BLKÖ:Steinbüchel von Rheinwall, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Steinbeck, Thomas
Band: 38 (1879), ab Seite: 53. (Quelle)
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Steinbüchel von Rheinwall, Anton (Alterthumsforscher, geb. zu Krems in Niederösterreich 4. December 1790). Ein Sohn des 1835 verstorbenen k. k. Feldstabsarztes Jacob Steinbüchel von Rheinwall. Ueber die Familie vergleiche das Nähere auf S. 56[WS 1] in den Quellen. Seine früheren Knabenjahre verlebte S. zu Pilgram in Böhmen, der Heimat seiner Mutter, während der Vater als Regiments-, später als Feldstabsarzt den österreichischen Heeren auf ihren Feldzügen folgte. Die Schulen besuchte S. in Pilgram, dann in Prag und zu Czernowitz in der Bukowina, seit 1805 aber in Wien, wo er die philosophischen Studien beendete. Sein Weg führte ihn täglich über den Augustinergang, und so wurde bald das Verlangen, die Schätze des daselbst befindlichen Antikencabinets zu sehen, in ihm rege. Aber nur Hörern des zweiten Jahrganges der philosophischen Studien war der Zutritt zu den Vorträgen über Münz- und Alterthumskunde, die dort gehalten wurden, gestattet, und so hätte S. noch einige Zeit sich gedulden müssen. Als in dieser Zeit der Director des Cabinets Abbé Neumann [Band XX, S. 263] erkrankte, und durch seinen zweiten Adjuncten Gruber supplirt wurde, faßte dieser Wohlwollen für S., dem es gelungen war, sich ihm zu nähern, und der ihn nach Neumann’s Genesung diesem aufs wärmste empfahl. Neumann, selbst ein Kremser, nahm sich nun seines jungen Landsmannes herzlich an, und bedeutete ihm, daß er, wenn er die Altertumskunde mit Erfolg betreiben wolle, zuerst die griechische Sprache erlernen müsse, gab ihm selbst Unterricht in derselben, übernahm auch die Leitung seiner übrigen Studien und begann zur Uebung mit ihm einen griechischen Briefwechsel. Wenn nun Steinbüchel an diese Beweise des Wohlwollens von Seite Neumann’s größere Hoffnungen knüpfte, so schienen dieselben sich durchaus nicht zu verwirklichen, vielmehr gab sich eine entgegengesetzte Wirkung kund, indem Neumann bei seinen Prüfungen gegen S. eine größere Strenge übte. Als aber S. nach der letzten Prüfung sein Zeugniß bei Neumann abholte, trat ihm der ehrwürdige Greis mit folgenden Worten entgegen: „Ich bin alt, mein erster Adjunct Schreiber noch älter, Gruber ist zwar jünger, aber kränklich; ich fühle mich verpflichtet, für Nachwuchs zu sorgen, und werde Sie zum Praktikanten bei dem Antikencabinet Sr. Majestät dem Kaiser vorschlagen.“ Nun erkannte S. Neumann’s ganzes Wohlwollen, auch die Ursache der größeren Strenge. Am 19. Jänner 1809 erfolgte [54] S.’s Ernennung. Steinbüchel war nun in seinem Elemente, und der Eifer, den er in seiner neuen Stellung entwickelte, gewann ihm vollends die Zuneigung des alten Neumann, und in solchem Grade, daß nach Gruber’s bald (1811) erfolgtem Ableben alle Anfragen, welche der hierarchischen Ordnung gemäß zur Erledigung dem älteren Adjuncten zuzutheilen waren, nun Steinbüchel zugewiesen wurden. Unter Neumann’s unmittelbarer Leitung, welche er noch mehrere Jahre genoß, da Neumann erst 1816 starb, erweiterte Steinbüchel seine Kenntnisse und vervollkommnete seine Sicherheit in den für seinen Dienst so wichtigen Unterschieden der echten von falschen Kunstgegenständen, im Ordnen verworrener Massen und systematischen Aufstellen derselben. Kurz vor Neumann’s, am 15. April 1816, erfolgten