sich nach Padua und betrieb an der dortigen Hochschule mit besonderem Eifer mathematische Wissenschaften, in welchen er durch seine Kenntnisse bald Aufmerksamkeit erregte. In seiner Vorliebe für die Mathematik trat er in das Geniecorps, in welchem er bis zum Jahre 1765 bereits zum Capitän vorgerückt war und zum Lehrer der Mathematik am Militär-Institute zu Verona ernannt wurde. Zugleich wurde er beauftragt, die Reformen dieser Anstalt im weitesten Umfange vorzunehmen und durchzuführen. Schon um diese Zeit erschienen einige Schriften von L., welche, wie einer seiner Biographen schreibt, in ihm den Mann von Genie erkennen ließen, der neue Bahnen betrat und neue Methoden in der Algebra und Geometrie vorbrachte. Auf seinem Posten als Leiter einer militärischen Bildungsanstalt lebte L. ganz seinem Berufe und der Wissenschaft, in welch letzterer seine Arbeiten, mit denen er von Zeit zu Zeit in die Oeffentlichkeit trat, in maßgebenden Kreisen solche Würdigung fanden, daß in allen wichtigen [48] Fragen, die in sein Gebiet fielen, L. zu Rath gezogen und in den wichtigsten Fällen mit der Ausführung schwieriger Arbeiten betraut wurde. Insbesondere bei Wasserbauten wurde sein Rath eingeholt und bei den Regelungen der Etsch, des Po, der Brenta, des Mincio, bei den Schutzbauten des Polesine, bei der Sicherung der Thäler des Tartarus, bei der Ableitung des Piaveflußes, als es galt die gefährdeten Mineralquellen von Recoaro zu schützen, bei der Einbettung der Lucchesischen Gewässer und bei den, zwischen der Republik und der Regierung von Toscana darüber ausgebrochenen Streitigkeiten, in allen diesen Fällen gab L. sein Gutachten ab, in welchen sich immer mit einer gründlichen Prüfung des in Rede stehenden Gegenstandes. die treffendsten, auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden Angaben zur Abhilfe der Uebelstände vereinigt finden. Dabei entwickelte er eine staunenswerthe Vielseitigkeit, nichts entging seinem scharfsinnigen Blicke, nichts erschien ihm zu geringfügig, um es nicht in den Bereich seiner Beobachtungen und Erörterungen zu ziehen. Die Physik nach ihren verschiedenen Richtungen, in der Naturgeschichte vornehmlich die Thierwelt des Meeres, die Mechanik, die Ballistik, die enkaustische Malerei, die Art und Weise, wie die Staffeleibilder vor dem verderblichen Einfluß der Luft, des Lichtes- und der Zeit am besten zu sichern wären, alles dieß und noch mehr bildete den Gegenstand seiner Forschungen, die er theils in zahlreichen selbstständigen Schriften, noch öfter aber in den Sammelwerken der wissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften, deren Mitglied er war, zu erörtern pflegte. Auch sei noch bemerkt, daß es Lorgna ist, dem Italien die berühmte Gesellschaft der Vierzig in Modena verdankt, nach deren Muster Condorcet den Franzosen die Bildung einer ähnlichen in ihrem Lande vorschlug. Die von L. durch den Druck veröffentlichten Schriften sind: „Disquisitio de montium altitudine“ (1762); – „Della graduazione de’ termometri e della rettificazione de’ barometri semplici“ (Verona 1765); – „De quibusdam maximis et minimis“ (ibid. 1766); – „Opuscula tria ad res mathematicas pertinentia“ (ibid. 1767); – „Fabbrica ed usi principali della squadra di proporzione“ (ibid. 1768); – „Discorso intorno al riparare dalle inondazioni dell’ Adige la città di Verona“ (ibid. 1768); – „Dissertatio intorno al quesito delle pressioni dell’ acqua in moto pe’ vasi“ (ibid. 1769), von der Akademie in Mantua mit dem Preise gekrönt; – „Opuscula mathematica et physica“ (ibid. 1770); – „Del modo di migliorare l’aria di Mantova“ (ibid. 1771), gleichfalls von der Mantuaner Akademie mit dem Preise gekrönt; – „Ricerche intorno alla distribuzione delle velocità nelle sezioni de’ fiumi“ (ibid. 1771); – „Specimen de seriebus convergentibus“ (ibid. 1775); – „De casu irreducibili et seriebus infinitis“ (ibid. 1776); – „Memoria intorno all’ acque correnti“ (ibid. 1777); – „Discorso intorno al ripararsi dalle corrosioni del Po“ (Parma 1778); – „Parere intorno al regolamento del