BLKÖ:Stein, Karl Andreas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 38 (1879), ab Seite: 33. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 132207664, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stein, Karl Andreas|38|33|}}

Stein, Karl Andreas (Piano-Fabrikant und Tonsetzer, geb. in Wien 4. September 1797, gest. ebenda 28. August 1863). Ein Sohn des Matthäus Andreas Stein [siehe dens. S. 43, Nr. 8] und der Maria Josepha Theresia Dischler. Da sich frühzeitig sein musikalisches Talent kundgab, wurde für dessen Ausbildung Sorge getragen, und schon als achtjähriger Knabe konnte sich Karl Andreas in Privatkreisen mit seinem Pianospiel hören lassen. Indessen wurde er auch im Industriezweige seines Vaters, im Fortepianobau, unterwiesen, und als er 15 Jahre zählte, vom Vater selbst in die Geheimnisse dieses Kunstzweiges eingeweiht. Um auch nach anderer Seite sich praktisch zu üben, begann er, 18 Jahre alt, selbst Unterricht zu ertheilen, und wurde bald ein gesuchter Clavierlehrer. Dabei setzte er jedoch seine eigenen Studien fort und wurde ein Schüler Emanuel Alois Förster’s [Bd. IV, S. 273] im Generalbaß und in der Composition. Im Jahre 1818 trat er in einem Concerte der berühmten Angelica Catalani öffentlich auf, und trug im Vereine mit Clement [Bd. II, S. 384] und Linke [Bd. XV, S. 215] die Polonaise concertante für Pianoforte, Violin und Violoncello von Beethoven vor. Im Jahre 1823 veranstaltete er am 16. Februar selbst ein Concert, zum Besten des Vereines adeliger Frauen zur Beförderung des Guten und Nützlichen. Im folgenden Jahre gab er in Ofen eine musikalische Abend-Unterhaltung. In diese Jahre seiner heranreifenden Selbständigkeit fallen sein Verkehr mit K. G. Reissiger[WS 1], welcher damals, mit der Composition der Oper „Das Rockenweibchen“ beschäftigt, in Wien sich aufhielt, und mit Beethoven, welcher Tonheros tiefen Eindruck auf das empfängliche Gemüth Stein’s machte. Im Jahre 1828 reichte er um die Claviermacherbefugniß ein, die ihm auch Anfangs 1829 verliehen wurde; nun gab er den Unterricht im Clavierspiele auf und widmete sich ausschließlich seinem Geschäfte als Claviermacher. Er betrieb dasselbe mit großer Umsicht und erwarb sich auf mehreren Reisen, welche er innerhalb der Jahre 1830–1836 theils im Interesse seines Geschäftes zur Anknüpfung von Verbindungen, theils um die Fortschritte und Verhältnisse des Clavierbaues in anderer Herren Ländern durch den Augenschein kennen zu lernen, unternahm, mannigfaltige Erfahrungen, welche seine industriellen Zwecke förderten. Die erste Reise im Jahre 1830 ging über Laibach, Triest nach Oberitalien, wo Mailand das Endziel derselben war; im Herbst 1833 ging die zweite Reise nordwärts über Prag, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt a. M., Mannheim, Augsburg, München; im Frühling 1836 richtete er seinen Ausflug westwärts, nach Paris, Brüssel, Antwerpen, selbst London, das er aber bald verließ und dann über Rotterdam und durch die bedeutendsten Städte des westlichen Deutschland wieder heimkehrte. Auf diesen Reisen trat er mit verschiedenen [34] Künstlern, so in Mailand mit der Pianistin Montgolfier aus Paris, in Prag mit J. P. Pixis, in Leipzig und in anderen deutschen Städten mit Friedrich Wieck und dessen Tochter Clara, mit Jeannette Boutibonne, Charlotte Birch-Pfeiffer, Lindpaintner, Molique, Max Bohrer und dessen Gattin