BLKÖ:Stoppani, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 180. (Quelle)
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Stoppani, Johann Baptist (gelehrter Prämonstratensermönch, geb. zu Dresden in Sachsen am 22. September 1778, gest. im Stift Strachow bei Prag 4. Juni 1836). Im Alter von fünf Jahren kam er mit seinen Eltern, welche bis dahin in Dresden seßhaft waren, in die Moldaustadt, wo er bei den Piaristen das Gymnasium und an der Hochschule, das Studium der Philosophie und Theologie beendete. Ende October 1800, 22 Jahre alt, trat er im Stifte Strachow in den Prämonstratenserorden, in welchem er am [181] 10. October 1802 die Ordensgelübde ablegte, seine in der Taufe erhaltenen Namen Karl Anton mit den Klosternamen Johann Baptist vertauschend. Am 6. Februar 1803 erhielt er die Priesterweihe, worauf er zunächst im Predigtamte thätig war. Schon der Abt Adolph Schramek [Band XXXI, S. 255] bestimmte ihn zu literarischen Arbeiten, und dessen Nachfolger, der wegen seiner Gelehrsamkeit rühmlichst bekannte Abt Milo Grün [Band V, Seite 392], welcher bald nach seiner Erwählung im Stifte eine theologische Lehranstalt errichtete, übertrug ihm 1804 das Lehrfach der Hermeneutik des alten und neuen Bundes. 1807 am 5. Juni bestand Stoppani eine öffentliche Disputation und erhielt am 25. November 1809 die theologische Doctorwürde. In letzterem Jahre supplirte er an der Prager Universität die Hermeneutik des neuen Bundes und lehrte dann im Stifte das Bibelstudium fort, bis 1815 die Hauslehranstalt aufgegeben wurde. Darauf war er zuerst als Correpetitor der Zöglinge des Stiftes und von 1816 an als Novizenmeister thätig. 1818 ward er zum Decan der theologischen Facultät an der Universität zu Prag erwählt, 1822 zum Subprior in Strachow, und nachdem er 1834 über sein Ansuchen des anstrengenden Amtes eines Novizenmeisters, das er durch 18 Jahre versehen hatte, enthoben worden, bekleidete er die Würde eines Conventspriors bis zu seinem Ableben. Stoppani’s schriftstellerische Thätigkeit beschränkt sich vornehmlich auf Programmschriften und Recensionen. So gab er heraus: „Positiones ex universo systemate theologico, quas sine praeside in magna aula Carolina publice propugnavit“ (Pragae 1807, 4°.); – „Sätze aus der Hermeneutik, den biblischen Alterthümern und der Einleitung in die göttlichen Bücher“ (Prag 1805); aus den nämlichen Gegenständen gab er von 1806 bis 1812 alle Jahre solche Thesen in Druck; – „De studii biblici veteris Testamenti, quantum ad christianos Theologos attinet, necessitate et praestantia“ (1809); – „Sancti Polycarpi Episcopi Smyrnae et sacri Martyris ad Philippenses epistola“ (1810); diese beiden Werkchen wurden den Thesen angehängt, welche vorschriftsmäßig an klösterlichen theologischen Lehranstalten in den österreichischen Staaten erscheinen sollen; – ferner veröffentlichte er in Frint’sTheologischer Zeitschrift“: „Lehrten Jesus und seine Apostel das nahe Ende der Welt und die baldige Wiederkunft des Messias auf Erden?