Ableben wurde Steinbüchel, der schon am 21. Februar 1811 zweiter Adjunct geworden, am 12. März 1816 zum ersten Custos und Directions-Adjuncten befördert; auch war er damals bereits der älteste Beamte des k. k. Institutes, der nun die Ankäufe für dasselbe zu besorgen und die öfteren Anfragen, namentlich von Seite des Hofes in Bezug archäologischer Werthgegenstände, zu beantworten hatte; auch hatte er, als noch Neumann lebte, für denselben die Vorträge an der Hochschule übernommen. Mit ah. Entschließung vom 18. Juli 1817 wurde Steinbüchel Professor der Münz- und Alterthumskunde an der Wiener Universität. Im Frühlinge 1818 bereiste er zeitweise im engsten Gefolge des Kaisers, der damals seine Reise nach Dalmatien unternahm, dieses wenigst gekannte Land der Monarchie. Während eines vierwöchentlichen Aufenthaltes in Spalatro hatte er die dortige Umgebung und die benachbarten Gebirge durchstreift, und seine Nachforschungen waren von mehreren Entdeckungen belohnt worden. So hatte er u. A. die alte Bergfeste Anderium auf den Höhen über Salona, welche den Zugang dazu, wie jetzt Klissa, beschützte, aufgefunden. Ueber Venedig, Florenz, Livorno, Mailand und München kehrte er nach Wien zurück und erstattete dem Kaiser persönlich Bericht über das Ergebniß seiner Reise durch Dalmatien. Am 17. Jänner 1819 wurde Steinbüchel zum Director des Münz- und Antiken-Cabinets und der k. k. Ambraser-Sammlung ernannt. Als im Herbst 1819 der kaiserliche Hof das südliche Italien besuchte, befand sich S. wieder im Gefolge des Monarchen, kam mit demselben nach Rom und Neapel, wo er mit den bedeutendsten Männern der Wissenschaft und Kennern seines Faches, für welches ebenda die reichste Ausbeute vorlag, in persönlichen Verkehr trat. Dann, nachdem der kaiserliche Hof bereits die Rückreise angetreten, unternahm Steinbüchel auf Staatskosten und von dem trefflichen Zeichner und Kupferstecher Thomas Benedetti [Bd. I, S. 268] begleitet die Reise nach Sicilien, worauf er noch Calabrien durchforschte und über Turin nach Wien zurückkehrte. Als Ergebniß dieser Reise bewahrt das k. k. Münz- und Antiken-Cabinet von Benedetti’s Hand sechs Hefte mit Zeichnungen von Monumenten, Figuren, Büsten, Wandgemälden und an Ort und Stelle aufgenommenen Volksscenen. Im Jahre 1821 reiste S. in Gemeinschaft mit dem Maler und Kupferstecher des Münz- und Antiken-Cabinets Peter Fendi [Band IV, S. 173] nach Venedig und Oberitalien [55] und dann nach Salzburg, um die Aushebung und Versendung des dort aufgefundenen großen Mosaikbodens mit der Darstellung des Theseus und der Ariadne nach Wien persönlich zu überwachen, was ihm auch, nachdem es einer Commission der Münchener Akademie, Thiersch an der Spitze, mißlungen, vollkommen gelang. Der erwähnte Mosaikboden kam 1834 nach Laxenburg. Auch diese Reise war von einer bedeutenden künstlerischen Ausbeute Fendi’s begleitet, dessen ansehnliche Menge von Zeichnungen verschiedener Alterthümer sich gleichfalls im Besitze des k. k. Antiken-Cabinets befindet. In der Folge machte Steinbüchel noch mehrere Reisen zu archäologischen Zwecken; so in den Jahren 1825 und 1828 nach Deutschland, im Herbst 1826 nach Paris und London, von allen mit mehr oder weniger Ausbeute für das seiner Leitung anvertraute Cabinet heimkehrend, oder sonst im Interesse seiner Wissenschaft thätig. So seien von seinen bedeutenderen Ankäufen erwähnt: Die Tiepoli’sche Sammlung, Theile der