Luise, in Paris mit Chopin, Meyerbeer u. A. in näheren Verkehr, und machte in Hamburg die unliebsame Entdeckung, daß man sich seines Namens Stein – freilich mit anderem Taufnamen (Ferdinand) – bediente, um elende Machwerke von Instrumenten an Mann zu bringen, wodurch aber der gute Ruf seiner Fabrikate leiden mußte, was ihn zur öffentlichen Erklärung zwang, daß eine Firma Ferdinand Stein in Wien gar nicht existire, und nur ein Andreas Stein (sein Vater) und Karl Stein (er selbst) Claviere verfertigen, alle anderen unter dem Namen Stein aus Wien stammenden Instrumente betrügerische Fabrikate seien. Im October 1841 legte Stein seine Claviermacher-Befugniß nieder und schritt um Verleihung des Gewerbe- und Bürgerrechtes für Wien ein, das ihm auch im Jahre 1842 gewährt wurde. Im November 1844 erhielt er aber in Berücksichtigung seines ausgebreiteten Geschäftsbetriebes im In- und Auslande und seiner Verdienste um die Verbesserung des Fortepianobaues den Titel eines k. k. Hof-Fortepiano-Verfertigers. So blieb Stein fortwährend für Hebung des von ihm betriebenen Industriezweiges thätig und seine Firma war in ihrem Gebiete nicht nur eine der ersten in Wien, sondern ihr Ruf verbreitete sich weit über Oesterreichs Grenzen. Stein war auch Compositeur, und die Uebersicht seiner Compositionen folgt unten. Seit dem Jahre 1837 mit Elisabeth Hörde, Tochter eines Wiener Magistrats-Beamten, vermält, stammen aus dieser Ehe mehrere Kinder. Stein’s Wirken im Interesse seines Faches, wie der Kunst, fand auch in Fachkreisen Anerkennung. So ernannten ihn u. a. schon im Jahre 1836 der Cäcilien-Verein in Karlsruhe, im Jahre 1845 der Musikverein in Gratz zum Ehrenmitgliede, und auf der Wiener Industrie-Ausstellung des Jahres 1845 wurde ihm die silberne Medaille zuerkannt. Noch sei bemerkt, daß die Vorzüglichkeit der Stein’schen Instrumente die ersten Tonkünstler und Virtuosen veranlaßte, sich derselben bei ihren öffentlichen Productionen zu bedienen; wir nennen nur Namen wie Liszt, Rubinstein, Alfr. Jaell, Karl Czerny, C. M. v. Bocklet, Jos. C. Keßler, Leschetitzky[WS 2], J. A. Pacher u. m. a.

Uebersicht der Compositionen von Karl Andreas Stein. „VI Allemandes avec Trios et Coda pour le Pianoforte“ (Wien). – „XII Ecossaises pour le Piano“ (Wien, Mechetti), zwei Partien. – „XII Allemandes pour le Piano“ (Viennae et Pest). – „Acht Variationen für das Pianoforte über ein Thema aus dem Lustspiele: „Die Bürger in Wien“ (Wien, Cappi). – „Sechs Märsche mit Trios für das Pianoforte“ (ebd.). – „III Polonaises pour le Piano à 4 mains“ (ebd.). – „IX Ecossaises pour le Piano“ (ebd.). – „IX Valses pour le Piano“ (Vienne, S. A. Steiner et Comp.). – „Algieri-Walzer für das Pianoforte“ (Wien, Sprenger). – „Polonaise für das Pianoforte“ (ebd.). – „Variationen für das Pianoforte über das beliebte Lied aus dem Zauberspiele: „Der Schatten von Faust’s Weib“ (ebd.). – „Variationen über die beliebte Polonaise aus der Oper: „Tancred“ für das Pianoforte“ (ebd.). – „Sechs Variationen, Marsch mit Trio und Allemande mit Trio, für das Pianoforte“ (Wien, Mechetti). – „Scherz und Ernst. Musikalische Skizze für das Pianoforte“ (Wien, Paterno). – „Sechzehn Faschings-Unterhaltungen für das Pianoforte, [35] bestehend in Menuetten, deutschen Ländlern, Ecossaisen, Polonaisen u. s. w.