torrente Fersina“ (Trento 1778); – „Osservazioni fisiche sull’ acqua marziale di Recoaro“ (Vicenza 1780); – „Saggi di statica e meccanica“ (Verona 1782); – „Discorso sopra la cera punica“ (ibid. 1785); – „Dell’ origine de’ vortici de’ fiumi“ (ibid. 1786); – „Principj di geografia astronomico-geometrica“ (ibid. 1789); – „De sectionum [49] conicarum organica descriptione“ (Bononiae 1791); – „De functionibus arbitariis calculi integralis“ (Petropoli 1791). Außer diesen Schriften sind zahlreiche Abhandlungen mathematischen und naturwissenschaftlichen Inhalts in den Bänden II und IV der Atti di Siena, in den Bänden I–VII der von ihm gegründeten Società italiana, in den Actis und Commentariis der Petersburger Akademie u. s. w. zu finden, welche Poggendorf in seinem biographisch-literarischen Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften sämmtlich anführt. Daß eine solche ebenso vielseitige als ersprießliche Thätigkeit in den Kreisen der Wissenschaft zu der ihr gebührenden Geltung gelangen mußte, begreift sich leicht, die Akademien von Paris, St. Petersburg, Berlin, Mantua, Siena und von vielen anderen Städten haben ihn zu ihrem Mitgliede erwählt, Preußen und Portugal haben ihm sehr vorteilhafte Anerbieten[WS 1], in ihre Dienste zu rieten, gemacht, aber L. zog es vor, in seiner Heimat zu bleiben. Der von ihm 1782 gegründeten Società italiana, deren erster Präsident er war, verschrieb er letztwillig eine Rente von 800 Livres, welcher Fond im Jahre 1797 durch General Bonaparte beträchtlich vermehrt wurde. Die Stadt Verona hat im Sitzungssaal der dortigen Akademie seine Marmorbüste aufstellen lassen.

Dandolo (Girolamo), La Caduta della Repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venezia 1857, Naratovich, 8°.) Appendice, p. 131–134 [weist Paravia’s in dessen „Memorie veneziane di Letteratura o di Storia“ ausgesprochene Oberflächlichkeiten, daß Lorgna mit der Leitung der Militärakademie in Verona nur deßhalb betraut worden, „weil man eben einen General zu diesem Posten brauchte“, und daß er Brigadier im Geniecorps geworden, „weil er eben der älteste im Range war“, mit Entschiedenheit zurück. Die obige Lebensskizze wird nachweisen, daß Paravia’s Ansichten am gelindesten mit dem Worte „Oberflächlichkeiten“ bei Seite gesetzt werden. Nach Dandolo ist Lorgna zu Cerea, einer nicht unansehnlichen Ortschaft im Veronesischen, um das Jahr 1730 geboren und am 2. Juni 1796 zu Verona gestorben; auch nennt ihn Dandolo im Gegensatze zu Andern Anton Mario und nicht Anton Maria]. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, Lex. 8°.) Sp. 1497 [nach diesem geb. zu Verona im Jahre 1730, gest. ebenda 28. Juni 1796]. – Gliubich di Città vecchia (Simeone Abb.), Dizionario biografico degli uomini illustri della Dalmazia (Vienna e Zara 1856, 8°.) p. 181 [nach diesem geboren zu Knin in Dalmatien]. – Düringsfeld (Ida von), Aus Dalmatien (Prag 1857, Carl Bellmann, 8°.) Bd. I, S. 251 [hier wird Lorgna unter jenen aufgezählt, deren Geburtsort Knin, ein unweit der Stadt Dernis in Dalmatien gelegener Flecken, ist]. – Kukuljević-Sakcinski (Iván), Slovnik umjetnikah jugoslavenskih, d. i. Lexikon der südslavischen Künstler (Agram 1859, Ljud. Gaj, Lex. 8°.) S. 229 [nach diesem gleichfalls geboren zu Knin in „Dalmatien]. – Appendini, Memorie spettanti ad alcuni uomini illustri di Cattaro (Ragusa 1811), p. 61. – Tommaseo (N.), Studii critici, tomo II, p. 187. – Gazzetta di Zara 1843, No. 69, 84, 85. – Galleria dei Letterati ed artisti delle Provincie Veneziane nel secolo decimottavo (Venezia 1824, Bartolommeo Gamba, 8°.). – Curtoni Verza (Silvio), Ritratti ecc. ecc. (Verona 1807, 8°.). – Palcani (Luigi), Elogio, im VIII. Bande der Memorie della Società italiana. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXXI, p. 656. – Porträt. Unterschrift: Ant. Mario Lorgna. Comirato inc. (8°., Venedig, bei Gamba, bloß Umriß) [daselbst erscheint er mit dem Taufnamen Ant. Mario, überall sonst mit dem Taufnamen Antonio Maria].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Anerbiten.