“ [I. Jahrg., Bd. II, Heft 1]; – „Einige Ideen zur Beurtheilung des moralischen Theiles des alten Bundes“ [II. Jahrgang, Band II, Heft 1]; – „Etwas über die Vorliebe Jesu für die israelitische Nation“ [II. Jahrg., Bd. I, Heft 1]; überdies stammen aus seiner Feder viele anonyme Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften; auch hat er mehrere Gedichte in lateinischer und deutscher Sprache verfaßt. – Stoppani war von früher Jugend an, wohl in Folge seiner anstrengenden Studien, denen er mit nicht zu bändigendem Feuereifer Tag und Nacht oblag, nervenleidend, und da das Leiden mit den Jahren zunahm, so mag auch daraus die verhältnißmäßig geringe schriftstellerische Thätigkeit zu erklären sein, die sich sonst mit seiner ebenso umfangreichen als gründlichen Gelehrsamkeit kaum zusammenreimen läßt. Merkwürdig ist das Vorgefühl, welches ihn die Nähe seines Todes mit Bestimmtheit vorhersehen [182] ließ. Wenige Tage vor seinem Ableben verließ er sein Gemach, begab sich in die Kirche und legte die Beichte ab. In seine Zelle zurückgekehrt, bat er, daß ihm die letzte Oelung gereicht werde. Der später Subprior Gabriel Müller gab sie ihm wohl, doch gegen seine innere Ueberzeugung, da er auch nicht das geringste Anzeichen eines gesteigerten Krankheitszustandes an ihm gewahrte. Aber nach Empfang des Sacraments traf Stoppani der Schlag, und unter großen Qualen hauchte er bald darauf seine Seele aus. Er zählte zu den nicht eben wenigen Zierden seines Stiftes. Er besaß ein umfassendes Wissen, war namentlich in orientalischen Sprachen gründlich bewandert und verband mit dem Scharfblick des kritischen Geistes ein seltenes Gedächtniß, so daß er im Stifte das „lebendige Gelehrten-Lexikon“ hieß. Dazu war er bei echter Frömmigkeit von engelhafter Sittenreinheit und ein Wohlthäter der Armen, denen er über seine Kräfte spendete, so daß er das Nöthigste nicht selten selbst entbehrte. Der Ruf seiner Gelehrsamkeit reichte weit über die Mauern seines Stiftes hinaus, und dafür spricht die Thatsache, daß Kaiser Franz, der bekanntermaßen auf die Gelehrsamkeit nicht gerade große Stücke hielt, bei einem Besuche Strachows im Jahre 1824 den .gelehrten Pater Stephan“, wie er sich ausgedrückt haben soll, zu sehen wünschte. Wie wir schon oben bemerkt, steht die Zahl seiner Schriften mit seiner gerühmten Gelehrtheit nicht im Einklange, und auf mein Ansuchen im Stifte um Aufklärung über diesen Punct wurde mir der Bescheid: daß Stoppani, ein intimer Freund des berühmten Bernhard Bolzano [Bd. II, S. 35] und des ehemaligen Directors des Wenden-Seminars, nachmaligen Canonicus in Bautzen Franz Přihonský [Band XXIII, Seite 295], welch letzterer ihm gleichsam Verleger war, bis Ende der Zwanziger-Jahre anonym sehr viel, seit 1832, als seine Nervenzustände überhand nahmen, aber nur noch wenig geschrieben haben soll. Die Strachower Bibliothek besitzt von Stoppani’s gedruckten Sachen nichts, dagegen in Handschrift ein umfangreiches Werk: „Status vitae religiosae“, welches er gleichsam als Handbuch für sein Novizenmeisteramt niederschrieb, und das noch heute von dem jeweiligen Novizenmeister als „manuductio ad vitam regularem“, vorgetragen wird. Als im Jahre 1829 die Jubelfeier des h. Johann von Nepomuk begangen wurde, hatte der Universitätsrector Dr. Kanka [Band X, Seite 438] die Festrede zu halten, und dieses Meisterwerk geistlicher lateinischer Rhetorik war eine Arbeit Stoppani’s. Der gegenwärtige hochwürdige Prälat des Stiftes aber hatte bei ihm eine Interpretation der Propheten und ein Werk über die Kirche in Handschrift gesehen. Wo aber diese beiden Schriften, die sich nicht in der Klosterbibliothek befinden, hingekommen sind, ist nicht bekannt.

Waitzenegger (Franz Joseph). Gelehrten- und Schriftsteller-Lexikon der deutschen katholischen Geistlichkeit (Landshut 1820, Joseph Thomann, 8°.) Bd. II, S. 426.