“ (Wien, Sprenger). – „La tendresse. Rondeau pour le Piano“ (Vienne, Tranquillo Mollo). – „Sechs Walzer mit Coda“ (Wien, C. Lichtl). – „Variationen für das Pianoforte über eine beliebte Romanze aus der Oper das „Rosenhütchen“ (Wien, Sprenger). – „Pièces détachées pour le Piano“ (Vienne, Sprenger). – „Karolinen-Tänze für das Pianoforte“ (ebd.). – „Variationes pour le Piano sur un thème de l’opéra „Elisabeth“ di Rossini“ (ebd.). – „Zelmira-Walzer für das Pianoforte“ (Wien, Artaria). – „Sechs Walzer mit Coda für das Pianoforte“ (ebd.), – „VI Valses avec Coda pour le Piano“ (Vienne, Cappi). – „Potpourri für Pianoforte, Flöte, Violine und Violoncell“ (Wien, Artaria). – „Walzer mit einem Fopp-Ländler für das Pianoforte“ (ebd.). – „Amusement pour le Carnaval, pour le piano, consistant en Menuets, Valses, Ecossaises etc.“ (Wien, Sprenger). – „Six Polonaises suivies d’une marche pour le Piano à 4 mains“ (Vienne, Artaria). – „Sechs Walzer mit Trios und Coda“ (Wien, Lichtl). – „Variationen über ein Thema aus der Oper: „La Donna del Lago“ für das Pianoforte“ (Wien, Artaria). – „Variations sur une valse autrichienne de M. le Comte W. R. de Gallenberg pour le Piano“ (Wien, Sprenger). – „Le retour du printemps. Fantaisie pour le Piano“ (Hambourg, A. Cranz). – „Wiener Walzer für das Pianoforte, zwei- und vierhändig“ (Hamburg. A. Cranz). – „Sechs Walzer sammt Trios und Coda für das Pianoforte“ (Wien, Artaria). – „Die fröhlichen Wiener Walzer für das Pianoforte“ (Leipzig, Friedr. Hofmeister). – „Variationen für das Pianoforte über das beliebte Thema „’S is nur eine Kaiserstadt, ’s is nur ein Wien“. Aus dem Singspiele „Aline oder Wien in einem anderen Welttheile“ (Wien, Paterno). – „Wien, London, Paris und Constantinopel. Charakteristisch-musikalische Skizze für das Pianoforte“ (Wien, Bermann). – „La Partenza, en forme de Rondeau pour le Pianoforte“ (Vienne, Tranq. Mollo). – „Trois marches pour le Pianoforte“ (Vienne, A. Diabelli et Comp.). – „Variationen über das Thema „Es thut’s halt nimmermehr“ aus der „Fee aus Frankreich“ (Wien, Artaria). – „Valses sentimentales pour le Piano“ (Vienne, Tob. Haslinger). – „Valses pour le Piano“ (ibid.). – „Friedensklänge-Walzer nebst einem Doublirmarsch für das Pianoforte“ (ebd.). Außer diesen im Stiche erschienenen Werken hat S. Mehreres in Handschrift hinterlassen; so zwei Clavierconcerte für Orchester in Es und F-dur; vier Partien Variationen für das Pianoforte mit Orchester in C, A, G und Es-dur; Adagio und Rondeau für die Physharmonika mit Orchester, Rondeau für die Violine mit Orchester; zwei Ouverturen für großes Orchester in C und D-dur; mehrere Compositionen für das Pianoforte allein und eine komische Oper „Die goldene Gans“. Text von Langbein. Auch ist er der Verfasser der in Wien erschienenen Schrift: „Bemerkungen über das Spielen, Stimmen und Erhalten der Fortepianos“, welche beachtenswerthe Rathschläge und Winke über die Behandlung des Claviers enthält.
Luib (Karl Andreas). Biographische Skizze des k. k. Hof-Fortepianoverfertigers Karl Andreas Stein (Wien 1856, Zamarski, 12°.). – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung. Herausgegeben von Dr. August Schmidt (4°.), V. Jahrg. (1845), S. 334. – Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik. (Redigirt von dem Fürsten Czartoryski) (Wien, 4°.) IX. Jahrg. (1863), S. 576.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Carl Gottlieb Reißiger (Wikipedia).
  2. Teodor Leszetycki (Wikipedia).