Cousinery’schen und Rollin’schen Cabinete, dann eine ansehnliche Zahl einzelner Bronzen, Pasten und Gemmen. Auch für die Schonung und Erhaltung alter Monumente, besonders der Inschriften, war er sorgsam bedacht. Andere Verdienste erwarb er sich durch Sichtung und Bestimmung verschiedener Münzen-Sammlungen, so jener in Lemberg und der Wallraff’schen in Köln. Auch schriftstellerisch thätig war Steinbüchel in seinem Fache; so erschienen von ihm selbständig folgende Werke: „Beschreibung der k. k. Sammlung ägyptischer Alterthümer. Mit 2 KK.“ (Wien 1826. Heubner, 12°.); – „Scarabées égyptiens figures de Musée des antiques de S. M. l’Empereur“ (Wien 1826, gr. 4°., mit KK.); – „Abriss der Alterthumskunde“ (Wien 1829, Heubner, gr. 8°.); – „Grosser antiquarischer Atlas oder Abbildung der vorzüglichsten Denkmäler der alten Welt, zu einer wissenschaftlichen Begründung der Alterthumskunde. Nach den Vorträgen im k. k. Münz- und Antiken-Cabinet zu Wien“. I. Abtheilung. Gebäude der Alten und deren Bestimmung. 8 Hefte mit 51 (ziemlich schlecht ausgeführten) Steintafeln und 1/2 Bog. Text (Wien 1833, Trentsensky und Vieweg, gr. Fol.); – „Die Becker’schen falschen Münzstempel in ausführlichen Verzeichnissen. Für Sammler und Freunde der Münzwissenschaft. Mit einer Einleitung über Münzkunde überhaupt“ (Wien 1836, Volke, gr. 8°.); – „Neueste Dampfschiffahrt von Wien nach Trapezunt, oder die grosse Donaustrasse zu einem der reichen Ursitze des asiatischen Welthandels“ (Wien 1838, Gerold, gr. 8°.); – „Der Fall Venedigs in den Märztagen und die Lage Italiens zu Oesterreich“ (Wien 1848, Volke, gr. 8°.). Auch gab er heraus des Heräus [Bd. VIII, S. 320] „Thesaurus numismatum recentiorum“ mit deutscher Vorrede und einem kurzen, die Tafeln begleitenden Texte, unter dem Titel: „Bildnisse der regierenden Fürsten und berühmten Männer vom XIV. bis zum XVIII. Jahrhunderte, in einer Folgereihe von Schaumünzen zusammengestellt“ (Wien 1828, Heubner, 63 Taf. in Fol. max.); – die „Additamenta ad Eckhelii, doctrinam nummorum“ (Wien 18..), und des Abbé Neumann „Notices sur les Médaillons Romains en or du Musée impérial et royal de Vienne. Trouvés en Hongrie dans les années 1797 et 1805“ (Wien 1826 [Heubner], gr. 4°., mit 4 KK. und 4 Vign.) Einzelne Aufsätze brachten auch die Wiener Zeitschriften, wie die Wiener Jahrbücher, [56] der Literatur u. a. seine Erklärung einer Vase mit dem Bilde der Sappho und des Alcäus; seine Forschungen über die Contorniaten u. m. Mehrere Akademien und gelehrte Gesellschaften, so jene von Rom, Neapel, Cambridge, die Gesellschaft für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, die „Academia Florimontona di Monteleone“ u. a., nahmen Steinbüchel unter ihre Mitglieder auf. Mit ah. Entschließung vom 10. Mai 1840 trat Steinbüchel in den Ruhestand über, den er bis zum Jahre 1848 meist in Venedig, von da ab theils in Gratz, theils in Triest verlebte. Steinbüchel, der gegenwärtig 87 Jahre zählt, muß noch am Leben sein, da er im zweiten Jahrgange des „Genealogischen Taschenbuchs der Ritter- und Adelsgeschlechter. 1877“ (Brünn, Buschak und Irrgang, 12°.) noch als lebend angeführt erscheint.

Bergmann (Joseph), Wege der Numismatik in Oesterreich im XVIII. und XIX. Jahrhundert u. s. w. (Wien 1858, Staatsdruckerei, 8°.) III. Heft, S. 44. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V., S. 138.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. 55.